Beate Ferchländer – Das Teigtascherldebakel

Ein bisschen überfrachtet ist er ja schon, der neue Krimi der österreichischen Autorin, ein bisschen unwahrscheinlich, aber Spaß macht er doch. Das liegt vor allem sicher an den herrlich überzeichneten Figuren, die alle irgendeinen Knacks im Gebälk haben – und das schließt ausdrücklich den ermittelnden Kommissar mit ein.

Den man übrigens wiedererkennt aus den Vorgängerbänden von Beate Ferchländer. Auch hier wie im neuen Fall ist er konfrontiert mit der Frage „Ist die Ehefrau die Täterin?“, ein Verdacht, der Kommissar Hartinger stets als erster kommt. Was wiederum, davon ist sein Vorgesetzter überzeugt, an seinem Frauenhass liegt, welcher aus der Geschichte seiner Mutter resultiert.

Man sieht, der Roman ist recht vielschichtig. Es wird aus zwei Perspektiven erzählt, in Ich-Form berichtet Elli Grace (!) vom Mord an ihrem Mann und den darauf folgenden Ereignissen, die ihr Leben komplett auf den Kopf stellen. Dazwischen, in der dritten Person geschrieben, die Ermittlung Hartingers zusammen mit seiner neuen Kollegin, der großen Frau Kleine.

Die beiden müssen herausfinden, ob der Gynäkologe Hans-Helmut, Ellis Ehemann, Selbstmord beging oder ermordet wurde. Letzteres glaubt Hartinger, Frau Kleine sieht das ganz anders. Ihr Verdacht richtet sich schnell gegen den netten Kollegen des Toten, der sich so liebevoll um die frischgebackene Witwe bemüht.

Alle sind ausgesprochen sympathisch, mal abgesehen von Ellis nervender Schwiegertochter. Besonders gelungen ist die Figur von Ellis Mutter, die tough und völlig angstbefreit irgendwann die Fäden in die Hand nimmt.

Aber die Leserin kommt sehr schnell drauf, wer der vermutliche Täter ist, weil es eben dann doch ein bisschen zu überspitzt beschrieben wird. Bis Elli und ihre Familie und vor allem die Polizei den Täter schließlich dingfest macht, treten noch etliche Chinesen in Erscheinung, werden viele falsche Spuren gelegt und wieder verwischt. Temporeich ist die Geschichte, wunderbar unterhaltsam, an keiner Stelle langweilig, ein richtiger Pageturner, aber mit einer ganz großen Prise Humor.

Dass, wie bereits erwähnt, alles ein bisschen arg konstruiert wirkt, der gesamte Plot recht an den Haaren herbeigezogen, erhöht dabei eigentlich nur den Spaß. Eine wirklich gelungene Krimikomödie.

Beate Ferchländer – Das Teigtascherldebakel
emons, Mai 2022
Taschenbuch, 364 Seiten, 14,00 €


Schau auch hier: Beate Ferchländer – Die Apfelstrudelmisere

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.