Elsemarie Maletzke – Das Leben der Schwestern Brontë

⭐⭐⭐⭐⭐

Einsam, trist – ein sehr bescheidenes Leben und doch so voll Fantasie

In diesem schon Ende der 90er Jahre erstmals erschienenen Buch beleuchtet Elsemarie Maletzke – deren Biografie über Jane Austen ich begeistert verschlungen habe – das Leben der drei Damen Charlotte, Emily und Anne Brontë.

Ihre Werke sind allseits bekannt, wurden immer wieder neu verlegt und oft verfilmt. Charlottes „Jane Eyre“, Emilys „Sturmhöhe“ und Annes „Die Herrin von Wildfell Hall“ gelten heute als Weltliteratur. Veröffentlicht haben die drei Frauen ihre Bücher unter männlichen Pseudonymen, wie so oft üblich zu jener Zeit im 19. Jahrhundert.

Charlotte wird als drittes Kind der Eltern geboren, die beiden älteren Schwestern sterben früh, so dass sie nun die Rolle der Ältesten einnimmt. Doch der Altersunterschied zu den beiden Schwestern und dem einzigen Bruder Branwell ist nicht groß. Die Mutter stirbt früh und die Tante übernimmt das Regiment.

Die Kinder ziehen sich oft in ihre Fantasiewelten zurück, noch bis ins Teenageralter und darüber hinaus. Sie spielen zusammen in diesen Welten, verfassen Geschichten darüber, schreiben Gedichte. Ihre Charaktere sind sehr unterschiedlich und so werden auch ihre Geschichten und später ihre Romane sehr unterschiedlich.

Doch eines haben die Werke gemeinsam: Sie drehen sich alle um Frauenfiguren, die sich nicht in das übliche Schema einfügen wollen. Frauen, die widersprechen, die ihren eigenen Kopf haben, die auch mal zurückschlagen. Das führt dazu, dass die Kritik, als die Bücher schließlich erscheinen, durchaus gespalten ist.

Bevor es jedoch zum Schreiben der berühmten Romane kommt und sich ein bisschen Reichtum einstellt, sind die Frauen gezwungen, Stellungen anzunehmen, als Gouvernanten, als Lehrerinnen. Das behagt und gelingt nicht allen dreien gleich gut, vor allem Emily ist für eine solche untergeordnete Stellung gänzlich ungeeignet.

Elsemarie Maletzke erzählt dieses Leben, das eher trist, einsam und düster wirkt, auf beschauliche, langsame Weise, detailreich, einfühlsam. Viel Raum widmet sie den Fantasiegeschichten der Kinder und Heranwachsenden, an denen auch der Bruder Branwell mitarbeitet, der ansonsten eher ein unstetes, von wenig Erfolg gekröntes Leben führt.

Die Lebenswege der drei Frauen werden minutiös beschrieben, wobei durchaus Charlotte den größten Raum im Buch einnimmt, sind von ihr doch auch die meisten Kenntnisse geblieben, durch Briefe, Tagebücher und frühere Biografien von Menschen, die sie gekannt haben.

So ist die Dreifach-Biografie an manchen Stellen auch etwas zäh zu lesen, wenn seitenlang aus diesen Kindergeschichten zitiert wird, wenn die Grenzen zwischen der Fantasie und dem wahren Leben der Brontës zu verwischen scheinen. Interessant ist die Geschichte dieser Familie allemal, auch wenn ich in diesem Buch ein wenig den unterschwellige Humor, die leise formulierte Gesellschaftskritik, die mir in „Jane Austen“ so gut gefiel, vermisst habe.

Eine Leseempfehlung nicht nur für Fans dieser viktorianischen Autorinnen.

Elsemarie Maletzke – Das Leben der Schwestern Brontë
Schöffling, Juli 2026
Gebundene Ausgabe, 574 Seiten, 29,00 €


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