Der Hut

Kurzgeschichte, erschienen in >6. Bubenreuther Literaturwettbewerb 2020<

Der Hut schwimmt auf dem Wasser, vom böigen Wind getrieben. Ein schwarzer Schlapphut, nennt man den nicht Borsalino?

Es sieht aus, als liefe jemand mit einem Hut auf dem Kopf unter der Wasseroberfläche. Vielleicht ist es so. Nicht, dass da jemand unter Wasser läuft, natürlich. Aber dass da mal jemand unter dem Hut war, der jetzt nicht mehr da ist.

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Boxer oder Eingriff?

Kurzgeschichte, erschienen auf www.verdichtet.at

Blau war seine Lieblingsfarbe. Soviel war klar. Das war einfach.

Aber wie viele verschiedene Blaus gab es? Himmelblau, nachtblau, marineblau, veilchenblau usw. Was würde ihm gefallen?

Robert stand auf der Straße und haderte mit sich. Boutique oder Kaufhaus? Amazon oder Otto Versand? Boxer oder Slip? Microfaser oder Feinripp? Eingriff oder Knöpfe? Seide oder Spitze? Nein, das dann doch nicht.

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Entscheidende Minuten

Kurzgeschichte, erschienen in >Krimi-Kurzgeschichten III<

Tausend glühend heiße Käfer krabbeln über meinen Körper, setzen ihn in Brand. Feurige Zungen lecken an meiner Haut. Rauch kriecht in meine Lungen, raubt die Luft zum Atmen. Ich ersticke.

Die Realität geht in Flammen auf.

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Hinterm Mond nachts um halb eins

Erzählung erschienen in >Stiller Mond - Gefährte der Nacht<

Bodo starrt auf den Monitor, auf die geöffnete Datei. Er stellt sich vor, was dieser Artikel bewirken wird.

Er war für eine Recherche nach Pilgertal gekommen. Für eine Story, wie er sie immer zugeteilt bekam, einen Artikel über das Nachtleben auf dem Land.

Sein Kollege, Liebling vom Chefredakteur, sollte über das Nachtleben in der Hauptstadt schreiben. Eben!

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Zwischen zwei Gefühlen

Erzählung, erschienen in >Lebenszeiten<

In den vergangenen Stunden hatte Charlotte den Heizungskeller porentief gereinigt, ihren Hund gebürstet, alle Möbel im Wohnzimmer umgestellt, den Hund gebürstet, ihren Kleiderschrank aus- und wieder eingeräumt, ihren Hund gebürstet, ihre Bücher alphabetisch geordnet, den Hund gebürstet – und 17-mal angefangen, einen Brief an ihren Mann zu schreiben.

Jetzt versteckte sich Dackel Hermann unter dem Sofa und Charlotte saß verschwitzt und staubig an ihrem Schreibtisch und wusste nicht weiter. Sie las, was sie bisher geschrieben hatte.

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