Man lernt nie aus

Schreibkurse und Workshops

Wenn du heute diesen Blog liest, drücke ich gerade die Schulbank, denn ich besuche ein Seminar, ein Krimi-Workshop. Über drei Tage lernen wir bei einem Kenner der Materie, wie man Kriminalgeschichten schreibt.

Natürlich möchte ich das Erlernte dann auch entsprechend anwenden. In meinem Fall heißt das, dass ich über kurz oder lang mindestens eine Krimi-Kurzgeschichte verfassen werde. Ich bin schon sehr gespannt auf den Ablauf des Workshops, auf die Art und Weise, wie uns der Dozent sein Wissen vermitteln will.

Da ich schon auf vielen Lehrgängen war, insbesondere im beruflichen Zusammenhang, aber auch auf Schreibkursen, habe ich einerseits bestimmte Erwartungen, andererseits werde ich, das ist unvermeidlich, Vergleiche anstellen.

Das bringt mich zu einer wichtigen Frage: Wie stehst du zu dem Besuch von Kursen dieser Art? Willst du dein Schreiben auf diese Weise verbessern oder woher beziehst du dein Wissen, deine Weiterbildung auf diesem Gebiet? Und welchen Nutzen haben diese Seminare und Workshops grundsätzlich? Diese Frage kann man ausdehnen auf all die Ratgeber und Fachbücher, die zum Thema Kreatives Schreiben auf dem Markt sind und die täglich dazukommen.

Dabei haben Workshops einen unschlagbaren Vorteil gegenüber dem Studium von Büchern: in solchen Kursen lernst du Gleichgesinnte kennen, du bekommt viel Gelegenheit zum Austausch, du kannst direkte Fragen stellen und bekommst konkretes Feedback. Und da man während der Kurse in der Regel auch viel schreibt, lernt man nicht nur aus dem, was der Dozent oder die Dozentin über das eigene Schreiben sagt, sondern auch aus den Kommentaren der anderen. Und aus den „Fehlern“ der anderen im Übrigen ebenso. Die gegenseitige, hoffentlich immer konstruktive Kritik während solcher Seminare ist in meinen Augen das absolut Beste daran.

Worauf es allerdings ankommt, ist, dass du den Kurs speziell für deine Bedürfnisse auswählst. Es macht ja keinen Sinn, dass du ein Poesie-Seminar besuchst, wenn du Thriller schreibst. Von daher ist es in meinen Augen das Beste, wenn man Kurse wählt, die aufeinander aufbauen beziehungsweise sich ergänzen. (Gleiches gilt für die oben erwähnten Ratgeber, die ja nicht statt eines Seminars herangezogen werden müssen, sondern immer zusätzlich.)

Damit meine ich, dass man keinen Workshop über das Verfassen von Dialogen besuchen sollte, wenn man vorher nicht gelernt hat, wie der Aufbau eines Romans oder einer Erzählung zu gestalten ist, vielleicht noch einen Kurs über das Plotten und so weiter. Ich stelle es mir vor wie einen Baum: zuerst kommen die Wurzeln, also die Basis, in unserem Zusammenhang die absoluten Grundvoraussetzungen beim Schreiben. Dann folgt der Stamm, das wären die weiterführenden Kurse, die sich mit den wichtigsten Aspekten befassen, wie Plotten, Szenenaufbau, Dialoge und so weiter. Die Äste unsere Baumes entsprächen dann den verfeinernden Kursen, die sich mit speziellen Themen befassen, eben beispielsweise dem Schreiben von Kriminalromanen oder von Theaterstücken und ähnlichem.

Wenn du es so angehst, wirst du Erfolge feststellen. Falls du das berühmte Pferd von hinten aufzäumst, läufst du hingegen Gefahr, dich zu verlieren und nicht nur das, auch die Freude am Schreiben könnte dir verloren gehen. Es wäre, als wolltest du Radfahren lernen bevor du laufen kannst.

Es gibt übrigens viele Anbieter solcher Seminare, was die Auswahl sehr schwer macht. Hier kann ich dir nur raten, wiederum den Austausch mit anderen zu suchen, die den Anbieter oder den Referenten kennen. Sich über besagten Referenten vorab zu informieren, sollte dabei selbstverständlich sein. Ich bin immer etwas skeptisch, wenn ich jemanden als Dozenten erlebe, der selbst noch kein einziges Buch verfasst, geschweige denn veröffentlicht hat.

Noch ein letzter Gedanke zu den Vorteilen von Workshops: oft ergeben sich daraus Netzwerke, Freundschaften mit anderen Autoren und Autorinnen. Ich kenne mindestens eine Autorinnengruppe, die aus einem solchen Seminar hervorgegangen ist. Die fünf Autorinnen, die sich bei dieser Gelegenheit kennenlernten, haben inzwischen sogar schon eine eigene Anthologie herausgebracht (die Rezension findest du hier).

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