Beate Ferchländer – Die Apfelstrudelmisere

Mal was ganz anderes: ein Krimi, aus der Sicht der Täterin geschrieben. Und was für ein abgründiger, schwarzhumoriger Krimi, den uns die österreichische Autorin hier vorlegt.

Die schöne und nicht minder lustige Witwe Helene, deren erster Mord im Roman „Das Nussstrudelkomplott“ von Beate Ferchländer nachzulesen wäre, wird von Inspektor Moravec erpresst, der belastende Fakten gegen sie und ihre Haushälterin Tereza in Händen zu haben behauptet. Denn der Inspektor, statt seinen beruflichen Pflichten nachzukommen, ist unsterblich (!) in Helene verliebt und will, dass sie ihn heiratet. So unter Druck gesetzt, willigt sie ein, nur um diese Entscheidung umgehend bitterlich zu bereuen.

So muss ein neuer Plan her, wie sie sich nicht nur ihres erpresserischen Ehemanns, sondern auch gleich noch der lästigen Nachbarin entledigt. Wie immer ist ihr Tereza hierbei eine große Hilfe, jedenfalls, nachdem mehrere leidige Missverständnisse zwischen den beiden mordlustigen Damen aufgeklärt sind. Für weitere Aufregung, positiver wie negativer Art, sorgt außerdem der Chefinspektor Hartinger, der nicht nur ebenfalls Helenes Charme erliegt, sondern zugleich diverse Todesfälle aufzuklären hat.

Aberwitzig, absurd, temporeich, dabei immer nah am realistisch Möglichen, so kommt dieser Krimispaß daher. Mag der Humor etwas derb sein, so ist er zugleich hintergründig, ja abgründig. Das auftretende Personal bis hin zu den Nebenfiguren wie Zeugen oder Polizeibeamten ist herrlich absonderlich, mit großer Freude liebevoll überzeichnet, so dass die Charaktere zwar durch den Kakao gezogen werden, aber nie wie eine Karikatur daherkommen. Dabei ist dieser Krimi ganz klar ein Frauenroman, die Männer kommen darin nicht so gut weg, stehen sie doch meist reichlich dumm da, wenn die Damen ihre Machenschaften planen und durchführen.

Einzig die Protagonistin selbst, die schöne Helene, bleibt im Vergleich zu den anderen Figuren blass, erst nach und nach bekommt die Leserin ein Bild von ihr. Was eventuell daran liegt, dass ich leider den Vorgängerband nicht kenne. Ein wenig fehlt dann schon die Vorkenntnis, die darin geschilderten Ereignisse werden im vorliegenden Roman immer mal wieder erwähnt, was aber, zumindest am Anfang, wenn man in den Roman einsteigt, eher verwirrt als hilft.

Wer tiefgründigen, bitterbösen Humor mag, wird dieses Buch lieben. Mir hat die Lektüre viel Spaß bereitet.

Beate Ferchländer – Die Apfelstrudelmisere
emons, Mai 2021
Taschenbuch, 301 Seiten, 13,00 €

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