Ilse Helbich: Diesseits

Gebrauchsanweisung: Manche Geschichten sind wie Steine, die man aus dem Fluss fischt. Rund und glatt und schwer in der Hand.“  Diese Anleitung stellt die Autorin ihren gesammelten Erzählungen voran.

Ilse Helbich, geboren 1923 in Wien, hat im Alter von 80 Jahren ihren ersten Roman „Schwalbenschrift“ veröffentlicht. Darauf folgten mehrere Anthologien und Erzählbände. Und nun legt der Literaturverlag Droschl dieses Buch vor, das schon allein durch seine Gestaltung, seine Optik und seine Haptik Leserinnen erobern dürfte. Viele der in diesem Band gesammelten Erzählungen sind vorher noch nicht veröffentlicht worden. Leider, so im Info-Teil am Ende, lässt sich nicht mehr für alle Texte sagen, wann sie entstanden sind. Ich finde das auch nebensächlich, außer dass natürlich das eigene Leben der Autorin jeden Text immer beeinflusst.

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John von Düffel: Der brennende See

Ein hochaktuelles Thema in einem Roman verpackt. John von Düffel präsentiert hier eine ruhige Geschichte mit wenig plakativer, aktionsreicher Handlung. Er konzentriert sich wesentlich mehr auf die inneren Befindlichkeiten der Protagonistin, über die die Leserin wenig zu Aussehen, Alter oder Beruf erfährt.

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Peter-André Alt: Jemand musste Josef K. verleumdet haben – Erste Sätze der Weltliteratur und was sie uns verraten

Am Beginn jeder Erzählung steht ein Verführungsversuch. (S. 10) Wie wahr dieser erste Satz des Buchs von Peter-André Alt ist. Denn was ist es, das uns dazu verführt, ein Buch zu kaufen? Das Cover, der Titel und? Genau, der erste Satz. Wenn er uns nicht überzeugt, nicht verführt, wenn er uns nicht hineinzieht in das Buch, dann hat es schon verloren und wir lassen es in der Buchhandlung zurück. Peter-André Alt ist Literaturwissenschaftler an der Freien Universität Berlin und Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. Er hat u.a. Bücher über Schiller, Kafka oder Freud veröffentlicht. Und nun schreibt er über erste Sätze der Weltliteratur. Er zitiert fast 250 erste Sätze, von Homer über Goethe, Poe, Twain, Grass, bis Patrick Süßkind, Michel Houellebecq, Paula Hawkins. Er analysiert, wie sich die ersten Sätze über die Jahrhunderte verändert haben, was damals und was heute ihre Absicht, ihre Intention ist.

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Eric Berg: Totendamm

Dieses Buch ist bereits 2018 unter dem Titel: So bitter die Rache im Limes Verlag erschienen.

Die Diplomatengattin Ellen hat sich von ihrem in Asien tätigen Ehemann getrennt und kehrt mit ihrem vierzehnjährigen Sohn Tristan nach Deutschland zurück. Sie erwirbt ein Haus in Heiligendamm an der Ostsee, ein Haus in einer abgeschlossenen Siedlung namens Vineta. Erst nach dem Einzug erfährt sie, dass in diesem Haus vor sechs Jahren ein Dreifachmord geschah. Ellen versucht, sich von der Vergangenheit ihres Hauses nicht einschüchtern zu lassen; als jedoch Gegenstände verschwinden und sie mehr über die früheren und derzeitigen Nachbarn erfährt, wandelt sich ihre Distanz nach und nach erst in Neugier und und schließlich in Besorgnis.

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Wie sag ich’s ihm?

Kritik ist ja bekanntlich so eine Sache. Sie kann sehr weh tun, sie kann alles noch schlimmer machen, ja, sie kann Beziehungen und Freundschaften zerstören. Aber Kritik kann auch helfen, weiterbringen, konstruktiv sein. Worauf es ankommt, ist dabei nicht nur der Inhalt der Botschaft, sondern wie sie überbracht wird. Also ist die entscheidende Frage: wie sag ich’s ihm.

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Oliver Buslau: Feuer im Elysium

Zum Beethovenjahr der Beethovenkrimi. Und ein hervorragender noch dazu.

Oliver Buslau ist mir bislang bekannt als Autor von Heimatkrimis; so habe ich von ihm gelesen „Der Bulle von Berg“, ein eher durchschnittlicher Kriminalroman. Außerdem habe ich ihn erlebt als Mitglied einer Band, die aus mehreren Krimiautoren besteht und die gemeinsam ihre Musik und ihre Texte vortragen – sehr unterhaltsam und sehr professionell. Oliver Buslau ist aber nicht nur Krimiautor und Bandmitglied, er hat auch Musikwissenschaft studiert und ein Sachbuch mit dem Titel „111 Werke der klassischen Musik, die man kennen muss“ herausgebracht. Die besten Voraussetzungen also für das Verfassen einen historischen Musikkrimis.

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Megan Miranda: Little Lies – Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht

Die Journalistin Leah hat ein Geheimnis in ihrer Vergangenheit und zieht deswegen aus Boston in eine Kleinstadt weitab vom Großstadtleben. Sie mietet ein Haus zusammen mit einer Freundin aus Collegezeiten, Emmy. Leah arbeitet als Lehrerin, Emmy, so hat sie ihr erzählt, verdient sich ihr Geld an der Rezeption eines Hotels und mit Putzen.

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Jutta Bauer: Kater Liam

Bei diesem kleinen Band muss man aufpassen, dass die Rezension nicht länger wird als das Buch.

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Ideenfindungshelferlein

Heute war wieder so ein Tag. Und damit meine ich gar nicht den heftigen Sturm, der den Regen in Sturzbächen waagerecht gegen die Fenster peitschte. Wobei, vielleicht hat das Wetter ja doch etwas damit zu tun. Nämlich mit meinen heutigen Ideenfindungsschwierigkeiten.
Heute war nämlich wieder so ein Tag, an dem ich diverse Bleistifte durchgenagt habe – worüber sich außer meinem Zahnarzt niemand freut – und wo ich tausend Dinge erledigt habe, die gar nicht auf meinem Plan standen, mich aber hervorragend von dem abhielten, was ich heute eigentlich tun wollte: eine neue Kurzgeschichte anfangen.  

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Nicolas Barreau: Die Liebesbriefe von Montmartre

Eigentlich mag ich die Bücher von Nicolas Barreau. Hinter diesem Namen, so wird gemunkelt, verbirgt sich in Wahrheit eine deutsche Verlagsmitarbeiterin. Das würde erklären, warum für diesen Roman kein*e Übersetzer*in genannt wird und auch kein französischer Originaltitel, obwohl es sich, laut Autorenkurzbiographie im Klappentext, um einen in Paris lebenden Franzosen handelt soll. Aber wie auch immer, die bisherigen Romane von Nicolas Barreau haben mir in der Regel gut gefallen, sie waren geprägt von reichlich Romantik, einem zarten Humor und auch durchaus spannend.

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