Alex Capus – Querfeldein

⭐⭐⭐⭐

Familiengeschichte, Gerichtsreport, historischer Roman – auf Capus-Art erzählte Geschichte

Er hat einfach einen ganz eigenen Erzählstil, der erfolgreiche, mehrfach ausgezeichnete Schweizer Autor Alex Capus. Immer ein wenig aus der Distanz, ein wenig abgehoben, leicht süffisant, beurteilend ohne zu verurteilen und vor allem immer wählt er interessante Themen und/oder interessante Figuren.

Im neuen Roman erzählt er von Arnold und seiner Familie. Arnold findet, nach Jahren des Herumreisens und ständigen Arbeitswechsels, nachdem er zu Geld gekommen ist, eine Heimat. Er übernimmt einen Gasthof, der den Namen „zur Moskau“ bekommt und direkt an der Grenze zu Deutschland liegt.

Was dazu führt, dass – die Geschichte beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts – Arnold sowohl vom regen Grenzverkehr wie auch vom ebenso regen Schmuggel durchaus profitiert. Er heiratet und bekommt mehrere Kinder. Doch nur eines, die Älteste Clara, tritt im weiteren Verlauf des Romans in Erscheinung, die anderen werden bestenfalls mal am Rande erwähnt.

Clara ist ein ebenso unabhängiger Geist wie ihre Mutter Betty. Beide brauchen hin und wieder ihre Freiheit und Arnold hat gelernt, das klaglos und ohne zu fragen hinzunehmen. Er fährt damit ganz gut und hat so sein Leben lang seine Ruhe.

Clara ist es auch, die sich in den eines Tages auftauchenden Schmuggler Hermann verliebt. Der wiederum, vor allem dank seiner Unbekümmertheit und seines Wagemuts, schließlich mit der inzwischen in Deutschland ihr Unwesen treibenden SS in Konflikt kommt.

So gerät er und damit die Familie in die große Weltpolitik, mischen sich doch irgendwann lokale und nationale Politiker in die Angelegenheit ein. Wie das Ganze ausgeht, wird hier natürlich nicht verraten.

Es ist die Capus eigene Erzählweise, die dafür sorgt, dass man den Figuren insgesamt wenig nahe kommt. Alles wird von außen betrachtet, begutachtet, einzig in Arnolds Kopf schauen wir ab und zu und erfahren etwas über seine Gefühle und Gedanken. Betty, Clara und alle anderen lernen wir nur aus der Distanz kennen. Was dazu führt, dass man sich nicht wirklich in die Charaktere hineinfühlen kann, ja sie bleiben fremd.

Meist wird erzählt, wenig gezeigt und es wird auch wenig gesprochen, Dialoge sind selten. Mal geht die Geschichte in wenigen Sätzen Monate und Jahre voran, dann wieder verweilen wir mehrere Seiten in einer Szene. Das ist alles nicht uninteressant und auch nicht unspannend, mir fehlte jedoch ein wenig die Nähe zu den Protagonisten, die Möglichkeit, Empathie, Sympathie und vielleicht an Antipathie zu entwickeln.

So hat mir die erzählte Geschichte zwar gefallen, sie hat auch gefesselt, auf ihre Art. Die Erzählweise hingegen wirkte trocken, fast wie eine Reportage. Für diejenigen, die diese Form des Romanschreibens mögen auf jeden Fall ein unbedingt empfehlenswertes Buch.

Alex Capus – Querfeldein
Hanser, Juli 2026
Gebundene Ausgabe, 286 Seiten, 25,00 €


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