Marcel Huwyler – Der Herr Wälti und das fette Alphorn

⭐⭐⭐⭐⭐

Ziemlich abgedreht, ungemein witzig und dazu noch ein bisschen spannend

Der Name Huwyler ist und bleibt einfach ein Garant für gute Unterhaltung, für ganz spezielle Figuren, für verwickelte Geschichten und für viel Spaß an urigen Worten. So auch hier im zweiten Band der Reihe um den taxifahrenden, selbsternannten Detektiv Wälti (dessen Vorname ein tiefes Geheimnis bleibt).

Diesmal bekommt Wälti es mit Mächten aus der Vergangenheit zu tun. Was sich aber erst im Laufe der Zeit bzw. der Ermittlungen herausstellt. Es beginnt damit, dass Fabio, seines Zeichens talentierter Fälscher von Antiquitäten, des Mordes an seinem Auftraggeber Bärtschi verdächtigt wird und in Untersuchungshaft kommt (hier schludert das Ganze ein bisschen, denn von den Ermittlungen gegen Fabio bekommt man im ganzen Roman nichts mit, aber das nur nebenbei).

Selbstverständlich sind Wälti und seine Mitstreiterin Evita, On- und Off-Beziehung Fabios, von dessen Unschuld überzeugt, daher lassen sie nichts unversucht, den wahren Täter oder die Täterin zu finden. Überraschenderweise stellt sich Josepha, eine „Freelancer-Nonne“ an ihre Seite, die außerdem noch die Tochter des Mordopfers ist. Doch auch sie ist sich sicher, dass Fabio einer solchen Tat nicht fähig ist. Somit beginnen die drei so ungleichen Tapferen mit ihren Nachforschungen.

Nach einigen Irrwegen kommen sie dann auf die richtigen Spuren, was sich als nicht ungefährlich herausstellt. Doch Josefa weist ungeahnte Fähigkeiten auf, abgesehen von ihrem lockeren Mundwerk, das nicht nur Wälti immer wieder sprachlos macht, sondern dem ganzen Roman ein herrlich witziges Tempo verleiht.

Überhaupt ist wie immer die Erzählweise Huwylers das beste am ganzen Buch, seine Beschreibungen, seine Vergleiche und Metaphern, seine Dialoge und vor allem seine herrlich kauzigen schweizerischen Ausdrücke lassen einen bei der Lektüre die ganze Zeit breit grinsen.

Dazu die mit feiner Linie gezeichneten Hauptfiguren, die alle ihr Päcklein zu tragen und ihre besonderen Eigenschaften vorzuweisen haben. Wältis Päcklein dieses Mal ist das Damoklesschwert einer Wanderwoche, die seine Angetraute Anni akribisch plant, inklusive diverser Neuerwerbungen wie z.B. ganz besonderes Schuhwerk, welches noch eine wichtige Rolle spielen wird (Achtung, das ist ein winziger Spoiler).

Auch wenn immer noch Violetta Morgenstern mein absoluter Favorit unter Huwylers Protagonisten ist, Wälti holt durchaus auf. Ein sympathischer älterer, ein bisschen verknitterter und manchmal arg naiver liebenswerter Kerl, dem Gerechtigkeit und Höflichkeit über alles gehen. Und der seine Anni natürlich auch nicht enttäuschen möchte.

Ach ja, und das titelgebende Alphorn spielt natürlich auch eine Rolle, allerdings ganz anders als man erwartet.

Ein Roman, den man verschlingt, denn auch die Spannung – wiewohl auf eher niedrigen Niveau, weiß man doch, dass es gut ausgehen muss – reicht aus, um die Leserin zu fesseln. Und um die Vorfreude auf hoffentlich Band 3 zu schüren.

Marcel Huwyler – Der Herr Wälti und das fette Alphorn
atlantis, April 2026
Taschenbuch, 302 Seiten, 19,90 €


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