Freya Sampson – Mord ohne Vorwort

⭐⭐⭐⭐

Mord und Diebstahl rund um einen Buchclub – leicht schnulziger Versuch eines Krimis

Wenn man von einer Autorin und ihren Werken begeistert ist, dann steigt von Buch zu Buch die Erwartung. Wenn diese dann mit einem weiteren Roman nicht so ganz erfüllt wird, liegt das nicht immer an der Autorin, sondern vielleicht an den Erwartungen.

Die bisherigen Romane von Freya Sampson haben mich alle begeistert, jedes auf seine Art war berührend, fesselnd, im Grunde waren es alles regelrechte Wohlfühlromane. Immer waren ihre Protagonistinnen mit Einfühlungsvermögen gezeichnet, mit Verständnis und Humor beschrieben und immer war die Handlung durchdacht, spannend und voller Wendungen.

Nun legt sie einen Kriminalroman vor oder vielmehr den Versuch eines Krimis. Im Mittelpunkt stehen die Teilnehmer eines kleinen Buchclubs auf dem Land. Nova, aus London in die Kleinstadt gezogen, um zu heiraten, ist angestellt beim Gemeindezentrum und hat diesen Club ins Leben gerufen. Leider findet er nicht allzu viel Zuspruch, nur drei Teilnehmer kommen: Phyllis Hudson, fanatischer Fan von Agatha Christies Romanen und insbesondere von Miss Marple, Arthur Robinson, auch nach 60 Jahren immer noch sehr verliebt in seine Frau Esi und Ash Chalabi, Teenager, Liebhaber von Science-Fiction-Romanen und sehr schweigsam und schüchtern.

Eines Abends stößt noch ein weiterer Mann zur Gruppe, Michael, der jedoch plötzlich aufgeregt davonläuft und anschließend spurlos verschwindet. Seither fehlt nun auch noch ein hoher Geldbetrag in der Kasse des Gemeindezentrums und eine Leiche wird entdeckt (nicht im Gemeindezentrum).

Aus verschiedenen Gründen fühlt sich Nova schuld am Diebstahl des Geldes. Sie ist eine ziemlich verpeilte junge Frau, die stets die Fehler für alles bei sich sucht. Ihr Verlobter Craig trägt dazu bei, da er recht dominant ist und sie ständig „Dussel“ nennt. Dass die beiden bei Craigs Eltern wohnen sorgt zusätzlich für schlechte Stimmung, zumal Craigs Mutter so ziemlich alle Details der bevorstehenden Hochzeit bestimmt.

Um Nova zu helfen und weil sie nun mal gerne Detektiv spielt, will Phyllis sowohl im Mordfall wie auch im Fall des Diebstahls ermitteln. Auch Arthur und Ash helfen schließlich mit und auch Nova schließt sich, erst widerwillig, ihnen an. Dass dies nicht zur Verbesserung ihres Verhältnisses zu ihrem Verlobten beiträgt, dass es sie auch in Gefahr bringt, ist erwartbar.

Diese Geschichte ist nett und auch unterhaltsam, die Mitglieder des Buchclubs sind sympathisch und lebensnah geschildert – vielleicht ist Phyllis ein wenig zu penetrant gestaltet, aber das stört nicht. Nova jedoch ging mir im Laufe der Lektüre immer mehr auf die Nerven, ihre ängstliche Art, ihr sich alles Gefallenlassen, von Craig und von ihrer Vorgesetzten, ihre Angst vor jedem Windhauch, das kam mir einfach übertrieben und unrealistisch vor. Dabei war auch sie nicht unsympathisch, nur war das alles ein bisschen zu dick aufgetragen.

Mancher Handlungsstrang hatte aber arg den Charakter eine Schmonzette, der zudem noch den Zufall ein wenig zu sehr strapaziert.

Welches Geheimnis Arthur umweht, ahnt man schon fast von Beginn an. Und dass auch diesmal wieder unbedingt eine queere Liebe vorkommen musste, daran hat man sich ja schon fast gewöhnt, es stört auch nicht wirklich.

Insgesamt eine Story, die man gerne liest, der zwar ein wenig die Spannung fehlt, die dafür mit liebenswerten Figuren aufwartet. Ob die Verfasserin eine begabte Krimiautorin ist oder nicht doch lieber bei ihren Wohlfühlromanen bleiben sollte, lass ich mal offen.

Freya Sampson – Mord ohne Vorwort
Originaltitel: The Busybody Book Club
aus dem Englischen von Claudia Voit
DuMont, Juli 2026
Taschenbuch, 349 Seiten, 18,00 €


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