
Nach starkem Beginn etwas abflachende Dystopie mit mittelmäßigen Figuren
Zuerst hat mich dieser Roman wirklich gepackt, war der Einstieg spannend und vor allem erinnerte es mich an den ganz wunderbaren Roman „Die Letzte macht das Licht aus“ von Bethany Cliff. So waren dann meine Erwartungen nach den ersten Kapiteln dementsprechend hoch.
Nur leider flachte das Ganze dann recht schnell ziemlich ab, die Spannung ging verloren, die Handlung schleppte sich dahin und als schließlich noch eine Erinnerungsmaschine ins Spiel kam, bin ich irgendwann vollends ausgestiegen.
Hauptfigur ist Ich-Erzählerin Neffy, die sich freiwillig einem Experiment zur Verfügung stellt, denn sie braucht das Geld, das man dafür bekommt. Es geht um Versuche mit einem neuen Impfstoff gegen ein neuartiges Virus, das um sich greift und die Menschen tötet wie die Fliegen. Außer Neffy nehmen noch weitere Personen an den Versuchen teil, doch irgendetwas geht schief.
Nachdem Neffy das Präparat verabreicht bekommen hat, fällt sie in eine Art Koma. Als sie daraus erwacht, sind alle Ärzte und Schwestern verschwunden ebenso wie die meisten Versuchspersonen. Geblieben sind außer Neffy nur noch zwei weitere Frauen und zwei Männer.
Man belauert sich, traut sich nicht gänzlich, ist aber auf einander angewiesen. Zu essen ist vorerst genug vorhanden in der Gebäude, in dem sich alle aufhalten. Abgeschottet von der Außenwelt, der sie jeden Zutritt verwehren, versuchen die fünf Personen nun zu überleben. Durch die Fenster beobachten sie die Menschen, die wenigen, die bislang überlebt haben, doch es werden immer weniger. Die Skepsis der anderen gegenüber Neffy wächst, als es den Anschein hat, als habe bei ihr als einziger der Impfstoff gewirkt. Als die Vorräte zur Neige gehen, wird diskutiert, ob Neffy nach draußen geschickt werden könnte und die Spannungen zwischen den Anwesenden steigen.
Leon, einer der Männer, schließt Neffy schließlich an eine von ihm entwickelte Erinnerungsmaschine an, die dazu führt, dass sie sich gezielt an ihre Kindheit und Jugend, an ihren Vater, dessen Frau und an Ferienerlebnisse erinnert. Parallel gibt es immer wieder eine Art Brief an einen oder eine H Liebes, in welchen Neffy von einem Oktopus erzählt.
All das ist zuerst wie gesagt sehr spannend, man erwartet eine dramatische Geschichte, doch dann driftet es immer wieder in andere Themen ab, wie z.B. auch Neffys Wunsch, ihren geliebten Halbbruder wiederzutreffen, von dem sie aber nicht weiß, wo er sich bei Ausbruch des Virus befand. Auch das Ganze um den oder die Oktopusse hat sich mir, ehrlich gesagt, nicht wirklich erschlossen. So dass mich der Roman irgendwann nur noch ratlos zurückließ, auch wenn das Ende dann einigermaßen erwartbar war. Dazu darf ich hier jedoch nichts verraten, um nicht zu spoilern.
Insgesamt also ein Roman, der mich nur bedingt fesseln und überzeugen konnte. Vielleicht war ich aber schlicht mit den falschen Erwartungen herangegangen.
Claire Fuller – Das Gedächtnis der Tiere
Originaltitel: The Memory of Animals
aus dem Englischen von Andrea O’Brien
Kjona, April 2026
Gebundene Ausgabe, 351 Seiten, 25,00 €