Tracey Rose Peyton – Um uns nur Dunkelheit

⭐⭐⭐⭐⭐

Packender Roman um ein schreckliches Kapitel der amerikanischen Geschichte – ungewöhnlich erzählt

Was für ein nachhallender Roman, was für eindringliche Figuren und welch ein interessanter Erzählstil. Dieses Buch bleibt in Erinnerung, es erschüttert, macht wütend und sehr, sehr traurig.

Im Mittelpunkt stehen sechs Frauen, Sklavinnen auf einer Baumwollfarm in Texas im Jahr 1852.

Serah, Alice, Junie, Patience, Nan und Lulu, die in elenden Hütten wohnen, kaum mehr als das, was sie am Leib tragen als Besitz haben dürfen, die bei größter Hitze, Sturm oder Kälte im Baumwollfeld oder wie Nan im Haus arbeiten müssen. Dass niemand auf ihre Gefühle und Befindlichkeiten Rücksicht nimmt, muss da kaum erwähnt werden. Sklav:innen werden gekauft und verkauft wie Möbelstücke, Kindern von ihren Eltern, Mütter von ihren Kindern, Frauen von ihren Männern getrennt, sehen diese vielleicht niemals wieder, wissen nichts über ihr Schicksal.

Unter diesen Umständen haben die Frauen nur sich selbst, mehr Sklaven gibt es nicht auf der Farm. Sie halten weitestgehend zusammen, helfen einander, gehen zu geheimen Treffen mit den Sklaven anderer Farmen.

Ihren Besitzern, den Luzis (Abkürzung für Luzifer, denn für die armen Frauen sind diese Menschen die Teufel), wachsen inzwischen die Schulden über den Kopf. Einziger wertvoller Besitz sind Sklaven, möglichst viele davon und diese möglichst billig erwerben. Der billigste Weg zu neuen Sklaven ist die Geburt von Sklavenkindern. Also holt Harlow, der Besitzer, männliche Sklaven, um den Frauen Kinder zu machen. Doch diese wehren sich, verweigern sich, finden Mittel und Weg, Schwangerschaften zu verhindern.

Schließlich werden zwei von ihnen zu Ehen gezwungen, werden den Männern ausgeliefert, Weigerung ist unmöglich. Dass Serah mittlerweile einen ganz anderen Mann liebt, sich heimlich mit ihm trifft, bleibt lange verborgen. Doch das Schicksal ist nahezu vorherbestimmt.

Mehr hier aus dem Inhalt zu verraten, hieße zu spoilern. Der Roman entwickelt einen unglaublichen Sog, eine ungeheure Spannung. Er ist sehr emotional und gleichzeitig auf eine gewisse Art auch spröde, fast abgeklärt erzählt.

Der Erzählstil ist ungewöhnlich, Erzählstimme ist ein „Wir“, ohne dass dies genauer definiert wird. Gleichzeitig wird aber auch aus den Perspektiven aller sechs Frauen erzählt, so dass man nicht festmachen kann, wer sich hinter dem „Wir“ verbirgt. Es braucht etwas Gewöhnung, bis man in diese Erzählweise hineinfindet, erstaunlicherweise führt sie aber dennoch sehr nah an die Frauen heran. Man spürt ihre Angst, ihre Verzweiflung, ihre Mutlosigkeit. Und gleichzeitig ihre Entschlossenheit, die Hoffnung nicht aufzugeben, den Glauben an ihre Zukunft, an ein besseres Leben.

Der Roman ist sehr berührend, ohne je weinerlich, kitschig oder gar schwülstig zu werden. Er fordert Bewunderung für solche Frauen, die all das seinerzeit ertragen haben, ertragen mussten. Er macht wütend, gerade auch heutzutage, wo es in den USA Bestrebungen gibt, die Geschichte der Sklaverei totzuschweigen.

Eine unbedingte Leseempfehlung für diesen besonderen Roman.

Tracey Rose Peyton – Um uns nur Dunkelheit
Originaltitel: Night Wherever we go
aus dem Amerikanischen von Agnes Krup
Aufbau, Mai 2026
Gebundene Ausgabe, 400 Seiten, 25,00 €

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