Clare Chambers – Heimliche Zeilen

⭐⭐⭐

Reicht nicht an ihre anderen Bücher heran – recht dröge Story um einen Erfolglosen

Von Clare Chambers beiden Büchern „Kleine Freuden“ und „Scheue Wesen“ war ich absolut begeistert. Beide zeichnen sich vor allem durch die Sanftheit aus, mit der die Autorin ihre Figuren darstellt, durch das Ausmaß an Empathie, an Verständnis, an Mitgefühl. In beiden Büchern sind Menschen die Protagonisten, die anders sind als die anderen, die scheu sind, zurückhaltend. Ihre Figuren sind liebevoll gezeichnet und wecken Liebe (auch wenn das arg pathetisch klingt) in der Leserin.

Nun also bringt Eisele ein neues Buch von ihr heraus. Wenn man im Impressum entdeckt, dass dieser Roman, ganz im Gegensatz zu den beiden anderen, bereits 2007 im Original erschien, dann drängt sich mir unweigerlich ein Verdacht auf. Einer, den ich natürlich nicht beweisen kann, der sich mir aber vor allem wegen des so augenfälligen, gravierenden Qualitätsunterschieds aufdrängt, der zwischen diesem und den beiden anderen Büchern besteht.

In „Heimliche Zeilen“ heißt der Protagonist, der hier in Ich-Form erzählt, Christopher und ist am ehesten mit dem Begriff erfolglos beschrieben. Gerade hat er seinen Job verloren und zieht in eine baufällige Hütte auf dem Land. Sein Bruder hat das Haus, das beide gemeinsam von ihrem Vater geerbt haben, quasi besetzt. Sein einziger schriftstellerischer Erfolg liegt Jahre zurück, seine Ehe ist gescheitert, einen großen Kreis an Freunden und Bekannten scheint er nicht zu haben. Er taumelt viel mehr etwas haltlos durch sein Leben.

Da tritt eine Frau in Kontakt zu ihm, die ihn zu seiner Beziehung zu einem längst verstorbenen Verleger befragen will, über den sie angeblich forscht. Das führt dazu, dass Christopher in Erinnerungen versinkt, Erinnerungen, die er zumal vor geraumer Zeit aufschrieb und die er nun der Frau, ihr Name ist Alex, zur Verfügung stellt.

In seiner Vergangenheit spielt besagter Verleger eine große Rolle, vor allem aber dessen Ehefrau Diana, mit der – das darf hier verraten werden, ohne zu sehr zu spoilern (denn man ahnt es sehr früh ohnehin) – Christopher ein Verhältnis hatte. Das schließlich zur vollständigen Entfremdung zwischen ihm und Dianas Mann führte.

Im Grunde geht es vor allem darum, wie sehr Christopher später an seinem Leben scheiterte, an der Beziehung zu seiner Frau, mit der er inzwischen aber wieder recht gut auskommt, an dem Verhältnis zu seinem Bruder, der sich komplett merkwürdig verhält und an vielem negativen, das Christopher widerfuhr, Schuld trug.

Mich konnte der Roman aber leider nicht wirklich fesseln. Weder konnte der Protagonist mich überzeugen, mich erreichen, so dass ich mich in ihn hinein-, mit ihm mitfühlen konnte. Noch war die Story packend, sondern eher recht dröge, teils auch vorhersehbar und ihr Ende schließlich unglaubwürdig und unrealistisch. Es gab keine Spannung, keine interessanten Figuren, kein wirkliches Drama. Der Schreibstil war, so empfand ich es, weit von dem entfernt, den ich aus den beiden anderen Büchern der Autorin kannte.

Daher erklärt sich der oben erwähnte Verdacht, dass es sich nämlich um ein früheres Werk von Chambers handelt, welches möglicherweise – ich kann das ja nur vermuten – erst nach ihrem späteren Erfolg mit „Scheue Wesen“ et. al. für Verleger interessant wurde.

Somit war ich von „Heimliche Zeilen“ recht enttäuscht, hoffe aber, da ich dennoch von Clare Chambers als Autorin überzeugt bin, auf weitere neue Romane von ihr.

Clare Chambers – Heimliche Zeilen
Originaltitel: The Editor’s Wife
aus dem Englischen von Wibke Kuhn
Eisele, Februar 2026
Gebundene Ausgabe, 414 Seiten, 26,00 €


Schau auch hier: Clare Chambers – Scheue Wesen und andere

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