Kategorie: Rezension
Andrea Schomburg & Irmela Schautz: Der geheime Ursprung der Wörter

Wer weiß schon, woher das Wort „Schlamassel“ kommt? Oder wo die Herkunft des Ausdrucks „Blaustrumpf“ liegt. Die Antworten auf diese Fragen findet man in dem witzigen und wunderschön gestalteten Buch von Andrea Schomburg, die für die Texte verantwortlich ist und Irmela Schautz, die die kleinen, herrlich passenden Zeichnungen geschaffen hat.
Und nicht nur das: Die Lektüre dieses ansprechenden Buchs, das sich perfekt als Geschenk eignen würde, wird zum Spiel. Zu jedem der oft altmodischen, manchmal fast der Vergessenheit anheimgefallenen Wörter bieten die Autorinnen vier alternative Erklärungen der Herkunft. Und es ist an der Leserin, zu erraten – so sie es denn nicht tatsächlich weiß – welche wohl die richtige ist
(mehr …)Tayari Jones: Das zweitbeste Leben

Dana nennt ihren Vater James. Er ist immer nur mittwochs bei ihr und ihrer Mutter. Denn James Witherspoon ist ein Bigamist. Er hat mit seiner Ehefrau Laverne eine Tochter, Chaurisse und mit seiner zweiten Frau, Gwendolyn, ebenfalls, nämlich Dana. Beide Mädchen sind fast gleichalt, nur wenige Wochen liegen zwischen ihren Geburten. Doch Chaurisse und Laverne ahnen nichts vom Doppelleben ihres Mannes bzw. Vaters. Wohingegen Dana sehr genau Bescheid weiß. Und sich sehr für das Leben ihrer Schwester interessiert. Genau das führt schließlich zum Verhängnis.
Die Familienkonstellation, die Tayari Jones in ihrem durchweg fesselnden Roman entwirft, ist kompliziert und sicher nicht weit verbreitet (aber wer weiß das schon). Die Geschehnisse ereignen sind in den Siebziger und Achtziger Jahren in Atlanta, der Hauptstadt des Bundesstaats Georgia in den USA und in Rückblicken auf die Jugend von James, seinem Bruder Raleigh und Laverne in den Fünfziger und Sechziger Jahren. Alle Figuren sind Afroamerikaner, People of Colour, bis auf Raleigh, der einen Weißen als Vater hatte und sehr hellhäutig ist. Und genau diese Tatsache, dass es sich bei allen Charakteren um Farbige handelt, wird mit großem Feingefühl, aber gleichzeitig mit wuchtiger Wirkung thematisiert. Denn jede und jeder ist sich seiner bzw. ihrer Situation vollauf bewusst, wenn zum Beispiel die Mädchen von Ladenbesitzern misstrauisch beobachtet werden oder wenn James darauf hinweist, dass es Bereiche in Atlanta gibt, wo ein Farbiger nicht sein sollte.
(mehr …)Ragnar Jonasson: Insel
~ 1 Kommentar
Mit das Faszinierendste an Ragnar Jónassons Krimis – neben den wirklich außergewöhnlichen Covergestaltungen – sind die beeindruckenden Schilderungen von Islands Landschaften und der Stimmungen. Der Autor schafft es, in der Leserin Bilder zu wecken und sowohl die Schönheit wie auch die gleichzeitige Bedrohlichkeit der Natur so nahezubringen, dass es sich anfühlt, als wäre man dort, während man seine Bücher liest. Die Schwermut, die sich durch Dunkelheit und Kälte auf die Menschen legt, wird regelrecht greifbar.
Die Handlung des Romans liegt viele Jahre vor der des ersten Bandes der Trilogie „Dunkel“. Hulda Hermannsdóttir ist zu Beginn des Romans mehr oder weniger glücklich mit Jón verheiratet und Mutter der 13-jährigen Dimma. Sie steht noch am Anfang ihrer Karriere als Kommissarin bei der Polizei Reykjavik, hofft auf den Chefposten. Der jedoch an ihren Kollegen Lýdur geht, nachdem dieser einen der seltenen Mordfälle in Island erfolgreich aufklären konnte. Mit diesem Fall beginnt der Roman, um dann zehn Jahre später wieder einzusetzen.
(mehr …)Andreas Izquierdo: Schatten der Welt

Ein Schmöker, wie er im Buche steht. Ich habe den Roman binnen weniger Stunden verschlungen. Und hoffe jetzt sehr, dass der Autor schon an einer Fortsetzung schreibt. Denn die Geschichte schreit förmlich danach.
Andreas Izquierdo, Jahrgang 1968, hat bereits mehrere Romane veröffentlicht, darunter auch preisgekrönte. Seine letzten Bücher waren „Romeo und Romy“, eine herzerwärmende Geschichte, die ich sehr gemocht habe, und „Fräulein Hedy träumt vom Fliegen“.
Die Handlung von „Schatten der Welt“ setzt ein im Jahr 1910, dem Jahr, als der Halleysche Komet der Erde so bedrohlich nahe kam. Der Ich-Erzähler ist zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre alt, Carl Friedländer, einziger Sohn des jüdischen Schneiders in Thorn, eine Stadt in Westpreußen, an der Weichsel. Sein bester Freund ist Artur Burwitz, Sohn des cholerischen und geschäftsuntüchtigen Wagners. Die beiden Jungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Artur ist muskulös, groß und breitschultrig, hat vor nichts und niemandem Angst und den Kopf voller Dummheiten. Carl ist ein sensibler, schüchterner und eher ängstlicher Junge, zurückhaltend und strebsam in der Schule.
(mehr …)Bernhard Schlink: Abschiedsfarben

Ruhige Erzählungen sind es, die in dieser Anthologie versammelt sind. Geschichten, die, wie der Buchtitel verheißt, Abschied zum Thema haben. Abschiede finden in vielfältigen Formen statt, durch Trennung, Verlassenwerden, durch Streit oder Auseinanderleben, durch Tod.
Bernhard Schlink lässt sich Zeit, seine Geschichten zu entwickeln, er erzählt aus dem Leben seiner Figuren, zu denen er seltsam distanziert zu sein scheint. Was auch durch die fast immer fehlende Verwendung von Namen zum Ausdruck kommt, meist handeln in den Erzählungen ein Er oder eine Sie.
Überhaupt wird viel erzählt, viel zurückgeblickt, meist sind die Protagonisten im und am Leben gereift, schauen zurück auf ihr vergangenes Ich, auf die, denen sie begegnet sind und von denen sie sich verabschiedet haben. Dabei führen die Charaktere durchaus den Abschied auch mal selbst herbei, vielleicht sogar durch drastische Mittel.
(mehr …)Sara Sligar: Alles, was zu ihr gehört

Der amerikanischen Autorin Sara Sligar gelingt ein faszinierendes Debüt mit diesem Roman um eine zerrissene, zerstörte Künstlerin und eine von ihr geradezu besessene Archivarin.
Zwei Frauen stehen im Mittelpunkt dieses Buchs, dessen Handlung auf zwei Zeitebenen abläuft. Kate Aitken, eine junge Journalistin, verlässt nach demütigenden und beschämenden Vorkommnissen New York, um in Kalifornien einen neuen Job anzutreten. Es ist Sommer 2017 und Kate findet Unterschlupf bei ihrer Tante Louise und dem Onkel Frank. Und sie findet einen neuen Job als Archivarin bei Theo Brand. Hier soll sie die Hinterlassenschaft seiner Mutter, der berühmten Fotografin Miranda Brand, ordnen und katalogisieren. Diese starb im Jahr 1993, ob es wirklich Selbstmord war, blieb bis zur Gegenwart ungeklärt. Nachdem auch ihr Mann Jake, Theos Vater, nun verstorben ist, soll ihr Nachlass versteigert werden. Dafür soll Kate alles vorbereiten. Beim Durchforsten der chaotischen Hinterlassenschaften von Miranda – Briefe, Rechnungen, Fotos, Rezepte, Presseartikel – dringt Kate immer tiefer in Mirandas Leben ein und, obwohl sie ihr schlechtes Gewissen quält, schreckt sie auch vor Indiskretionen nicht zurück. Als Kate schließlich Mirandas Tagebuch findet und zu lesen beginnt, wird ihr Drang, Nachforschungen über die Ursache des Todes von Miranda anzustellen, nahezu obsessiv. War es wirklich Selbstmord? Und wenn nicht, war es Mord und wer war der Mörder? Möglicherweise Theo, der Kate immer mehr verwirrt und auch anzieht?
(mehr …)Alexander McCall Smith: Das Dezernat für heikle Fälle

Auch um diese Fälle muss sich ja schließlich jemand kümmern, sollte man meinen. Fälle, bei denen man vielleicht nicht unbedingt erwartet, dass sie in die Zuständigkeit der Polizei fallen.
Dieses Buch spielt auf absurde Weise mit dem absurden Verhalten von Menschen in absurden Situationen.
Ulf, Anna, Carl und Erik bilden das Team innerhalb der Polizei Malmö, das sich um die „heiklen“ Fälle zu kümmern hat. Da geht es beispielsweise um eine hinterhältige Attacke mit einem Messer von hinten auf die Kniekehle eines scheinbar unbescholtenen Mannes. Oder das mysteriöse Verschwinden eines jungen Mannes, vermisst gemeldet von der Freundin seiner Freundin – wobei an der Wahrheit der Freundschaft zwischen den beiden jungen Frauen einige Zweifel angebracht sind. Und dann der besonders heikle Fall, den Ulf persönlich für den Polizeipräsidenten aufklären soll. Nur gemordet, das wird in diesem Krimi nicht.
(mehr …)Nina Wähä: Vaters Wort und Mutters Liebe

Einen Roman über eine Familie mit 14 Kindern zu schreiben, ist für die Autorin eine Herausforderung. Aber auch für die Leserin. Insbesondere wenn die Autorin, wie im vorliegenden Fall, fast alle diese Kinder und ihre eigenen Geschichten ausführlich vorstellt. Dann kann das zu einigen Längen im Roman führen, auch wenn natürlich die Beleuchtung der Lebensläufe der Figuren viel zum Verständnis ihres späteren Handelns beiträgt. Von daher passt es, dass die Autorin selbst in einer Art Prolog warnt: „Vielleicht wirst du beim Lesen hin und wieder innehalten und denken: Was soll denn das jetzt? Aber hab Geduld. Reich mir die Hand, und ich werde dich durch dunkle Zeiten führen und durch helle.“ (S. 5) Nina Wähä erzählt die Geschichte der Familie Toimi, die im Norden Finnlands auf einem Bauernhof lebt, Vater Pentti, Mutter Siri und ihre 12 noch lebenden und die zwei früh verstorbenen Kinder. Das Geschehen spielt Anfang der Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts, blickt aber auch zurück auf die Jahre vor und während des Zweiten Weltkriegs.
(mehr …)Ann Patchett: Das Holländerhaus

„Es war einzig und allein die Geschichte meiner Schwester, die ich erzählen wollte, … „ (S. 384) sagt der Ich-Erzähler gegen Ende des Buchs. Und sie ist wunderbar erzählt, diese Geschichte, die auch die Geschichte eines Hauses und einer ganzen Familie ist.
Ann Patchett ist eine mit vielen Preisen ausgezeichnete amerikanische Autorin, die mit dem 2019 in den USA erschienenen Roman ein neues hochgelobtes Buch vorlegte. Die Übersetzung übernahm Ulrike Thiesmeyer.
Die nicht unbedingt chronologisch erzählte Geschichte der Familie Conroy, berichtet aus der Perspektive des Sohnes Danny, fesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Wie ein roter Faden zieht sich durch den Roman die stete Rückkehr der Kinder der Familie, Danny und seine sieben Jahre ältere Schwester Maeve, an den Ort ihrer Kindheit, eben das titelgebende Holländerhaus. Sie gehen nicht hinein, sondern bleiben stets am Straßenrand vor dem Haus im Auto sitzen, unterhalten sich, blicken zurück, analysieren dabei offen und schonungslos ihr eigenes Verhalten und rauchen unzählige Zigaretten.
(mehr …)Guillermo Martínez: Die Oxford-Morde

Um diesen Kriminalroman genießen und verstehen zu können, scheint es ratsam, vorher ein Mathematikstudium abzuschließen. Wer nämlich bislang glaubte, Fälle in Kriminalromanen mit einfacher Logik lösen zu können, wird hier eines Besseren belehrt.
(mehr …)Ulrike Wolff: Die Dame vom Versandhandel

Im Grunde führen Titel und Klappentext dieses Romans etwas in die Irre. Denn weniger als die Story über eines der ersten deutschen Versandhäuser steht die sehr verwickelte und ziemlich abenteuerliche Familiengeschichte der Protagonisten im Vordergrund der Handlung.
Ende der Fünfziger Jahre bauen Kurt Laube und seine um einiges jüngere Ehefrau Annie in Fulda das Versandhaus unter dem Namen Eulendorf auf. Annie erwartet ihr erstes Kind und findet sich nur schwer damit ab, dass sie erst wegen der Schwangerschaft und danach, um die kleine Tochter zu betreuen, ans Haus gebunden ist. Sie engagiert sich sehr für die Firma ihres Mannes, bringt viele frische Ideen hinein und agiert dadurch für eine Frau der damaligen Zeit durchaus ungewöhnlich. Durch ihre Mutterrolle fühlt sie sich nun von dem Geschehen in der Firma abgeschnitten.
(mehr …)Ragnar Jónasson: Dunkel

Eine ungewohnte Heldin in einem nicht ungewöhnlichen Krimi mit einem absolut außergewöhnlichen Ende.
Hulda Hermannsdóttir steht kurz vor ihrer Pensionierung bei der Kriminalpolizei Reykjavik. Sie hadert sehr damit, denn sie weiß mit sich außerhalb ihrer Arbeit wenig anzufangen. Andererseits fühlt sie sich unter ihren Kollegen auch nicht wirklich wohl, sie wird gemobbt, bei Beförderungen übergangen und die Lorbeeren ernten andere. Hulda ist verwitwet und lebt in einer Wohnung in der Stadt, obwohl sie die Natur liebt.
Sie hat gerade einen Fall von Fahrerflucht aufgeklärt, als ihr Vorgesetzter ihr mitteilt, dass sie früher als geplant in den Ruhestand gehen soll, ja , dass ihr Nachfolger bereits bestimmt ist und binnen einiger Tage ihren Schreibtisch übernehmen soll. Nach dem ersten Schock fordert Hulda, wenigstens noch einen alten, ungelösten Fall bearbeiten zu dürfen und bekommt dafür Zeit bewilligt.
(mehr …)James Gould-Bourn: Pandatage

Wenn tatsächlich zutrifft, was der Klappentext sagt, dass nämlich der Roman „Pandatage“ das Debüt dieses Autors ist und im Rahmen eines Kurses für Kreatives Schreiben entstand – dann hätte ich gerne die Kontaktdaten des Kursleiters. Hut ab, dieser Roman ist schon wunderbar, hier passt alles, nichts ist zu viel, nichts fehlt.
Danny lebt mit seinem 11-jährigen Sohn Will allein in einer Mietswohnung, seit seine Frau bei einem Autounfall ums Leben kam. Die beiden haben schon ohnehin Kommunikationsprobleme, die aber noch dadurch intensiviert werden, dass Will seit dem Tod seiner Mutter nicht mehr spricht. Er saß mit in dem Auto, als der Unfall geschah und sagt seither kein einziges Wort. Danny leidet daher nicht nur unsäglich unter dem Verlust seiner über alles geliebten Frau, sondern auch, weil er Wills Leid mitansehen muss.
(mehr …)Gordon Tyrie: Schottensterben

Eine skurrile Geschichte mit skurrilem Personal in skurrilem Setting. Doch leider verpufft das Potenzial, das darin steckt.
Gordon Tyrie ist das Pseudonym eines deutschen Krimiautors, der seine Liebe zu Schottland in seinen Romanen zum Ausdruck bringt. Das gelingt ihm in den Landschaftsbeschreibungen auch sehr gut, die Leserin bekommt durchaus ein Gefühl für die herbe, manchmal wenig einladende Landschaft auf den Hebriden.
(mehr …)Armando Lucas Correa: Die verlorene Tochter der Sternbergs

Auch wenn man schon am Anfang das Ende erfährt, bleibt der Roman von der ersten bis zur letzten Seite hochspannend. Auch wenn man solche und ähnliche Geschichten vielleicht schon öfter gelesen hat, erschüttert und berührt diese Familiengeschichte.
Der Roman wirft die Frage auf, was ein Mensch bereit ist, auf sich zu nehmen, um einen anderen Menschen zu retten, wie weit eine Mutter geht, um ihr Kind zu schützen.
(mehr …)Jane Healey: Die stummen Wächter von Lockwood Manor

1939 in London. Das Naturhistorische Museum wird ausgelagert, die Exponate aufs Land verschickt, um sie vor Kriegsschäden zu bewahren. Die Säugetierabteilung kommt nach Lockwood Manor, begleitet und behütet von Hetty Cartwright, der stellvertretenden Abteilungsleiterin. Sie liebt die ausgestopften Tiere, Eisbären, Okapis, Kolibris und den schwarzen Panther.
Hetty ist nicht gerade das, was man eine toughe Frau nennen würde. Sie ist unsicher, hält sich für tollpatschig und ängstigt sich einerseits vor der großen Verantwortung, andererseits freut sie sich auch über die Herausforderung, „ihre“ Tiere im Krieg zu beschützen. Und so zieht sie mit der ganzen Menagerie in das große, alte Landhaus, in dem außer Major Lockwood und seiner Tochter Lucy nur noch eine Handvoll Dienstboten leben. Lockwood Manor ist ein Haus mit vielen leerstehenden Zimmern, in denen es spuken soll. Dienstboten geben sich die Klinke in die Hand, weil sie sich vor der „weißen Frau“ fürchten, die nachts durch die Flure streifen soll. Und sie fürchten sich vor den schrecklichen Schreien, die in den Nächten durchs Haus gellen.
(mehr …)Antoine Laurain: Glücklicher als gedacht

Bei diesem Roman, der im Original bereits 2009 erschien, scheint mir der französische Originaltitel wesentlich passender als der deutsche: „Carrefour des nostalgies“ ist ein wunderbar poetischer Ausdruck dessen, worum es in dem Buch von Antoine Laurain geht.
François Heurtevent ist seit vielen Jahren Bürgermeister von Perisac, als er völlig unerwartet nicht wiedergewählt wird. Für ihn ist das ein großer Schlag und es fällt ihm sehr schwer, das zu verarbeiten. Er wird nahezu depressiv und lässt sich immer mehr gehen, so dass seine Frau, eine berühmt Sterneköchin, sich große Sorgen um ihn macht. Als ihm unvermutet ein altes Klassenfoto aus seiner Abiturzeit in die Hände fällt, beschließt er, herauszufinden, was aus den früheren Mitschülerinnen und Mitschülern geworden ist und er begibt sich so auf eine weite Reise in seine Vergangenheit.
(mehr …)Helene Bockhorst: Die beste Depression der Welt

Kann man, darf man über Depression ein witziges Buch schreiben, wurde Helene Bockhorst neulich in einem Radiointerview gefragt, dass ich zufällig mitanhörte. Ja, antwortete die Autorin und ich bin geneigt, ihre Meinung zu teilen.
Helene Bockhorst ist eine Stand-Up-Comedienne, die für ihr Programm auch bereits mit einem Preis ausgezeichnet wurde. Das vorliegende Buch ist ihr Debütroman.
(mehr …)Daniel Mason: Der Klavierstimmer ihrer Majestät
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Edgar Drake ist Klavierstimmer im London des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Besonders spezialisiert ist er auf Erard-Flügel, die er sehr schätzt. Da erhält er überraschend einen außergewöhnlichen Auftrag: er soll den Erard-Flügel des Militärarztes Anthony Carrol stimmen. Das Instrument befindet sich allerdings im Dschungel von Birma, dem heutigen Myanmar, eine Region, die zu dieser Zeit im britisch-birmanischen Krieg heftig umkämpft ist.
Nach anfänglichem Zögern macht sich Drake im Jahr 1886 auf die weite und beschwerliche Reise. Er ist nicht nur wegen der Gefahren der Reise aufgeregt, sondern auch sehr neugierig auf den Arzt, der für das britische Militär ausgesprochen wichtig sein muss, wenn man all dies für ihn organisiert.
(mehr …)Cristina Cattaneo: Namen statt Nummern

Wie oft habe ich mich, und da bin ich sicher nicht allein, bei Berichten und Fotos von ertrunkenen Geflüchteten im Mittelmeer gefragt, ob die Angehörigen der Opfer jemals erfahren, was ihren Söhnen, Männern, Brüdern widerfahren ist. Wie soll es möglich sein, ihnen mitzuteilen, dass ihre Liebsten auf der Flucht nach Europa ums Leben kamen, wenn niemand weiß, wer die Ertrunkenen sind, ja wenn sie oft noch nicht einmal geborgen und erfasst werden.
Cristina Cattaneo ist eine renommierte und erfahrene italienische Forensikerin und Professorin für Rechtsmedizin und Anthropologie an der Universität Mailand. Sie ist außerdem Leiterin des Labanof (= Laboratorio di Antropologia e Odontoligia Forense). Seit vielen Jahren befasst man sich dort mit der Identifizierung unbekannter Toter, Menschen, die Verbrechen, Unfällen oder Katastrophen zum Opfer fielen, Obdachlosen, die niemand kennt und schlussendlich auch Fremden ohne Angehörige in Italien.
(mehr …)Felicia Day: Dieses Buch macht dich wahnsinnig … kreativ und glücklich

Das Buch von Felicia Day, einer US-Schauspielerin, You-Tuberin und Bestseller-Autorin, ist genauso verrückt und so erfrischend gestaltet wie sein Titel ahnen lässt. In sieben Kapiteln oder besser gesagt Etappen möchte sie den Leserinnen helfen, ihre Kreativität zu entdecken, daran zu glauben und sie zu (er-)leben.
Es ist ein Mitmach-Buch, ein Buch, das sich beim Lesen füllt. Denn die Autorin stellt der Leserin Fragen, Aufgaben, sie fordert sie heraus. Felicia Day schenkt der Leserin nichts, sie zwingt sie, über sich selbst nachzudenken und sich zu hinterfragen.
(mehr …)Eric Berg: Die Mörderinsel
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Noch 34 Tage bis zum zweiten Mord (S. 9).
Was für ein erster Satz! Wer würde da nicht sofort weiterlesen wollen.
Und das Weiterlesen lohnt sich. Ich habe schon lange nicht mehr so einen gut konstruierten und gut aufgebauten Kriminalroman gelesen. Dabei sind die bisherigen Romane von Eric Berg alle gut, der eine mehr, der andere weniger. Aber wie er hier die Spannung hochhält, wie er die Spuren auslegt und die Leserin immer wieder in die Irre führt, so dass man auf jeder neuen Seite einen neuen Täter in Verdacht hat, das ist schon genial.
(mehr …)Sandra Lüpkes: Die Schule am Meer

Wer die Bücher von Sandra Lüpkes nicht kennt, hat etwas verpasst. Sie schreibt unglaublich spannende Krimis um die Ermittlerin Wencke Tydmers, romantisch-witzige Romane um ein heimeliges Inselhotel, heiter-verwickelte Kurzgeschichten und noch vieles weitere mehr. Wer ihre Bücher nicht kennt, kennt aber vermutlich ihre Filme, denn Sandra Lüpkes ist auch eine fleißige Drehbuchautorin, so beispielsweise für die Reihen „Wilsberg“ oder „Friesland“.
(mehr …)Antonia Marker (Hg.): Lesezeit Liebe – Lektüre für jedes Zeitfenster

Das Thema Liebe ist unerschöpflich. Wer hat nicht alles darüber geschrieben: Haruki Murakami, Delphine de Vigan, Mariana Leky, Kurt Schwitters und viele andere. Von all diesen wunderbaren Autoren versammelt der Band aus dem DuMont-Verlag Auszüge aus in seinem Haus erschienenen Büchern, die sich mit diesem aufregendsten aller Gefühle beschäftigen.
Delphine de Vigan: Dankbarkeiten

Delphine de Vigan hat einen neuen, glühenden Fan gewonnen. Der mir bislang zugegebenermaßen unbekannten Autorin gelingt etwas, woran andere scheitern. Sie schildert das Altwerden, das Vergessen und sich Verlieren mit einer großen Empathie, mit Mitgefühl und Verständnis und dabei vollkommen ohne Pathos, Gefühlsduselei oder Überheblichkeit.
Nick Hornby: Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst

Ein Roman über Sitzungen bei der Eheberatung, von denen man nichts mitbekommt. Tom und Louise sind schon länger verheiratet und haben zwei Kinder. Sie glauben, eine Eheberatung kann ihnen helfen. Sie haben zehn Termine bei einer Beraterin namens Kenyon. Vor jedem Termin treffen die Beiden sich im Pub gegenüber der Praxis, trinken ein Glas zusammen und reden. Vermutlich reden sie bei diesen Gelegenheiten mehr und vor allem offener miteinander als in vielen Jahren zuvor.
Dabei streiten sie nicht. Jedenfalls fast nicht. Sie sagen sich Wahrheiten, die sie in ihrer Ehe bislang für sich behalten haben. Die Dialoge sind dabei wie ein Ping-Pong-Spiel, sie werfen sich die Bälle zu und schlagen sie zurück, manchmal mit Verve, mal mit Gefühl und Verständnis. Tom und Louise schenken sich nichts. Doch ihre Gespräche sind schlagfertig und witzig. Und sie sind vor allem eins: authentisch.
(mehr …)Ursula Poznanski: Vanitas – Grau wie Asche

Wie schön, dass diese Autorin immer hält, was sie verspricht. Auch dieser Roman ist wieder hochspannend. Es ist die Fortsetzung ihres Erfolgsromans Vanitas – Schwarz wie Erde und damit die Fortsetzung der Geschichte um die Friedhofsgärtnerin Carolin, die nicht die ist, für die sie sich ausgibt. In dem 2019 erschienenen ersten Band erfährt man die Hintergründe, warum diese Frau sich versteckt hinter einer neuen Identität und warum sie mit Hilfe von Blumen mit ihrem Kontaktmann bei der deutschen Polizei kommuniziert.
Franziska Hauser: Die Glasschwestern

Zufälle gibt es, die gibt’s gar nicht. So wie bei Dunja und Saphie, Zwillingsschwestern, deren Ehemänner am gleichen Tag das Zeitliche segnen.
Die beiden Schwestern sind sich nur wenig ähnlich. Dunja lebt in der Großstadt, getrennt von ihrem Exmann, sie hat zwei halberwachsene Kinder, Jules und Augusta. Saphie ist im Dorf ihrer Kindheit, nahe der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, geblieben und führt dort ein kleines Hotel, sie ist kinderlos.
(mehr …)Susanne Goga: Der Ballhausmörder

Oberkommissar Leo Wechsler, Chef der Inspektion A der Berliner Polizei, muss in dem Roman der Mönchengladbacher Autorin seinen siebten Fall lösen. Im heißen Sommer 1928 im Berlin des Charleston und der kriminellen Ringvereine wird die Garderobiere eines Ballhauses ermordet, während im Tanzsaal der Witwenball stattfindet. Natürlich gibt es viele Verdächtige, viele Spuren und viele davon führen in Sackgassen. Ermordet wurde die junge Frau mit Chloroform im Hinterhof von Clärchens Ballhaus. Bei ihrem Tod trug sie ein Kleid, das ihre finanziellen Möglichkeiten überstieg. Woher hatte sie es, warum trug sie ein eigentlich zu elegantes Kleid, während sie ihren Dienst an der Garderobe des Ballhauses versah? Und wo sind die Verbindungen zu mehreren Angriffen auf junge Frauen in Frankfurt und Berlin, bei denen die Opfer mit Chloroform betäubt und missbraucht wurden?
(mehr …)Helwig Brunner: Gummibärchenkampagne

Wer viel in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist oder in Wartezimmern oder Ämtern längere Wartezeiten zubringen muss, wird dieses Buch mögen. Helwig Brunner unterhält die Leserin mit Minutennovellen. Diese sind wunderbar geeignet, jede Wartezeit amüsant zu verkürzen.