Liz Moore – Der andere Arthur

⭐⭐⭐⭐

Figurengetragener Roman  um zwei ganz unterschiedliche Männer – interessant, aber auch mit Längen

Wie so oft veröffentlicht ein Verlag nach dem großen Erfolg eines Autors, einer Autorin eines ihrer weiteren Werke, wie so oft handelt es sich dabei um einen früher verfassten Roman. Was man durchaus an Stil, Struktur und Plot merken kann.

Damit soll nicht gesagt werden, dass mir der neu erschienene Roman von Liz Moore weniger gefiel als ihr Erfolg „Der Gott des Waldes“. Dieses Buch ist so ganz anders, im Aufbau wie auch im Hinblick auf Handlung und Figuren, dass man die beiden Romane im Grunde nicht vergleichen kann.

Der titelgebende Arthur ist ehemaliger Literaturprofessor, der seit vielen Jahren völlig zurückgezogen lebt, nie vor die Tür geht und keinerlei Kontakte zur Welt hat, abgesehen von den Lieferdiensten, die ihm die bestellten Lebensmittel bringen. Und davon braucht er reichlich, denn Arther isst nicht, er frisst. Was sich in seinem Gewicht und Umfang niederschlägt, so dass ihn seine Beine kaum noch tragen, er sich nur noch im Erdgeschoss seines Hauses aufhalten kann – und sich für sein Aussehen in Grund und Boden schämt, weswegen er eben jeglichen Kontakt vermeidet.

In der Vergangenheit hatte er eine gute Freundin und Nachbarin, doch sie ist inzwischen verstorben. Bevor er wurde wie er jetzt ist, als er noch unterrichtete, lernte er Charlene kennen, eine Studentin, viel jünger als  er. Als sie die Uni verließ, entwickelte sich ein reger Briefverkehr zwischen den beiden, in dem sie einander jedoch selten die Wahrheit über sich berichteten.

So ist Arthur sehr überrascht, als Charlene ihm in einem Brief eröffnet, dass sie einen 18-jährigen Sohn hat, genannt Kel. In diesem Brief legt sie Arthur ihren Sohn ans Herz, bittet ihn darum, sich um Kel zu kümmern.

Schließlich lässt Arthur die blutjunge Yolanda in sein Leben, die ursprünglich engagiert wurde, um sein Haus zu putzen. Doch schnell zeigt sich, dass die beiden sich gegenseitig helfen können.

Nun wechselt die Perspektive, bislang folgten wir den Geschehnissen aus der Sicht Arthurs, der in Ich-Form erzählt. Jetzt sehen wir die Dinge plötzlich aus der Perspektive von Kel, ebenfalls in Ich-Form geschrieben, der seine Mutter zwar liebt, sich aber auch für sie schämt, wegen ihrer Trunksucht und ihre Unfähigkeit, das Leben zu meistern.

Für Kel ist Baseball das wichtigste in seinem Leben, er möchte Profi werden und trainiert hart dafür. So füllen sich viele Seiten in diesem Teil des Romans mit Details über diesen Sport, voller Dialoge, Einzelheiten, Spielzügen und so weiter, was ich etwas sehr ermüdend fand.

Dann geschieht ein Schicksalsschlag, der Kel völlig aus der Bahn wirft (ich nenne ihn hier nicht, um nicht zu spoilern). Nun erweist sich, wer ein Freund, eine Freundin für ihn ist. Insbesondere ist Kel nun auf der Suche nach seinem Vater, dem Ex-Mann seiner Mutter, der die Familie verließ, als der Junge gerade vier Jahr alt war. Was er dann erfährt, erschüttert Kel erneut, so dass er immer wieder strauchelt. Doch dank einer Freundin und deren Eltern findet er schließlich Halt.

Immer wieder wechselt der Erzählstrang von Arthur zu Kel, ohne dass die beiden sich begegnen. Obwohl man bei der Lektüre ständig darauf wartet.

Das Ganze ist – abgesehen von den erwähnten Längen, die auch in Arthurs Kapiteln auftreten, wenn er immer wieder im gleichen Selbstmitleid und den gleichen Selbstvorwürfen versinkt – recht fesselnd geschrieben. Die Figuren, vor allem natürlich die beiden Protagonisten, sind sehr plastisch, sehr emotional und sehr einfühlsam geschildert. Liz Moore erzählt nur, sie urteilt nicht, auch nicht über Figur und Verhalten Arthurs. Das macht die Lektüre angenehm, auch wenn sich wirkliche Spannung nicht so recht einstellen will. Eine gewisse Kürzung hätte dem Roman schon gutgetan.

Dennoch empfehle ich diese Geschichte, gerade weil sie von den Figuren, die sich aus dem üblichen Einerlei von Romanfiguren wohltuend abheben, getragen wird.

Liz Moore – Der andere Arthur
Originaltitel: Heft
aus dem Englischen von Cornelius Hartz
C.H. Beck, Januar 2026
Gebundene Ausgabe, 377 Seiten, 26,00 €


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