
Witzige Geschichte um zwei schräge Hobbydetektive mit dubioser Vergangenheit – Fortsetzung erwartbar
Aus finanzieller Not heraus Detektiv spielen, auch eine Möglichkeit, die Kasse zu füllen. Hier stehen zwei ältere Herrschaften vor dem Problem, wie sie zu Geld kommen. Alois Mistelzweig und Berta Bartók, die im schlossähnlichen Haus ihrer auf merkwürdige Weise verschwundenen Arbeitgeberin wohnen, müssen dabei nicht nur ihre Geldnöte bekämpfen, sondern auch verhindern, dass jemand nach eben dieser Arbeitgeberin sucht.
Die Bühne ist also bereitet, als Alois, seines Zeichens nicht nur gescheiterter Pianist und Gesellschafter der abwesenden Hausherrin, sondern auch Gelegenheitsdieb, an das falsche Opfer gerät. Die Dame, die er zusammen mit Berta bestehlen wollte, Geneviève Grandson (wir befinden uns in der Schweiz, genauer in Zürich), sieht davon ab, ihn an die Polizei zu übergeben. Stattdessen verlangt sie von ihm, ihre verschwundene Freundin zu suchen.
Also macht sich Alois an die unverhoffte Detektivarbeit, gegen seinen Willen tatkräftig unterstützt von Berta, die bislang als Köchin im Haus besagter Arbeitgeberin tätig war. Emilie, die Freundin von Frau Grandson, verschwand ohne jede Nachricht aus ihrem Seniorenheim. Genau dort beginnen also Alois und Berta mit ihren Nachforschungen. Doch die gestalten sich schwierig, da kaum jemand mit ihnen sprechen, geschweige denn ihnen Auskünfte erteilen will.
Hinzu kommt die eher dubiose Freundschaft zwischen Emilie und Geneviève, dazu merkwürdige Machenschaften in einer Bildungsanstalt und das auffällige Verhalten von Emilies Tochter. So dauert es recht lange und erfordert die Unterstützung einer von Alois‘ eher zweifelhaften Bekanntschaften, bis die beiden selbsternannten Detektive schließlich alles aufklären können.
Diese Aufklärung ist am Ende etwas arg überkonstruiert und ziemlich unvorhersehbar, werden doch neue Beteiligte geradezu aus dem Hut gezaubert. Dennoch ist die ganze Geschichte sattsam spannend, voller interessanter Wendungen und mit viel Humor und Witz geschrieben. Insbesondere das eher nicht auf gegenseitiger Zuneigung beruhende Verhältnis zwischen Alois und Berta sorgt immer wieder für Pointen, für heftige und sehr lustige Dialoge.
Andererseits sind die Figuren etwas flach geraten, trotz diverser Andeutungen zur Vergangenheit insbesondere Bertas, die angeblich lange in Mexico bei Drogenkartellen mitmischte. Nun ja, könnte sein, wird aber eher am Rande immer mal wieder erwähnt. Vielleicht erfährt man in möglichen Fortsetzungsromanen etwas mehr darüber.
Dazu die Pointe um die verschwundene Arbeitgeberin der beiden, was immer wieder für verzweifelte Aktionen der Protagonisten sorgt (und ein Birnbaum spielt dabei eine bedeutsame Rolle …). Deren Hintergrund ahnt man natürlich früh. Dafür aber sorgt genau das ganz am Schluss für einen absolut gelungenen Cliffhanger, weshalb man ziemlich sicher davon ausgehen kann, dass auf diesen Roman mindestens eine Fortsetzung folgen dürfte. Man darf gespannt sein.
Ein Roman, der trotz mancher Längen und oft fehlender Plausibilität recht viel Spaß macht.
Sunil Mann – Ziemlich beste Verbrecher
grafit, März 2026
Taschenbuch, 347 Seiten, 18,00 €