Ist Chaos kreativ?

Neulich hatte ich Besuch und der „besichtigte“ auch mein Schreibzimmer. Kommentar: „Bei dir ist aber ordentlich, so aufgeräumt.“
Irgendwie klang das in meinen Ohren vorwurfsvoll, oder doch zumindest verwundert. Warum? Muss es immer chaotisch aussehen auf dem Schreibtisch eines kreativen Menschen?
Also ich kann in Chaos nicht schreiben. Übrigens auch nicht arbeiten, also im Büro bei meinem Brotberuf. Deswegen glaube ich, dass das doch etwas sehr Individuelles ist. Die eine braucht Chaos, der andere die Ordnung.
Wie aber Ordnung halten beim Schreiben? Ordnung in den Gedanken, in den Ideen, den Notizen und den Entwürfen?
Nun, für ihre Gedanken ist jede Autorin selbst verantwortlich, die nötigen Schubladen und Fächer sollten deutlich beschriftet sein 😉

Wo ist die Notiz hin?

Aber was tun wir mit den Notizen, die wir doch ständig machen (sollten)? Mit all den losen Zetteln, auf die wir mal unterwegs, mal auf dem Nachttisch etwas aufgeschrieben haben und die uns zu diesem Zeitpunkt so wichtig waren, dass sie unbedingt für die Nachwelt erhalten bleiben mussten?
Mir jedenfalls geht es oft so: Ich hatte einen, wie ich meinte, guten Einfall und den auch sofort notiert, sagen wir mal, während einer Autofahrt (als Beifahrerin natürlich!). So, und dann, wenn ich am entsprechenden Text weiterarbeiten will und mich gut daran erinnern kann, dass ich was aufgeschrieben hatte, nur eben nicht wo. Dann geht das große Suchen los.
Selbst wenn ich den Zettel dann finde (und das Notierte dann auch noch wieder entziffern kann 😉), kommt ja gleich das nächste Problem: am Ende besteht nämlich so eine Geschichte während der Entstehungsphase aus lauter losen, verschieden großen Zetteln. Und davon abgesehen geht ja mit der ganzen Sucherei auch unheimlich viel Zeit verloren.
Ich hatte mal gehofft, ein Bullet Journal sei die Lösung und hab mir daher eins zugelegt. BuJos sind toll, aber leider, wenn sie was bringen sollen, etwas unhandlich, denn DinA5 sollten sie schon mindestens sein. Und wer schleppt schon ein Buch mit beim Spazierengehen oder Sporteln oder ähnlichem? Eben.

Aber wie geht Ordnung?

Also was tun, um Ordnung zu halten in den eigenen Notizen? Dazu habe ich schon einiges gelesen, auch aus der Feder von anderen Autoren. Mein Fazit danach: jede*r wird vermutlich nur mit dem eigenen System glücklich. Möchtest du, als Anregung und Beispiel, mehr über meines wissen? Gerne.

Meine Notizen wandern in einen Ordner. Da ich meistens mehrere Kurzgeschichten gleichzeitig schreibe und mir natürlich mal zu der einen und mal zu der anderen eine Idee in den Sinn kommt oder genau die Formulierung einfällt, die ich die ganze Zeit gesucht habe, muss ich unbedingt darauf achten, nicht die Notiz, die zum Krimi gehört, zur Liebesgeschichte zu sortieren.  Und deswegen habe ich, simplicity wins, einen stinknormalen Ordner auf dem Schreibtisch. Darin ein einfaches Register, nach Farben oder Zahlen, ganz wie es gewünscht wird (ich habe ein zwanzigteiliges mit Zahlen im Gebrauch). Na und der Rest ist ja dann eigentlich selbsterklärend: jede Geschichte = ein Registerabteil und jede Notiz kommt in das passende Abteil. Wichtig ist, einen Ordner mit 4 Ringen zu verwenden und nicht einen der üblichen Büroordner mit nur zwei Ringen. Denn dann kannst du auch die allerkleinsten Notizfitzelchen irgendwie noch lochen und abheften oder, wenn es gar nicht anders geht, eine Dokumentenhülle oder, auch sehr gut geeignet, einen größeren Umschlag einheften und die Zettelchen darin sammeln. Das finde ich ganz einfach auch deswegen praktisch, weil dir so kein Zettel rausfällt und verloren geht, schließlich hängt er ja gefangen in den Ringen, sozusagen 😉

Übrigens hefte ich in diesem Ordner auch alle Versionen meiner Elaborate ab, also jede Überarbeitung wird quasi archiviert, denn man weiß ja nie, vielleicht will ich dann doch wieder irgendwas so haben, wie in Version 2 und nicht die Änderung aus Version 8 (ja, so viele Versionen werden es bei mir tatsächlich oft, wenn ich eine Kurzgeschichte schreibe. Überarbeiten hat was mit arbeiten zu tun. Dazu kommt bestimmt auch noch mal irgendwann ein Schreib-Log.)

Ab ins Archiv

Tja und wenn die Geschichte schließlich wirklich fertig ist und vielleicht sogar, wo auch immer veröffentlicht, dann kommt das ganze Paket, also alle Notizen, alle Versionen, wirklich jedes einzelne Blatt, ins „Archiv“. Hinter diesem hochtrabenden Namen verbirgt sich nichts anderes als eine ganze Reihe von, zugegeben schön gestalteten, Ordnern, in denen ich meine Geschichten aufbewahre. Hier allerdings bin ich mit meinem System noch nicht glücklich, denn zur Zeit werden sie dort noch alphabetisch nach dem Titel abgelegt. Da aber, wie man sich denken kann, viele Titel mit Der, Die oder Das beginnen, ist der D-Ordner schon übervoll. Also hier besteht unbedingt Verbesserungspotential. Sollte ich dazu mal eine neue Idee haben, werde ich sie natürlich mit dir teilen.

So sieht es also aus, mein Ordnungssystem. Nichts Weltbewegendes, nix wirklich Außergewöhnliches, aber es hat sich für mich bewährt. Jedenfalls mehr als jedes Chaos, mag es noch so kreativ sein. 

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