Sandra Lüpkes – Ein Ort, der bleibt

⭐⭐

Ziemlich langweilige Geschichte um drei Frauen und einen Garten zu unterschiedlichen Zeiten

Die Autorin Sandra Lüpkes ist sehr erfolgreich mit ihren immer gelungenen Kriminalromanen und als Drehbuchautorin (Wilsberg, Friesland u.ä.). Aber auch mit historischen Romanen konnte sie mich bislang überzeugen.

Diesmal allerdings fand ich den Roman um den Botanischen Garten in Istanbul und drei Frauen mit ihrem Sorgen unendlich langweilig und dröge. Es geschieht so gut wie nichts, es gibt zu viel Beschreibung, ellenlange Auflistung von Wegen und Straßen, die die Protagonistinnen entlanggehen und dazwischen viel um Pflanzen und Blumen.

Im Mittelpunkt steht einmal Magda Heilbronn, eine Professorengattin aus Münster, die mit ihrer Familie 1933 in die Türkei auswandert, da ihr Mann Jude ist und nicht arbeiten darf. Ihr Mann Alfred ist Botaniker und wird nach Istanbul berufen, um dort an der Uni zu lehren und den Botanischen Garten aufzubauen.

Ihm zur Seite gestellt wird die Doktorandin Mehpare, die gleichzeitig für ihn übersetzt. Sie genießt die zu dieser Zeit stattfindenden gravierenden Umwälzungen in der türkischen Gesellschaft, die ihr als Frau z.B. erlauben, zu studieren.

Und dann gibt es noch den Erzählstrang, der im Heute spielt und dessen Hauptfigur ist Imke, Stadtplanerin, die mit ihrem Kollegen bzw. Chef nach Istanbul geschickt wird, um dort alte Gebäude und Komplexe zu sanieren oder umzugestalten. Dazu gehört auch der Botanische Garten.

Trotz der mit der Geschichte der Nazizeit verbundenen Story um Magda ist auch diese wenig fesselnd und wenig interessant. Es wird furchtbar viel geredet um Dinge, die die Handlung aber weder voranbringen noch packende Informationen enthalten. Es treten sehr viele Figuren auf, deren Hintergründe nicht immer wirklich von Belang sind. Insgesamt sind alle Figuren eher blass, distanziert, wecken keine Empathie, kein Mitfühlen.

Mehpare wäre noch die interessanteste Figur, aber auch ihre Geschichte wird eher dröge erzählt und kann nicht recht überzeugen oder fesseln. Am nervigsten aber war der Erzählstrang um Imke, eine ebenso unsympathische und uninteressante Figur, wie auch ihr Vorgesetzter Kai, ein schrecklich arroganter Chauvi. Der Sinn dieser Perspektive erschloss sich mir überhaupt nicht, das hätte es grundsätzlich nicht gebraucht.

Dazu der viel zu häufige Wechsel der Erzählperspektiven, so dass man immer dann, wenn man endlich wieder halbwegs hineingefunden hatte in eine Handlung, sofern es überhaupt eine gab, die diesen Namen verdient, gleich wieder rausgerissen wurde. So gab es nach Seite 300 plötzlich sogar noch weitere Perspektiven.

Insgesamt war dieser Roman wirklich eine Enttäuschung für mich, ich hatte mir eine ähnlich packende und historisch interessante Geschichte erhofft wie in Sandra Lüpkes Roman „Das Licht im Rücken“ um die Leica-Kamera und die dahinterstehende Familie.

Dennoch bleibe ich ihr Fan und hoffe nun auf ihr nächstes Buch.

Sandra Lüpkes – Ein Ort, der bleibt
Rowohlt polaris, April 2026
Gebundene Ausgabe, 495 Seiten, 25,00 €


Schau auch hier: Sandra Lüpkes – Das Licht im Rücken und weitere

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