Einfach nur sagen

„Jemand versucht einzubrechen!“, erschrak Elisabeth.
„Wir machen auf keinen Fall die Tür auf“, beschloss Christine und fing an zu zittern.
„Hör auf, Martin! Sag so etwas nicht.“, fing Elisabeth noch mehr an zu zittern.
„Der ist wirklich verrückt.“, kicherte Elisabeth.
„Was hast du denn die ganze Woche gemacht?“, schaute Martins Mutter ihren Sohn neugierig an.

„Wer ist das denn überhaupt?“, sah der Vater Martin ein wenig begutachtend an.
„Ja, jetzt habt ihr ihn mal getroffen.“, fing Elisabeth an zu lachen.
„Wie wäre es mit tanzen?“, zwinkerte Martin zu Elisabeth.
„Wenn du mir dabei nicht auf die Füße trittst.“, lächelte Elisabeth zu Martin hinüber.
„Na da bin ich dankbar.“, sah Elisabeth ihre Familie erleichtert an.

Fällt dir was auf? Ich hoffe es. Hast du schon mal einen Satz gekichert? Oder eine Frage geschaut? Eben. Diese Beispiele von sogenannten Redebegleitsätzen biegen mir ehrlich gesagt die Fußnägel nach oben. Das kommt dabei heraus, wenn ein*e Autor*in verzweifelt versucht, besonders abwechslungsreich zu schreiben und nicht jedes Mal sagte und fragte zu verwenden. Übrigens sind alle diese Beispiele, die ich verfremdet habe (und die deswegen auch keinerlei Sinn mehr ergeben, ich weiß das), aus einem einzigen Text entnommen.

Aber mal ganz ehrlich: Wie bewusst liest du diese Begleitworte in einem spannenden Roman? Ich gestehe, dass ich sie kaum wahrnehme, ganz besonders, wenn mich die Handlung wahnsinnig fesselt. Was, das muss ich zugeben, manchmal dazu führt, dass ich irgendwann den Faden verliere und nicht mehr ganz sicher bin, wer denn nun gerade spricht. Na und dann schau ich einfach ein paar Zeilen nach oben und finde den Faden wieder. Und alles ist gut.

Wenn aber solche absurden Redebegleitwörter verwendet werden, dann reißt mich das brutal aus meinem Lesefluss. Ich kann doch nicht einen Satz „anfangen zu zittern“. Sorry, aber das ist schon ein echtes Extrembeispiel.

Einfach nur sagen oder fragen, vielleicht noch antworten. Mehr braucht es nicht. Schau mal in einen der Harry-Potter-Romane, schlag willkürlich eine Seite auf. Ich habe das mal gemacht und siehe da: bei einem über zwei und drei Seiten gehenden Gespräch hat Joanne Rowling kein anderes Begleitwort als sagte oder fragte verwendet. Und sind die Bücher gut? Eben.

Aber ich will nicht nur negativ über diesen Text urteilen. Denn eines konnte der/die Autor*in: richtig formatieren. Das ist nämlich noch so ein Aspekt, der mir regelmäßig besagte Fußnägel verformt. Wie viele Autor*innen schreiben einfach drauf los, zwei, drei, vier Seiten ohne einen einzigen Absatz, ohne neue Zeilen zu beginnen bei neuer wörtlicher Rede und was es da an wunderbaren Einfällen noch gibt. Doch darauf werde ich sicher ein anderes Mal noch näher eingehen. Heute soll es sich ja um die Redebegleitsätze drehen. Schauen wir doch mal, wie die obigen Beispiele klingen, wenn wir „vernünftige“ Begleitworte verwenden:

„Jemand versucht einzubrechen!“, rief Elisabeth.
„Wir machen auf keinen Fall die Tür auf“, sagte Christine und fing an zu zittern.
„Wer ist das denn überhaupt?“, fragte der Vater, der Martin ein wenig begutachtend ansah.
„Ja, jetzt habt ihr ihn mal getroffen.“, sagte Elisabeth und lachte.
„Der ist wirklich verrückt.“, sagte Elisabeth.
„Was hast du denn die ganze Woche gemacht?“, fragte Martins neugierige Mutter ihren Sohn.
 „Na da bin ich dankbar.“, sagte Elisabeth. Ihre Erleichterung sah man ihr an.

Zugegeben, den Pulitzer-Preis gewinnt man damit auch nicht, aber du verstehst, was ich meine, nicht wahr? Ein bisschen umformulieren und du kannst auch mit sagen, rufen oder fragen all das transportieren, was du ausdrücken möchtest. Nur, bitte, auch das geht gar nicht: „Wenn du mir dabei nicht auf die Füße trittst.“, antwortete Elisabeth lächelnd. Hast du schon mal versucht, gleichzeitig zu lächeln und zu sprechen?  Eben.

Ich sag (!) mal so: niemand ist gegen Irrtümer und Fehler gefeit. Damit meine ich, dass so etwas auch den besten und berühmtesten Autor*innen passiert. So what. Aber doch bitte nicht permanent und so verkrampft wie in dem Beispiel. Dann wird das, was wir schreiben, richtig gut.

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