Liz Nugent – Kleine Grausamkeiten

aus dem Englischen von Kathrin Razum

Wenn eine Mutter ihre drei Söhne gegeneinander aufstichelt, wenn eine Mutter einen dieser Söhne stets ablehnt, den anderen bevorzugt. Ist wieder einmal die Mutter an allem schuld? Das zu entscheiden, bleibt der Leserin dieses im doppelten Sinn grausamen Romans überlassen.

Allein schon der Aufbau ist grausam, denn die Spannung entsteht sofort, schon auf den ersten Seiten.

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Jeanette Limbeck – Die Fliegerinnen

Was für ein Debüt! So spannend, fesselnd und dabei auch noch wirklich gut geschrieben, wirklich lesenswert.

Dazu kommt noch eine ungeplante Aktualität, dadurch, dass man einiges über die Lebensweise in Sowjetrussland lernt, auch wenn der Roman in den Vierziger Jahren spielt, während des Zweiten Weltkriegs. Ich habe natürlich keine Ahnung, wie exakt die Einblicke in die Geheimdienste und die Zustände bei der Armee zutreffen, vermutlich (oder wahrscheinlich) war es aber eher noch viel schlimmer als hier beschrieben. Davon, wie es dort heute zugehen mag, ganz zu schweigen.

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Anja Wedershoven – Niederrheinische Glut

Es ist ganz sicher eine Frage der Vorlieben, des Geschmacks, ob man das, was mich an diesem Roman so sehr gestört hat – wie übrigens auch schon beim Vorgängerband – mag oder nicht. Doch abgesehen von dem Zuviel, das mich diesmal in der Tat genervt hat, war es außerdem auch noch ziemlich unrealistisch.

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Angelika Koch – Die Eifel und die Milch der Unschuld

Ein weiterer Roman mit dem sympathischen Kommissar Baltes aus der titelgebenden Eifel. Der Ermittler hatte mir bereits im ersten Band der Autorin gut gefallen, weil er so „normal“ ist, kein ständig mit tiefgreifenden psychischen Problemen behafteter, einsamer Wolf, sondern ein ganz normaler Ehemann, dessen einziges Manko seine philosophische Ader ist.

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Sharon Bolton – Beste Freunde

aus dem Englischen von Marie-Luise Bezzenberger

Was für ein Thriller! Schon eine ganze Weile hat mich kein Buch mehr so gefesselt, war ich so gebannt und war die Handlung dermaßen spannend. Die englische Autorin, die mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde, war mir bislang ganz unbekannt, aber ich kann schon jetzt sagen, dass dies nicht das letzte Buch von ihr war, das ich gelesen habe.

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Alexa Hennig von Lange – Die karierten Mädchen

Es tut mir wirklich sehr leid, aber zu diesem Buch fällt mir absolut nichts positives, nichts lobenswertes ein. Normalerweise finde ich immer ein gutes Korn, auch in dem schrecklichsten Roman. Doch hier blieb die Suche danach erfolglos. Dennoch gibt es natürlich mit Sicherheit Leserinnen, die von dem Roman der erfolgreichen, mir bislang jedoch unbekannt gewesenen Autorin begeistert sind. So verschieden sind eben die Geschmäcker.

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Fabienne Maris – Hitzewelle

Noch ein in diesem Jahr erschienener Roman, der in einem heißen Sommer spielt. Aber ein heißer Tipp!

Im Mittelpunkt des Romans steht Jonathan, der zu Beginn der Handlung 35 Jahre alt wird. Er ist ein sehr einsamer, sehr stiller Mensch, ein Mann mit festen Gewohnheiten. So geht er samstags in den Supermarkt, sonntags holt er sich die Zeitung und Brot im Laden nebenan. Er schlägt die Zeit tot mit Kreuzworträtseln und mit Fernsehsendungen.

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Wlada Kolosowa – Der Hausmann

Ungewöhnlich, abgedreht, so ganz anders. Das sind die Begriffe, die mir als erstes zu diesem Buch einfallen. Bei dem ich auch erst einmal überlegen muss, ob man es als Roman bezeichnen kann. Das ist es ohne Frage, aber es ist auch eine Graphic Novel, ein Chatprotokoll, ein Blog und überhaupt eine gelungene Mischung aus witzigen, kritischen, psychologischen und spannenden Bestandteilen, die ein durchaus interessantes und fesselndes Ganzes formen.

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Alex Capus – Susanna

Es sind mit der Zeit schon einige Romane von Alex Capus, die ich gelesen und sehr gemocht habe. Sie sind meist vielschichtig, ruhig und doch spannend. Oft haben sie auch einen historischen Hintergrund.

Dies gilt auch für seinen neuen Roman „Susanna“, der die Geschichte der Susanna Faesch (1844-1921, Künstlername Caroline Weldon) erzählt, einer in der Schweiz geborenen Malerin, die als Jugendliche mit ihrer Mutter nach Amerika auswandert. Zu einer Zeit voller Umbrüche und Wandlungen. Elektrizität und Dampfkraft nehmen an Bedeutung zu, die Städte verändern sich gravierend und im Westen der USA gibt es immer wieder heftige Kämpfe zwischen den neuen Siedlern und den verschiedenen Indianerstämmen.

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Bettina Reimann – Aller-Wolf

Ein Krimidebüt, das absolut gelungen ist. Bettina Reimann, Journalistin mit ganz offensichtlich kriminalistischer Spürnase, stellt ein sehr sympathisches Ermittlertrio vor, das auf Fortsetzungen hoffen lässt.

Es ist ein solider, klassischer Kriminalroman, den man mit großer Freude und noch mehr Spannung liest. Denn das ist er, durchgängig spannend, mit immer neuen Wendungen, fast könnte man ihn einen Pageturner nennen – ich jedenfalls habe ihn in einem Rutsch ausgelesen.

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Julia Karnick – Am liebsten sitzen alle in der Küche

Dieser Roman ist dann doch ziemlich anders, als Titel und Klappentext erwarten lassen. Weder ist er so humorvoll noch so spritzig, wie beides glauben macht. Dennoch, vor allem aufgrund der authentisch geschilderten Frauenfiguren, mit lebensechten, alterstypischen Problemen und Sorgen, ist das Buch eine angenehme Lektüre.

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Liz Nugent – Auf der Lauer liegen

aus dem Englischen von Kathrin Razum

Wer den Film oder das Buch „Psycho“ liebt, sollte unbedingt dieses Buch von Liz Nugent lesen. Ein ganz anders gestrickter Plot, aber ebenso tief- wie abgründig, ebenso spannend wie unvorhersehbar. „Auf der Lauer liegen“ – ein nicht schlecht gewählter, aber in die Irre führender Titel – ist das Psychogramm einer soziopathischen Familie, deren Mitglieder so scharfsinnig skizziert, so kaltblütig seziert werden, dass manche Szene die Leserin in den Schlaf verfolgt.

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Christiane Wünsche – Wir sehen uns zu Hause

Ein ungeplanter Road-Trip soll es richten. Anne hat gerade ihren Mann Peter verloren. Ganz plötzlich erlag er einem Herzinfarkt, kurz bevor sie zusammen mit ihrem Wohnmobil nach Skandinavien reisen wollten.

Anne, die Protagonistin dieses neuen Romans der Bestsellerautorin aus dem Rheinland, trauert sehr um den geliebten Mann. Um dem leeren Haus zu entfliehen, fährt sie schließlich allein los. Doch statt nach Schweden und Dänemark zu fahren, bleibt sie erst auf Rügen hängen, um dann von dort weitere Stationen in den sogenannten neuen Bundesländern anzusteuern.

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Una Manion – Licht zwischen den Bäumen

aus dem Englischen von Tanja Handels

Ganz entgegen meiner üblichen Art habe ich dieses Buch sehr langsam gelesen, über mehrere Tage und habe dabei jeden einzelnen Satz inhaliert. Der Roman, das Debüt der für ihre Kurzgeschichten mehrfach ausgezeichneten Autorin, ist etwas ganz besonderes. So sehr, dass er mich bis in den Schlaf verfolgte mit seiner minutiös aufgebauten Spannung und mich die Figuren durch den Tag begleiteten, als wären sie leibhaftig.

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Jutta Mehler – Mord mit Liebesperlen

Ein weiterer Krimi aus der Feder der niederbairischen Autorin, Jahrgang 1949, mit den drei umtriebigen alten Damen Hilde, Thekla und Wally auf der Pirsch. Und wieder hat mich an dem zwar sehr unterhaltsamen, wenn auch recht seichten Roman dieser sehr unrealistische Aspekt gestört, dass drei Privatpersonen – noch dazu in derart fortgeschrittenem Alter – so ohne weiteres ermitteln können (und das diesmal sogar mit dem Segen der Polizei) und dass alle Befragten dann auch noch stets bereitwillig Auskunft geben.

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Franziska Gänsler – Ewig Sommer

Dies ist wieder einmal so ein Roman, bei dem ich hin- und hergerissen bin. Inhaltlich ist er hoch aktuell und dramatisch, sprachlich herausfordernd und gelungen, nur was Spannung und Handlungslauf angeht, fehlt mir etwas.

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Beate Ferchländer – Das Teigtascherldebakel

Ein bisschen überfrachtet ist er ja schon, der neue Krimi der österreichischen Autorin, ein bisschen unwahrscheinlich, aber Spaß macht er doch. Das liegt vor allem sicher an den herrlich überzeichneten Figuren, die alle irgendeinen Knacks im Gebälk haben – und das schließt ausdrücklich den ermittelnden Kommissar mit ein.

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Leonie Swann – Miss Sharp macht Urlaub

So richtig bin ich nicht warm geworden mit dem Roman und seinen Figuren. Denen ich in diesem Roman auch zum ersten Mal begegnete, dabei gibt es einen Vorgängerband, den ich jedoch nicht gelesen habe.

Im Mittelpunkt steht eine Gruppe von Seniorinnen und Senioren, die in einer Wohngemeinschaft auf Sunset Hall leben.

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Volker Jarck – Robuste Herzen

Eine Familiengeschichte, ein Psychogramm, eine Zeitreise – all das ist der neue Roman von Volker Jarck. Und dazu ist er wieder ganz wunderbar geschrieben, auf eine fast poetisch Art, mit fein ziselierten Sätzen.

Von seinem Debüt „Sieben Richtige“ war ich vollkommen begeistert. Dieser Autor kann einfach schreiben, formuliert auf jeder Seite Sätze, die man sich an die Wand pinnen und auswendig lernen möchte. „Was da jetzt noch schwer erkennbar zappelte, würde demnächst atmen, gleich danach trinken, und dann könnte es schnell gehen – zwischen Stehen, Sprechen, Gitarre oder Klavier spielen und der Abifahrt lägen gerade mal tausende von Sekunden oder Tagen, nur ein Windstoß in der Zeit.“ (S. 67).

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Dagmar Maria Toschka – Hafenwasser mit Schuss

Dieser fröhlich-unbeschwerte Krimi ist die nahtlose Fortsetzung des Romans „Alte Anker rosten nicht“ der vom Niederrhein stammenden Autorin, den ich mit großer Freude und viel Spaß gelesen hatte. Auch hier, im Kölner Stadthafen, begegnen wir wieder der sympathischen Linda, die nun, frisch von Ehemann Adrian getrennt und daher wohnungs- und einkommenslos, erstmal in einem kleinen Boot von Freunden unterkommt.

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Emily Henry – Kein Sommer ohne dich

aus dem amerikanischen Englisch von Katharina Naumann

Eine wirklich herzerwärmende Schmonzette mit zwei ungemein liebenswerten Hauptfiguren, nur leider ist die Story dabei aber etwas zu ausschweifend geraten.

Die Geschichte ist wirklich berührend, wenn auch altbekannt und vorhersehbar. Da der Roman aber wunderbar geschrieben ist, die Figuren beim Lesen heftig ans Herz wachsen und die Dialoge einfach nur herrlich witzig, anrührend und lebendig sind, liest man diesen Roman mit großer Freude.

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Natascha Bub – Ein Bild von einer Frau

Ein kesses junges Mädchen, von seinen Fähigkeiten überzeugt, geht eine Wette ein mit einem bekannten Verleger. Das ist der Ausgangspunkt dieses Romans, der auf wahren Ereignissen beruht.

Zugrunde liegt dem Roman die Geschichte von Inge Schönthal, einer jungen deutschen Fotojournalistin, die ein weltbekanntes Foto von dem berühmtesten Schriftsteller der Welt macht. Es geht um Hemingway, in dessen Haus auf Kuba die junge Frau 1953 auftaucht, auf der Jagd nach einem noch nicht dagewesenen Fotomotiv.

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Libby Page – Inselheimat

aus dem Englischen von Silke Jellinghaus

Eine Familiengeschichte, in der es um Vergangenheitsbewältigung, Aufarbeitung und Versöhnung geht. Darin spielt die Tatsache, dass diese Familie auf einer kleinen schottischen Insel lebt, eine nicht unwichtige Rolle.

Denn als Lorna eines Tages auf die Insel zurückkehrt, nach mehr als zwanzig Jahren, hat sich zwar einiges verändert, vieles aber wird sich nie ändern.

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Claire Keegan – Kleine Dinge wie diese

aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser

Ein regelrechtes Kleinod hat mir die Post da ins Haus gebracht. Vielen Dank an den Steidl-Verlag, der mir dieses Buch unverlangt zugeschickt hat. Ein kleines, ganz wunderbares Buch, von einer mir bis dahin gänzlich unbekannten irischen Autorin.

Claire Keegan, die unter anderem für ihre Erzählbände mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin, erzählt die Geschichte eines guten Mannes. Die Handlung trägt sich zu in einer kleinen irischen Stadt im Jahr 1985.

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Annika Büsing – Nordstadt

Die kämpferische Bademeisterin Nene und der zurückhaltende Boris, das Liebespaar des Jahres. So könnte man den Debütroman der im Ruhrgebiet geborenen Autorin zusammenfassen. Die beiden jungen Menschen sind Außenseiter: Sie ist traumatisiert von einer gewalttätigen Kindheit, von Einsamkeit und Lieblosigkeit. Er verdankt der Nachlässigkeit seiner Mutter die Erkrankung an Kinderlähmung, deren Folgen ihm bis heute Schmerzen und Ausgrenzung verursachen.

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Sharon Gosling – Fishergirl’s Luck

aus dem Englischen von Sibylle Schmidt

Alles hinter sich lassen und neu anfangen, wer hätte davon nicht schon mal geträumt. Anna, die Protagonistin dieses Romans, tut genau das. Dabei allerdings schleppt sie viel Ballast, viele schmerzhafte Erinnerungen mit.

So vielversprechend sich der Klappentext liest, so vorhersehbar und so wenig überraschend ist der Plot.

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Maren Gottschalk – Fräulein Steiff

Ein von einer Historikerin geschriebener Roman um eine reale Person könnte trocken, zu wissenschaftlich, wenig empathisch sein, so war meine Befürchtung. Völlig unbegründet, das kann ich mit Fug und Recht sagen, nachdem ich das Buch von Maren Gottschalk gelesen habe.

Bei der Lektüre standen mir immer die Bilder aus der Verfilmung des Schicksals von Margarete Steiff vor Augen, was aber erstmal kein Nachteil ist. Denn beide, Film und das vorliegende Buch, gehen behutsam daran, das Leben der Frau zu schildern, die trotz ihres gewaltigen Handicaps eine eigene Firma gründet, die Weltruhm erlangt. Und das im 19. Jahrhundert.

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Dina El-Nawab & Markus Stromiedel – Zusammen stirbt man weniger allein

Ich bin immer noch ganz außer Atem nach der Lektüre dieses temporeichen, spannenden, witzigen, liebenswerten Romans. Dessen Handlung so flott dahinjagt, dass ich das Buch in der Tat in wenigen Stunden durchgelesen hatte. Da ist kein Wort zu viel, kein Satz langweilig. Und die Dialoge! Herrlich!

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Felicitas Fuchs – Minna. Kopf hoch, Schultern zurück

Noch ein Buchtipp, dem ich gefolgt bin, doch diesen habe ich wirklich nicht bereut. Wenn man auch weiß, wer sich hinter dem Namen Felicitas Fuchs verbirgt, dann ahnt man, dass man ein gutes Buch in Händen hält.

Minna ist die Geschichte der Großmutter der Autorin, in Romanform und daher sicher verfremdet, aber, so erklärt sie im Nachwort, nah an der Realität. Minna, die lieber Mia genannt werden möchte, ist 1924, als die Geschichte beginnt, eine fesche und sehr muntere Neunzehnjährige, die mit Leidenschaft näht. Ihre Mutter Ida achtet sehr auf Benimm und Moral, was Minna nicht immer leicht fällt. Als sie Fred kennenlernt, einen jungen Mann aus gutem Haus, gibt sie sich große Mühe, seinen und den Ansprüchen seiner Eltern zu entsprechen.

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Rebecca Serle – In fünf Jahren

In den höchsten Tönen lobende Rezensionen haben mich dazu gebracht, diesen Roman zu lesen, obwohl ich vorher gezögert hatte. Und leider muss ich sagen, dass mein Zögern doch berechtigt war.

Es ist aber ein klassischer Fall von Geschmackssache. Denn eine mir derart unsympathische Protagonistin führt einfach dazu, dass ich dann das ganze Buch nicht besonders mag. Leider.

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