Mark Mupotsa-Russell – Das kleine Handbuch einer Vorstadt-Killerin

⭐⭐⭐⭐⭐

Actionreiche und ziemlich blutige Geschichte um eine Mutter auf Rachefeldzug

Den im Klappentext verkündeten Humor, selbst den schwarzen, sucht man in diesem Roman vergeblich. Doch die rasante Story um eine ehemalige Auftragskillerin, die zur Rachegöttin wird, liest sich spannend, fesselt und unterhält, wenn auch auf eine manchmal etwas drastische Art.

Olivia, die ihre Geschichte in Ich-Form erzählt, war eine Killerin im Auftrag des organisierten Verbrechens in Spanien. Sie lebt mittlerweile das Leben eine Vorstadtmama zweier kleiner Töchter in ihrer Heimat Australien. Weder ihr Mann noch ihre Mitarbeiterinnen in der von ihr gegründeten Agentur ahnen etwas von ihrer Vergangenheit. Sie selbst denkt jedoch immer wieder einmal daran zurück und hadert mit einigen der von ihr begangenen Morde, ja sieht hinter manchem Ereignis, das ihr widerfährt, die strafende Hand des Schicksals.

Da schlägt genau dieses Schicksal erbarmungslos zu und eine furchtbare Tragödie ereignet sich. Doch statt der Polizei die nötigen Hinweise zu geben, wird Olivia zur Furie, die ausschließlich auf Rache sinnt, die nichts anderes mehr will als die Menschen zu vernichten, die ihr dies angetan haben.

Durch ihre Vergangenheit ausreichend vorgebildet, fällt es ihr nicht schwer, die Täter zu finden und ihnen immer wieder neue Fallen zu stellen. Derweil findet auch die Polizei einiges über Olivia heraus und ihr Man Jai erkennt seine Frau kaum noch wieder.

Dann entwickelt sich das Ganze zu einem Katz-und-Maus-Spiel, denn auch die Täter jagen nun Olivia. Die Spannung steigt, die Gefahr für sie nimmt dramatisch zu und schließlich läuft alles auf einen Showdown zu, der es in sich hat. Der Ausgang dieses Schlussakts ist überraschend, aber irgendwie dann auch nicht so ganz schlüssig und befriedigend.

Der Roman, so blutrünstig und gewalttätig die Handlung auch ist, ist wirklich gelungen, insbesondere wenn man bedenkt, dass es das Debüt des australischen Autors ist. Die Figuren sind brillant ausgearbeitet, das Tempo perfekt nach und nach gesteigert, die Plotpoints genial gesetzt, die Dialoge pointiert, wenn auch ab und zu arg drastisch formuliert, wodurch sie jedoch wiederum recht authentisch wirken.

Manch Rückblick Olivias auf ihre Vergangenheit ist etwas zu ausführlich geschildert und reißt damit leicht aus der aktuellen Handlung heraus, sorgt andererseits für ein wenig Entspannung in all der Dramatik und dem wirklich fulminanten Actionreichtum.

Dieser Roman, der mich zu Beginn ähnliches erwarten ließ wie in dem Roman „A serial killer’s guide to marriage“, ist ähnlich und doch ganz anders, viel packender, viel temporeicher und auf gewisse Weise ist auch die Handlung der Protagonistin hier wesentlich nachvollziehbarer.

Abgesehen von dem ziemlich unpassenden deutschen Titel eine uneingeschränkte Empfehlung für diesen Roman, zumindest für nicht ganz so zart besaitete Leser:innen.

Mark Mupotsa-Russell – Das kleine Handbuch einer Vorstadt-Killerin
Originaltitel: The Hitwoman’s Guide to Reducing Household Debt
aus dem australischen Englisch von Erik Licht
Blumenbar, Mai 2026
Gebundene Ausgabe, 366 Seiten, 24,00 €

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