Camille Pagán – Harold und der Buchhändler

⭐⭐⭐⭐

Aus Hundesicht erzählt: rührend, aber auch ein bisschen sentimental

An sich ein netter Kunstgriff, einen Roman in Ich-Form aus der Perspektive eines Hundes zu erzählen. In diesem Buch gelingt das auch weitestgehend, die Geschichte ist berührend, zu Herzen gehend, aber manchmal auch ein wenig zu tränenreich, zu sentimental.

Harold, ein inzwischen sehr in die Jahre gekommener Hund, trauert zusammen mit Herrchen Miguel um sein verstorbenes Frauchen Amelia. Diese war, wie in solchen Romanen üblich, eine ganz wunderbare und fehlerfreie Frau, sie betrieb eine Buchhandlung und schrieb selbst erfolgreich Liebesromane.

Nun ist sie vor einer Weile verstorben und Miguel vergräbt sich in seiner Trauer. Die Buchhandlung wird hauptsächlich von den Angestellten Riley und Dane betreut. Die Verbesserungsvorschläge der beiden, so z.B. mehr Liebesromane zu verkaufen, diese prägnanter zu präsentieren, lehnt Miguel ab. Für ihn sind Liebesromane Schund, die von Amelia verfassten hat er nie gelesen.

Inzwischen steht die Buchhandlung vor der Pleite, die Miete soll erhöht werden und die Verkäufe sind rückläufig. Um wenigstens noch einmal etwas einzunehmen, plant Miguel eine Lesung mit einem sehr berühmten Autor. Doch als die Veranstaltung anfangen soll, taucht der Autor nicht auf. Daher begeben sich Miguel und Harold auf die Suche nach dem Schriftsteller, um mindestens Schadenersatz zu bekommen und damit die Buchhandlung noch eine Weile retten zu können.

Nun nehmen die Dinge ihren Lauf, Harold bekommt viel zu tun, denn sein Auftrag lautet, Miguel wieder glücklich zu machen, soll heißen, ihn mit einer neuen Frau zusammenzubringen. Man ahnt daher recht bald, worauf das hinausläuft, trotz immer wieder eingebauter und nicht immer nachvollziehbarer Hürden und Hindernisse.

Erzählt wird das Ganze wie gesagt aus der Sicht des Hundes, was nicht immer ganz funktioniert, nicht immer funktionieren kann, wenn Harold Dinge versteht, die Hunden nun mal unverständlich sind. Aber sei es drum, das stört nicht an der Geschichte. Der Schreibstil ist auch ansprechend, nicht überragend, aber fließend und gut lesbar. An manchen Stellen wurde mir die Geschichte dann aber eben doch ein wenig zu tränenselig, zu sentimental, um nicht zu sagen zu kitschig. Die Heroisierung der Verstorbenen kennt man aus vielen solcher Bücher, was das Ganze nicht besser, nicht glaubwürdiger macht. Die Verwicklungen, die sich ergeben, sind manches Mal doch arg konstruiert, die Gefühle manchmal ein bisschen dick aufgetragen

Lichtblick in der Geschichte ist das Mädchen Amelia Mae, das sich mit Harold unterhält und immer wieder für lustige und temperamentvolle Szenen sorgt.

Fazit: Ein Wohlfühlbuch, unterhaltsam, herzbewegend, das aber dennoch wohl nicht länger im Gedächtnis bleiben wird.

Camille Pagán – Harold und der Buchhändler
Originaltitel: Dog Person
aus dem Englischen von Katharina Naumann
Rowohlt Wunderlich, Juni 2026
Gebundene Ausgabe, 348 Seiten, 22,00 €

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