Christiane Wünsche – Wir sehen uns zu Hause

Ein ungeplanter Road-Trip soll es richten. Anne hat gerade ihren Mann Peter verloren. Ganz plötzlich erlag er einem Herzinfarkt, kurz bevor sie zusammen mit ihrem Wohnmobil nach Skandinavien reisen wollten.

Anne, die Protagonistin dieses neuen Romans der Bestsellerautorin aus dem Rheinland, trauert sehr um den geliebten Mann. Um dem leeren Haus zu entfliehen, fährt sie schließlich allein los. Doch statt nach Schweden und Dänemark zu fahren, bleibt sie erst auf Rügen hängen, um dann von dort weitere Stationen in den sogenannten neuen Bundesländern anzusteuern.

Grund dafür ist die Vergangenheit ihres in der DDR aufgewachsenen Mannes, die ihr bislang verborgen blieb – und das, obschon sie fast dreißig Jahre verheiratet waren. Kennengelernt hatten sie sich in Berlin am Abend der Grenzöffnung 1989.

Auf der Reise deckt Anne immer mehr von dem auf, was ihr Peter in all den Jahren verschwiegen hat. Parallel entdeckt auch Alina, ihre Tochter, die Geheimnisse des Vaters, während sie selbst sich eher mit ihrer eigenen Zukunft beschäftigt.

Der Roman ist zu schmalzig, zu rührselig geraten, um mir zu gefallen. Leider, denn ich hatte mich auf eine interessante Lektüre gefreut, da die bisherigen Romane von Christiane Wünsche – die ich nicht gelesen habe – doch so erfolgreich waren. Aber die Geschichte von Anne ist mir zu tränenreich und kitschig, außerdem sehr vorhersehbar. Als nämlich (leider) eine weitere Perspektive neben der von Anne und Alina eingeführt wird, kann man sich sehr schnell denken, um wen es sich dabei handelt.

Darüber hinaus bedient die Autorin nahezu jedes verfügbare Klischee – ganz extrem der Nazi mit scharfem Hund, der seine Frau unterdrückt – und dann insbesondere auch im Hinblick auf das Verhältnis der sogenannte Ossis zu den Wessis. Dafür, dass Anne keine junge Frau mehr ist, sondern die gesamte Zeit nach der Wende miterlebt hat, ist sie (und nicht nur in dieser Hinsicht) sehr naiv, kennt sie geradezu gar nichts aus der ehemaligen DDR. Das erscheint mir dann doch zu aufgesetzt, zu unrealistisch, selbst für jemanden, der ganz im Westen der BRD gelebt hat.

Alles in allem eine arge Schmonzette ohne Tiefgang. Die Beschreibungen sind plakativ, die Dialoge trivial. Auch für die Figuren konnte ich keine Empathie entwickeln, auch wenn sie trotz ihrer Schablonenhaftigkeit durchaus sympathisch gezeichnet sind.

Christiane Wünsche – Wir sehen uns zu Hause
Krüger, Juli 2022
Klappenbroschur, 413 Seiten, 16,00 €

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