Ich habe mir nie vorgenommen, zu schreiben. Ich habe damit angefangen, als ich mir nicht anders zu helfen wusste.
Herta Müller

Andrea Heuser – Wenn wir heimkehren

Rezension, 8. September 2021

Dieser Roman ist vor allem das Psychogramm einer Familie oder vielmehr einer Frau, und das über mehr als 50 Jahre. Diese Frauenfigur ist faszinierend in ihrer Vielschichtigkeit, in ihrer Versponnen- und Versonnenheit. Dennoch hat der Roman etliche Längen, was die Freude beim Lesen etwas trübt.

Insbesondere die Männer im Leben der Protagonistin Margot sind entscheidend für ihren Lebensweg, beginnend mit ihrem Vater. Sie wird in Luxemburg geboren und wächst in der Vorkriegszeit in einer wohlhabenden Familie auf. Die Begegnung mit den deutschen Besatzern prägt sie ebenso wie die Ehe mit Hermann Heider. Wichtigster „Mann“ ist für sie aber immer ihr Sohn Fred. Auch seinen Lebensweg zeichnet der umfangreiche Roman nach.

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Robert Krause – 3 ½ Stunden

Rezension, 6. September 2021

Allein der Titel suggeriert bereits die Spannung, die man, wie bekanntlich am perfektesten von Hitchcock angewandt, durch eine zeitliche Begrenzung des Geschehens erreichen kann. Die Handelnden haben nur dreieinhalb Stunden Zeit, eine nahezu lebenswichtige Entscheidung zu treffen. Nur leider verschenkt der Roman diese Möglichkeit zur Gänze.

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Nicolas Barreau – Die Zeit der Kirschen

Rezension, 3. September 2021

Dieser Roman ist wirklich nur etwas für ausgeprägte und unerschütterliche Romantikerinnen. Was, das möchte ich betonen, nichts Schlechtes ist und keine negative Aussage über das Buch. Besonders, da mir der erste Teil der Geschichte um Aurélie und André, der vor einigen Jahren unter dem Titel „Das Lächeln der Frauen“ erschien, ausnehmend gut gefiel. Nur leider erreicht dieser Teil nicht die Leichtfüßigkeit, die Romantik und den Humor des Vorgängerbuchs.

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Hervé le Tellier – Die Anomalie

Rezension, 1. September 2021

Was für eine abgedrehte Story! Was für ein wahnsinnig spannender Roman! Da fliegt ein Flugzeug im März von Paris nach New York und gerät in heftigste Turbulenzen. Doch alle kommen heil und gesund an und führen ihr Leben weiter. Alle, das sind unter anderem ein Architekt und seine Geliebte, die alleinerziehende Mutter eines kleinen Jungen. Das ist ein Auftragskiller, das ist ein Autor und Übersetzer. Weitere Passagiere sind ein nigerianischer Rapper, eine Schauspielerin und dann ist da noch der Flugkapitän.

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Christine Brand – Bis er gesteht

Rezension, 30. August 2021

Allein schon wegen des ungewöhnlichen, aber wirkungsvollen Aufbaus ist dieser Kriminalroman absolut gelungen. Hinzu kommen ein besonderer Schreibstil, der gerade wegen der durchgängigen Neutralität, der reportagenhaften Distanz die Handlung umso mehr unter die Haut gehen lässt. Hier kommt deutlich die frühere Tätigkeit der Autorin als Gerichtsreporterin zum Ausdruck.

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Hanna Aden – Finde den Weg zu deiner Story

27. August 2021

Um einmal ausnahmsweise mit Äußerlichkeiten zu beginnen: dieses Workbook ist eine Augenweide – zumindest für Liebhaber von verspielten Dekors.

Hanna Aden, Lehrerin und Schriftstellerin, bietet in ihrem Institut Seminare und Coaching für Autor:innen an, unter demselben Titel wie ihr Workbook. Dieses spiralgebundene und damit sehr benutzerfreundliche Buch begleitet eine Autorin auf ihrem Weg zum Roman und beginnt lange vor dem ersten Satz.

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Janine Adomeit – Vom Versuch, einen silbernen Aal zu fangen

Rezension, 25. August 2021 ~ 1 Kommentar

Ein überzeugendes Debüt einer deutschen Autorin, von der man hofft, mehr lesen zu dürfen. Die Geschichte, die Janine Adomeit erzählt, wird vor allem getragen von den interessanten, vielschichtigen und überraschenden Charakteren, Menschen, die mit ihrem Schicksal hadern und sich ihm entgegenstellen wollen. Doch nicht allen gelingt das.

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Ulrike Herwig – Das Glück am Ende der Straße

Rezension, 23. August 2021

Ein Roman mit allen Zutaten für eine herzerwärmende Geschichte. Aber genau das ist in meinen Augen auch das – zugegeben kleine – Manko an dem unterhaltsamen Buch der deutschen Autorin, die bereits unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht hat. Denn es sind eben leider alles sehr bekannte Zutaten.

Der Plot wird aus zwei Sichten erzählt, die eine ist Elli, genannt Elvis, eine ältere obdachlose Frau, die regelmäßig auf einer Bank im Park sitzt und die gut betuchten Bewohner eines Villenviertels beobachtet. Die zweite Perspektive ist Lisa, eine dieser Bewohnerinnen, Ehefrau vom technikbesessenen Mark und Mutter dreier mehr oder weniger anstrengender Sprösslinge.

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Freya Sampson – Die letzte Bibliothek der Welt

Rezension, 20. August 2021

Wieder ein Roman, in dem eine Bibliothek gerettet werden soll. Eine schöne, herzerwärmende, wenn auch leicht kitschige, hausbackene Geschichte, die uns die englische Autorin erzählt. Ein wenig haben mich die Story und die handelnden Personen an den Roman „Die Buchhandlung“ von Penelope Fitzgerald erinnert. Besonders die Hauptfiguren ähneln sich sehr.

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Andreas Izquierdo – Revolution der Träume

Rezension, 18. August 2021

Die langersehnte Fortsetzung eines meiner Lieblingsbücher des vergangenen Jahres „Schatten der Welt“. Die Handlung schließt fast nahtlos an den Vorgängerband an, beginnt im November 1918, mit der Absetzung des deutschen Kaisers und der Ausrufung der Republik.

Vorangeschickt sei der Hinweis, dass manches in dieser Fortsetzung ohne die Kenntnis des ersten Bandes nur teilweise verständlich ist. Die Vorgeschichte der drei Protagonisten bedingt ihr Handeln in der Nachkriegszeit entscheidend, genau wie die Begegnungen mit ihren alten Freunden und Feinden. Es wird einiges aus dem ersten Teil erwähnt, aber in angenehm unaufdringlicher Weise.

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