Thomas Montasser – Die Wanderbücherei

⭐⭐⭐

Die immer gleiche Geschichte – immer wieder berührend

Wenn Zwei sich nicht lieben dürfen, ist das immer eine tragische Geschichte. Und wenn die Politik, die Geschicke Schuld sind am Drama der Liebenden, dann ergibt das stets reichlich Stoff für zu Herzen gehende Romane.

Thomas Montasser, dessen Romane um einen ratsuchenden Bundeskanzler oder um geschäftstüchtige Nonnen ich wirklich liebte, erzählt nun in seinem neuen Buch die Geschichte von Vera und Hans. Hans, Arbeiter bei der Bahn, ist Sozialist, Vera (die eigentlich ganz anders heißt) Halbjüdin, keine guten Voraussetzungen für eine glückliche Verbindung im Jahr 1937.

Die beiden lernen sich durch die titelgebenden Wanderbücherei kennen, die eigentlich eher eine fahrende Bücherei ist, nämlich in einem Trambahnwagen in München. Die zuständige Bibliothekarin versorgt Hans und dann auch Vera mit „verbotenen“ Büchern, die sie unter falschem Titel im Register führt. Das Pärchen nutzt diese Bücher schließlich für geheime Botschaften. Doch so sehr sie sich lieben, das Leben und der Krieg treibt sie erst einmal auseinander.

Soweit der eine, in der Vergangenheit spielende Handlungsstrang. Der jedoch bedauerlicherweise nicht stringent und chronologisch erzählt wird. Sondern der Autor springt auf diversen Zeitebenen hin und her, so dass man nicht nur verwirrt ist, sondern auch Dinge vorweggenommen werden, die ein paar Seiten weiter dann noch gar nicht geschehen sind.

Daneben gibt es eine weitere Erzählebene in der Gegenwart (ein in letzter Zeit leider gehäuft verwendetes Stilmittel, dessen Nutzen sich mir nicht immer erschließt), die Geschichte von der Restauratorin Sophie, die den damals verwendeten Tramwagen für eine Ausstellung wiederherstellen soll. An ihrer Seite der Filmemacher Fabian, der ihre Arbeiten verfolgen soll. (Man ahnt schon von der ersten Seite an, wohin das führen wird.) Sophie findet in alten Unterlagen Hinweise auf die Geschichte von Vera und Hans und versucht nun, durch Recherche und Gespräche mit überlebenden Zeitzeugen mehr darüber herauszufinden.

Dieses erwähnte Hin und Her zwischen der Vergangenheit und dem Heute, die irritierenden Zeitsprünge zwischen Anfang der dreißiger Jahre, 1937, 1942 und dann wieder 1935 und so fort, hat mir das Lesevergnügen einigermaßen verdorben. Immer, wenn man gerade in die laufende Handlung hineingefunden hat, springt es auf eine andere Zeitebene oder einen ganz anderen Handlungsstrang.

Dazu ist die Geschichte rund um Sophie eher uninteressant, das, was sie herausfindet bei ihren Befragungen von Nachkommen z.B. der damaligen Bibliothekarin, hätte man auch durchaus im vergangenen Erzählstrang berichten können. Meiner Meinung nach hätte dies mehr Empathie geweckt, mehr erlaubt, sich in die Figuren hineinzufühlen und in die Geschichte tiefer einzutauchen.

So konnte mich diesmal der Roman nicht gänzlich überzeugen, trotz der durchaus interessanten Ausgangslage.

Thomas Montasser – Die Wanderbücherei
Fischer, April 2026
Gebundene Ausgabe, 267 Seiten, 22,00 €


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