Eine Welt ohne Bücher wäre unbewohnbar

Schreiben und Lesen sind meine Leidenschaft

 

Lorraine Fouchet – Pinguine bringen Glück

Rezension, veröffentlicht am 19. Januar 2021

Ein wunderschönes Buch mit einem etwas unpassenden Titel.

Der fünfzehnjährige Dom spielt nachts heimlich ein Computerspiel, als das Gerät plötzlich abstürzt. Kurz darauf stehen Notärzte und Sanitäter in der Wohnung, in der er mit seinem Vater wohnt. Doch sie können seinem Vater nicht mehr helfen. Sein Herz hat versagt. Doch wer hat die Ärzte gerufen? Dom erfährt, eine blonde Frau sei bei seinem Vater gewesen, als er starb. Wer ist sie? Sie muss im selben Haus wohnen, also muss er sie kennen.

In diesem Haus wohnt die gesamte Familie, Doms Onkel, seine Tanten, eine Concierge und eine Mieterin im Dachgeschoß. Und alle Frauen sind blond.

Auch wenn sein Onkel zum Vormund ernannt wird und seine Tanten sich um ihn kümmern möchten, so ist Dom doch plötzlich sehr allein. Denn auch seine Mutter ist verschwunden, schon vor mehreren Jahren. Sie ist Chirurgin und wollte armen Kindern helfen, am anderen Ende der Welt.

Auf der Suche nach der mysteriösen Blonden findet Dom noch viel mehr über seinen Vater heraus. So wird in einem Beileidsschreiben eine Tochter seiner Eltern erwähnt. Davon weiß er gar nichts, wieso hat er eine Schwester, die er nicht kennt? Und wo findet er seine Mutter? Und nicht zu vergessen, wer ist die heimliche Geliebte seines Vaters?

(mehr …)

Otto Kruse – Storytelling – Kunst und Technik des Erzählens
Ein Trainingsprogramm für Kreatives Schreiben

Rezension, veröffentlicht am 16. Januar 2021Schreibblog, veröffentlicht am 16. Januar 2021

Wenn Verkaufszahlen etwas über die Qualität eines Buchs sagen, dann bestätigen sie jedenfalls meine Meinung. Otto Kruses Buch über das Erzählen ist auf dem 3. Rang der verlagsinternen Bestsellerliste des Autorenhaus Verlags. Auf Platz 2 liegt „Garantiert kreativ schreiben lernen“ von Gabriele Rico (Rezension demnächst hier) und auf Platz 1, was niemanden wundern dürfte, „Rette die Katze!“ von Blake Snyder (meine Rezension dazu findest du hier).

Ich gestehe, meine Gedanken während der ersten Kapitel des Buchs von Otto Kruse, welches im Jahr 2020 neu aufgelegt wurde, waren: ‚Oh, welch ein Theoretiker. Das wird langweilig und langatmig.‘ Wie falsch ich mit diesem ersten Eindruck doch lag!

Denn wenn man die ersten etwa 40 Seiten durchhält, wird man mit präzisen, komprimierten und sehr professionellen Anleitungen zum Kreativen Schreiben belohnt. Der ehemalige Professor für Angewandte Linguistik und Leiter des Centre for Academic Writing in Zürich bringt mit großem Geschick, prägnanten Formulierungen und praktischen Übungen sein Wissen über Kreatives Schreiben an den Mann und die Frau.

(mehr …)

Rachel Joyce – Miss Bensons Reise

Rezension, veröffentlicht am 13. Januar 2021

Bei Rachel Joyce darf man sich immer über originelle Figuren und unkonventionelle Handlungen freuen. So auch in ihrem neuen Buch, in dem sie uns von Margery Benson erzählt, einer leicht verschrobenen Hauswirtschaftslehrerin, die einen Traum hat: sie möchte den goldenen Käfer finden, den bislang noch niemand entdeckt hat. Als sie ein Kind war, hatte ihr Vater ihr ein Bild dieses Käfers gezeigt und damit ihr Interesse an diesen Tieren in ihr geweckt. Doch aus vielerlei Gründen hat sie diesen Traum jahrelang in ihrem Herzen verborgen, erst ein für sie erschütterndes Ereignis bringt sie dazu, ihr Leben zu ändern. Sie plant eine Reise nach Neukaledonien, um den Käfer zu suchen.

Aber sie möchte die Reise verständlicherweise nicht allein antreten und sucht eine Assistentin. Unter anderem meldet sich Enid Pretty, eine offensichtlich nicht sehr gebildete, dafür aber umso hübschere und vor allem ausgesprochen redselige junge Frau, mit anderen Worten das komplette Gegenteil der verklemmten, scheuen, wortkargen Miss Benson. Doch trotz all der Widrigkeiten, all der Gegensätze entsteht zwischen den beiden Frauen eine tiefe Freundschaft. Beide haben ihre Geheimnisse und ihre Träume. Beide haben viel mehr innere Stärke, als sie selbst ahnen und beide wachsen über sich selbst hinaus, als ihnen Gefahr droht.

(mehr …)

Stephan Waldscheidt – Erzählperspektiven – auktorial, personal, multiperspektivisch

Rezension, veröffentlicht am 10. Januar 2021Schreibblog, veröffentlicht am 10. Januar 2021

Je tiefer Sie als Autor in der Perspektive drin sind, desto relevanter wird das, was Sie schreiben, desto klarer entstehen Bilder im Kopf Ihrer Leser, desto intensiver lassen Sie die Leser fühlen.“ (S. 9)

Wer schreibt, egal ob Roman oder Erzählung, ob Liebesgeschichte oder Krimi, der muss wissen, wer erzählt (Erzähler), wie wird erzählt (Stimme) und aus welchem Blickwinkel wird erzählt (Perspektive). Nur wenn all diese drei Aspekte harmonieren, wenn Autor:innen hier die richtigen Entscheidungen treffen, dann gelingt ein Roman, eine Geschichte. Und es handelt sich um echte Entscheidungen, hier darf man nichts dem Zufall überlassen, sich nicht treiben lassen. Dabei aber trotzdem auf das Bauchgefühl hören. Damit das Gefühl sich aber melden kann, muss man die verschiedenen Perspektiven, verschiedene Stimmen ausprobieren, damit experimentieren.

Zuerst einmal geht es darum, aus wessen Sicht erzähle ich meine Geschichte, aus der eines der Protagonisten oder aus der eines (stillen) Beobachters? Im nächsten Schritt muss ich wählen zwischen der auktorialen und der personalen Erzählperspektive. Bei letzterer habe ich wiederum mehrere Möglichkeiten, ich kann in der ersten oder der dritten Person erzählen oder die etwas exotischeren Varianten, die zweite Person Singular zum Beispiel, aussuchen. Oder sogar multiperspektivisch erzählen, d.h. aus verschiedenen Blickwinkeln erzählen.

(mehr …)

Robert Galbraith – Böses Blut

Rezension, veröffentlicht am 7. Januar 2021

1195 Seiten – und keine davon langweilig. Und dass, obwohl doch manch eine Szene, manch ein Handlungsstrang redundant zu sein scheint; ja auch bei J.K. Rowling, die die Reihe um den Detektiv Cormoran Strike unter dem Pseudonym Robert Galbraith schreibt. „Böses Blut“ ist der fünfte Band dieser Reihe, die auch eine Serie ist, denn auch wenn man jeden Band für sich lesen kann, nimmt doch vieles in der Handlung Bezug auf frühere Geschehnisse, entwickeln sich die Protagonisten von Band zu Band weiter.

Der aktuelle Fall von Cormoran Strike und seiner Partnerin Robin Ellacott ist eigentlich ein gerade eben nicht aktueller. Anna Phipps engagiert sie, um nach dem Verbleib ihrer vor 40 Jahren verschwundenen Mutter zu suchen. Die Ärztin Margot Bamborough verschwand 1974 auf dem Weg aus ihrer Praxis zu einem Treffen mit ihrer besten Freundin. Nie wurde geklärt, was mit ihr geschah. Verdächtigt wurde ein zu dieser Zeit gesuchter und später überführter Serienkiller, der unter bestialischen Umständen Frauen entführte, folterte und tötete. Doch er hatte nie zugegeben, auch Margot Bamborough getötet zu haben.

(mehr …)

Peter Høeg – Durch deine Augen

Rezension, veröffentlicht am 4. Januar 2021

Wie in den beiden anderen Romanen des Autors, „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ oder „Der Susan-Effekt“, so steht auch in dem neuen Buch eine Wissenschaftlerin im Mittelpunkt des Geschehens. Lisa, so ihr Name, hat eine Methode entwickelt, das Bewusstsein sichtbar zu machen durch Licht. Dabei werden die Dinge, die sich im Unterbewussten festgesetzt haben und psychische oder physische Probleme verursachen, besonders hell und dadurch erkennbar. Und behandelbar. Lisa arbeitet in einem wissenschaftlichen Zentrum, in einem außerhalb der Stadt gelegenen Schloss, welches rund um die Uhr vom Geheimdienst bewacht wird.

Einer ihrer Patienten wird Simon. Simon hat versucht, sich umzubringen und sein Adoptivbruder Peter möchte den Grund dafür herausfinden und natürlich alles tun, damit Simon es nicht noch einmal versucht.

(mehr …)

Mein Schreibjahr 2020

Schreibblog, veröffentlicht am 29. Dezember 2020 ~ 1 Kommentar

Erst im Rückblick erschließt sich manches. So auch, dass mein Schreibjahr derart erfolgreich war: 12 Kurzgeschichten aus meiner Feder plus eine Gemeinschaftsarbeit meiner Autorengruppe wurden in diesem Jahr veröffentlicht:

Der Hut

Gaukler sind in der Stadt

Im Café

Sie müssen das verstehen

Deswegen. Oder trotzdem?

Benedict und die Frauen (Gemeinschaftsarbeit der SiebenSchreiber)

Irgendwann ist jetzt

In tiefster Ergriffenheit

Revolte oder was?

Kanonenfutter

ZurückSpiegeln

Zwischen zwei Gefühlen

Wie viele Zinken hat ein Kamm?

Das macht mich natürlich unglaublich stolz und gibt mir einen wahnsinnigen Motivationsschub für 2021. Ich freu mich auf die vielen Wörter, die ich hoffentlich im neuen Jahr schreiben werde.

Allen Schreibfreudigen und Lesewütigen ein ganz tolles, kreatives, erfolgreiches, glückliches und gesundes Jahr 2021!!! Wir lesen uns.

Mein Lesejahr 2020

Rezension, veröffentlicht am 21. Dezember 2020

Vielleicht bist du all die Jahresrückblicke, die immer um diese Zeit überall erscheinen, längst leid. Vielleicht freust du dich aber auch, wenn ich dir noch einmal ein paar richtig gute Bücher empfehle. Heute habe ich für dich die Bücher, die mich im Jahr 2020 am meisten beeindruckt haben, auf meinem liebsten Lesesessel ausgebreitet. Mich dabei zahlenmäßig zu beschränken fiel mir gar nicht leicht, denn es waren viele wirklich lesenswerte Schmankerl unter den genau 100 (kein Scherz) Büchern, die ich in diesem Jahr lesen durfte, egal ob Roman, Kurzprosa oder Sachbuch. Aber du hast ja jederzeit die Möglichkeit, im gesamten Blog zu stöbern und deine eigenen Favoriten zu entdecken.

(mehr …)

Eric Barnert & Michael Kibler (Hrsg.) – Banken, Bembel und Banditen

Rezension, veröffentlicht am 16. Dezember 2020 ~ 1 Kommentar

Als ich diesen Titel las, war es für mich als gebürtige Frankfurterin natürlich ein Muss, diese Sammlung von Krimi-Kurzgeschichten, die alle im Rhein-Main-Gebiet spielen, zu lesen.

In meinen Augen sind Krimis in Form von Kurzgeschichten eine echte Herausforderung. Muss der Autor doch auf wenigen Seiten die Ausgangssituation, die Handlung und die Lösung erfassen, dabei ausreichend Spannung aufbauen und das Ganze noch in einem guten, passenden Schreibstil präsentieren. Schon allein deswegen haben Autor:innen von Kurzkrimis meine Hochachtung. Auch wenn es sicher nicht allen gleich gut gelingt. So treten doch immer wieder auch Stereotypen auf oder zu klassische Handlungsstrukturen.

Andere jedoch, ich meine hier die Autoren aus dem vorliegenden Band, darunter vor allem Uli Aechtner, Dieter Aurass, Ella Theiß und Fenna Williams, um nur eine Auswahl zu nennen, schaffen skurrile, spannende Geschichten mit witzigen Plotideen und überraschenden Auflösungen.

(mehr …)

Christa Pöppelmann – Deutschland für Dummies

Rezension, veröffentlicht am 13. Dezember 2020

Wer gerne Trivial Pursuit oder Quizduell spielt, wird froh sein, dieses Buch zur Hand zu haben. Auch hilft es sicher bei schleppendem Partytalk, wenn man mit nützlichem oder unnützem Wissen glänzen möchte.

Das im üblichen Dummies-Stil gestaltete Buch von Christa Pöppelmann versorgt die Leserin mit interessantem Allgemeinwissen, aber auch mit spannenden Details oder witzigen Anekdoten über unser Heimatland. 15 Kapitel, zusammengefasst in vier Teilen mit den Überschriften „Steckbrief Deutschland“, „Grundlagen im Wandel“, „Alltägliches und Besonderes“ sowie „Der Top-Ten-Teil“, stellen Deutschland aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln vor. Nach einer Darstellung der wichtigsten trockenen Fakten – Bevölkerung, Statistiken zu Beschäftigung, Geschlecht, Alter usw. – wird Geschichtliches erläutert, Exekutive, Legislative etc. erklärt und sehr gut strukturiert viele Fragen beantwortet, die sich vermutlich jeder schon mal stellte. So geht es um Migration und Integration, um Bildung, um die Digitalisierung, Kriminalität, Medien und vieles mehr. Dabei sind die Texte nicht in trockener, spröder Form präsentiert, sondern in gut lesbarem Stil, frisch und flott, wie man es von der Reihe gewöhnt ist.

(mehr …)