
Mördergeschichte in Märchenform – ungewöhnlich, aber auch wirr und arg schwülstig
Das war leider so gar nicht meins, dieses Buch. Die bisherigen Romane von Alexandra Benedict hatten Charme, waren von gelungenen Figuren getragen und warteten mit überraschenden Twists auf.
Letzteren hat auch das neue Buch durchaus zu bieten, allerdings auf eine Art und Weise, die mir nicht gefiel. Das spricht ganz und gar nicht gegen den Roman, sondern liegt vorrangig an meinem Geschmack und meinen Genre-Vorlieben.
Was es allerdings abgesehen von Geschmacksfragen dennoch aus meiner Sicht zu kritisieren gibt, dazu später mehr.
Ausgangspunkt der Handlung ist die Entführung einer Krimi-Autorin. Sie wird in ein einsames Haus im Wald verschleppt und soll für den „Wolf“ (der Entführer trägt eine Wolfsmaske) Märchen schreiben. Und zwar Märchen, die stets für die – meist weiblichen – Hauptfiguren tödlich ausgehen. Anschließend mordet der Wolf exakt nach dem von ihr verfassten Methoden. Diesem Handlungsstrang folgen wir aus Sicht der Autorin Katie.
Eine zweite Erzählperspektive folgt der Ermittlerin Lyla, die vor 25 (!) Jahren im Alter von 15 Jahren miterleben musste, wie ihre damalige beste Freundin Allison spurlos verschwand. Lyla fühlt sich sofort an damals erinnert, leidet furchtbar und soll trotzdem die Leitung der Ermittlungen übernehmen. Und das, obwohl recht bald klar wird, dass ein Zusammenhang besteht zum damaligen Vorfall und dass der Wolf es auf Lyla abgesehen hat.
Es gibt etliche Verdächtige, Leute, die sich so auffällig verhalten, dass man sie einfach unbedingt verdächtigen muss. Außerdem taucht der Verdacht auf, dass aus dem Ermittlerteam jemand Infos an die Presse weitergibt, was den Ermittlungen schadet.
Schließlich, nach etwa der Hälfte des Roman, gibt es einen merkwürdigen Twist und alles ist ganz anders. Ab hier spätestens hatte mich die Autorin komplett verloren.
Denn schon vorher konnte ich mich mit dem Stil, der Erzählweise und der Figurendarstellung nicht wirklich anfreunden. Zu unglaubwürdig war das Verhalten von Lyla, zu dick aufgetragen, zu schwülstig geschildert die Emotionen, zu wenig plausibel ihr Leiden nach all dieser Zeit, insbesondere für eine Frau von inzwischen 40 Jahren im Verhältnis zu dem Vorfall, als sie im Teenageralter war. Auch die Tatsache, dass ihre Vorgesetzte, die absolut unglaubwürdig beschrieben ist, Lyla komplett die Leitung der Ermittlungen überträgt, ist absurd in diesem Zusammenhang.
Gut gelungen sind zwar die Szenen aus Sicht von Katie, deren Furcht und Entsetzen nachvollziehbar beschrieben sind. Wie auch die furchtbaren Taten des Wolfs durchaus sehr dramatisch und eindrucksvoll dargestellt werden.
Doch insgesamt ist von allem irgendwie zu viel, zu viel Drama, zu viel Tränen, zu viel Herzschmerz, zu viele Logikfehler. Wobei man aufgrund der weiteren Ereignisse Logik vermutlich nicht suchen sollte in diesem Roman.
So mag das Buch für Liebhaber:innen solcher märchenhafter Geschichten geeignet und empfehlenswert sein, für mich war es leider nicht überzeugend.
Alexandra Benedict – Böser, böser Wolf
Originaltitel: Little Red Death
aus dem Englischen von Henning Ahrens
Tropen, Januar 2026
Taschenbuch, 368 Seiten, 17,00 €
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