
Roman um von Anna Freud gegründete Kriegswaisenhäuser in England – spannend, berührend, interessant
Auch wenn der Titel dieses Roman ein bisschen arg kitschig klingt und auch wenn die Geschichte, die die hier unter Pseudonym schreibende Beate Maly erzählt, manchmal ein bisschen ins Süßliche abgleitet, so ist das Ganze doch sehr fesselnd. Insbesondere der historische Hintergrund macht die Story packend und interessant.
Aus mehreren Perspektiven und auf mehreren Zeitebenen folgen wir den Schicksalen mehrerer Frauen. Da ist einmal Helene, Wienerin, Jüdin, die 1938 vor den Nazis nach England flieht. Ihre Freundinnen sind Lili, die nach Amerika emigriert, und Lotte, ebenfalls Jüdin, der die Flucht nicht mehr rechtzeitig gelingt.
Helene arbeitet in England schließlich zusammen mit Anna Freud, Tochter von Sigmund Freud, die, nicht nur aus wohltätigen Erwägungen, sondern auch um ihre Forschungen zur Kinderpsychologie weiterführen zu können, mehrere Heime gründet für Kriegswaisen und Kinder, deren Familien ausgebombt wurden. Die Kinder verschiedenen Alters werden von Frauen betreut, die gleichzeitig wissenschaftliche Arbeiten betreiben.
Schließlich gibt es noch die Perspektive von Rose, einer jungen Frau in den 80 Jahren des letzten Jahrhunderts, deren Mutter kürzlich starb und die nun, auf der Suche nach deren Geburtsurkunde, herausfindet, dass ihre Mutter ein Adoptivkind war. Auf verschlungenen Wegen versucht Rose nun die Herkunft ihrer Mutter zu finden, was sie schließlich zu genau einem solchen Kriegswaisenheim von Anna Freud führt.
So zusammengefasst klingt die Geschichte eher trocken, aber sie ist spannend erzählt, man fühlt sich gut in die Figuren ein, auch wenn gerade der Erzählstrang um Rose ein bisschen arg gefühlig ist und ein bisschen sehr konstruiert wirkt. Die Geschichte der Waisenkinder, die Geschichte der Heime, die auch nach dem Krieg noch eine kurze Weile bestanden, ist jedoch sehr emotional und trotzdem sachlich, auch wenn das wie ein Widerspruch klingt. Auch in diesem Erzählstrang wirkt manches arg konstruiert, wie oft in solchen Geschichten, in denen repräsentative Schicksale in wenigen Figuren dargestellt werden sollen. Auch ist, insbesondere die Geschichte von Lotte recht vorsehbar, was auch dazu führt, dass man früh ahnt, woher Roses Mutter in Wirklichkeit stammt.
Dennoch habe ich den Roman nicht nur sehr gerne gelesen, sondern regelrecht verschlungen, auch weil es der fleißigen und mit ihren historischen Kriminalromanen so erfolgreichen Beate Maly wieder gelingt, ihre Figuren so zu gestalten, dass man sich beim Lesen in sie hineinfühlen kann, dass man mit ihnen fiebert, leidet und fühlt. Da sieht man dann auch gern mal über manchen Stereotyp und manche arg süßlich erzählte Passage, manchen arg strapazierten Zufall hinweg.
Für Freundinnen fundierter und spannender historischer Geschichten absolut empfehlenswert.
Laura Baldini – Und sie schenkten ihnen ein Zuhause
Piper, April 2026
Gebundene Ausgabe, 333 Seiten, 22,00 €
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