Cora Wucherer – All die Farben, all das Licht

⭐⭐⭐⭐

Zwei ungleiche Schwestern und eine unheilbare Krankheit – beeindruckendes Debüt

Für einen Debütroman ist dieses Buch in der Tat beeindruckend. Denn ich als Leserin weiß nicht, ob einiges von dem Erzählten aus dem Leben der Autorin gegriffen ist, was es ihr ermöglicht, so nachvollziehbar zu beschreiben.

Im Mittelpunkt stehen die beiden Schwestern Juna, 17, und Martha, 13. Die Ältere ist fast besessen von der Malerei, möchte in dieser Kunst so gut werden wie ihr Idol, die Malerin Lotte Laserstein. Aber Juna ist erkrankt, am Usher-Syndrom. Das bewirkt, dass sie nach und nach erblindet und auch ihr Gehör immer mehr verliert.

Zu der kleinen Familie gehört noch Vater Georg, ein Krankenpfleger, der ständig überfordert scheint vom Organisieren des Familienlebens, von Junas Krankheit und seinem anstrengenden Beruf.  Die Mutter der Schwestern ist verstorben. Dann gibt es noch die Tante Andrea, die per Telefon zu helfen versucht.

Es dreht sich viel um Juna und ihre Befindlichkeiten, ihre Untersuchungen und den schnellen Fortschritt ihrer Krankheit. Da kommt Martha immer etwas zu kurz, sie führt ihr eigenes Leben, nimmt in den Sommerferien einen Job im Kino an, ohne Vater und Schwester zu informieren. Dafür gibt sie sich als Juna aus. Im Kino lernt sie Sam kennen, der dort arbeitet und begegnet einen andren Mädchen, das sie schwer beeindruckt. Am wichtigsten für Martha aber ist ihr bester Freund Alex, vor dem sie so gut wie keine Geheimnisse hat.

Juna hat einen Freund, doch das verläuft nicht gut. So ist es Martha, die stattdessen mit ihr nach Malmö fährt, um im dortigen Museum eine Ausstellung mit Bildern Lotte Lasersteins zu sehen. Da sie ihren Vater nicht informieren, gibt es großen Ärger, auch weil Juna in Malmö plötzlich tagelang verschwindet.

Dies waren dann solche Stellen im Roman, in denen mir Juna zu egoistisch, zu ichbezogen war, sie erwartete stets Rücksicht von allen, nahm aber selbst keine. So fiel es mir zunehmend schwer, mit ihr mitzufühlen, so leid mir ein so junges Mädchen mit einer so schweren Krankheit natürlich tut.

Das war in meinen Augen auch ein gewisses Manko in diesen ansonsten gelungenen Roman. Die Figur Juna war etwas zu penetrant gezeichnet, mit zu dickem Pinselstrich, zu dickem Farbauftrag. Martha hingegen gefiel mir als Figur wesentlich besser. Sie wirkt authentisch, altersgemäß passend beschrieben, auch ihr Verhalten wird geschildert wie das einer typischen Dreizehnjährigen, die das Leben entdeckt.

Der Roman wechselt zwischen den Erzählperspektiven der beiden Schwestern. Ein einziges Mal – und das war wirklich enorm lästig, störend und überflüssig – gibt es ein Kapitel aus Sicht des Vaters Georg. Vermutlich mit dem Zweck, die Beziehung zur verstorbenen Mutter zu schildern. Das hätte man auch anders lösen können.  

Ansonsten hat mir der Roman gefallen, die Geschichte ist anrührend, berührend. Dass die beiden jungen Mädchen am Ende näher zueinander finden, ist vorhersehbar, aber gut beschrieben. Dass der Klappentext sich hauptsächlich auf die Malmö-Reise bezieht, erweckt einen falschen Eindruck, nimmt diese Episode doch nur einen kleineren Teil der gesamten Geschichte ein.

Insgesamt durchaus ein empfehlenswerter Debütroman, mit einigen wenigen Abstrichen.

Cora Wucherer – All die Farben, all das Licht
Klett-Cotta, Juli 2026
Gebundene Ausgabe, 320 Seiten, 25,00 €

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