
Recht vorhersehbare Liebesgeschichte in schöner Kulisse
Sharon Goslings Romane sind meist ein Lesevergnügen, auch wenn sie nicht immer ganz am Kitsch vorbeikommt. Dafür sind es immer stimmungsvolle Settings, interessante Figuren und eine unterhaltsame Geschichte. Im Mittelpunkt stehen Frauen, die einen Neuanfang wagen oder aus Gründen dazu veranlasst werden.
So auch in ihrem neuen Buch, in dem Architektin Saskia ein verfallenes Schloss mitten im Wald erwirbt, welches sie zu einem Wohnhaus umbauen möchte. Dabei ist ihr wichtig, möglichst viel der alten Substanz zu erhalten, so wie auch die alte Eiche, die mitten in der Ruine wächst. Das Schloss und der Wald drumherum bedeuten ihr viel, war sie doch als Kind sehr oft mit ihrem inzwischen verstorbenen Vater hier, der ebenfalls Architekt war und ihr viel beibrachte.
Unterstützung sucht Saskia sich bei Bauleiter Owen, ein eher verschlossener Mann, dessen Ehe gerade in die Brüche geht. Spätestens hier ist klar, worauf das hinauslaufen wird.
Diverse Umstände behindern das Bauprojekt, so Naturschützer, Archäologen, die unter der Ruine römische Artefakte vermuten, und behördliche Schikanen. Dazu kommen wiederholt heftige Missverständnisse zwischen Saskia und Owen. Er hat ziemliche Vorurteile gegenüber der angebliche reichen Snobistin aus der Großstadt, dabei muss Saskia in einer Art Wohnwagen hausen, um sich ihr Bauprojekt leisten zu können. Zusätzlich erschwert die schlechte Beziehung zu ihrer Mutter das ganze Vorhaben.
Die Geschichte liest sich flott, die Figuren bis hin zu den Nebenfiguren und Nebenhandlungen sind wie immer einigermaßen ausgearbeitet mit einer turbulenten Hintergrundstory. Es fehlen auch nicht die in diesem Genre übliche gute Freundin für Saskia und ebenso Owens bester Freund und Kollege.
Aber das Ganze ist mir dann doch zu vorhersehbar gewesen, die Konflikte und Problemchen, die sich zwischen den beiden Protagonisten aufbauen, wirken arg konstruiert und wären mit ein oder zwei Sätzen jeweils ganz schnell aus den Weg geräumt. Von daher konnte mich die Geschichte zwar halbwegs unterhalten, wirklich fesselnd war sie am Ende aber dann doch nicht. Dazu trugen auch der diesmal ein bisschen dick aufgetragene Kitsch und die nicht immer gelungenen Dialoge bei.
So reichte dieses neue Buch nicht an z.B. „Der alte Apfelgarten“ oder „Lighthouse Bookshop“ von dieser Autorin heran. Dennoch bleibe ich ein Fan der Romane von Sharon Gosling und hoffe auf baldige weitere.
Sharon Gosling – Der vergessene Wald
Originaltitel: The Forest Hideaway
aus dem Englischen von Sibylle Schmidt
DuMont, Juni 2026
Taschenbuch, 348 Seiten, 18,00 €
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