Olaf Müller – Rommels Gold

Es gibt Frauenbücher und es gibt Männerbücher. Und solche, die quasi neutral sind. Zu letzterem gehören vermutlich auch Kriminalromane. Der neue Roman von Olaf Müller allerdings ist in meinen Augen ein hundertprozentiger Männerroman. Und das nicht nur, weil fast ausschließlich Männer auftreten – von der weiblichen Ermittlerin im Team mal abgesehen – sondern auch, weil es ein Roman mit vielen historischen Rückblicken auf die Zeit des Zweiten Weltkriegs ist. Und dort treten nun mal naturbedingt vor allem Männer in Erscheinung.

Aber auch die Handlung und die Sprache, die der Autor verwendet und seinen Figuren in den Mund legt, ist – jedenfalls empfinde ich es so – sehr männlich geprägt. Das ist ja erstmal nichts negatives, sondern eine wertfreie Feststellung. Die aber vielleicht erklärt, warum der Krimi mich nicht so wirklich erreicht hat.

Es beginnt mit Ermittlungen zu einem Mord in Aachen, bei denen Kommissar Fett und seine Kollegin Conti, die aus den vorigen Bänden der Reihe bekannt sind, immer tiefer in eine Geschichte eindringen, die ihren Anfang in den Vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts nahm. Als nämlich während des Zweiten Weltkriegs angeblich wertvolle Schätze verschwanden, nach welchen in der heutigen Zeit diverse mehr oder weniger schurkische Leute suchen.

Verschiedene Gruppen, darunter Mafia oder polnische Verbrecher, begeben sich auf die Spur der Schatzkisten, hinterlassen dabei eine Reihe von Leichen. Erzählt wird die ganze Geschichte in vielen, ineinander verschachtelten Rückblicken, die es mir auch ein wenig schwer machten, dem Handlungsverlauf zu folgen. Denn es dauert ziemlich lange, bis man nach vielen Seiten der historischen Belehrung wieder in die Gegenwart zurückkehrt und den Recherchen von Fett und Conti folgt. Dabei verliert man auch schon mal den Faden, muss zurückblättern.

Erschwert wird es zusätzlich durch das ausgesprochen umfangreiche Personaltableau, dessen Figuren darüber hinaus auch noch diverse Spitznamen haben, was die Zuordnung an mancher Stelle recht mühsam macht.

Vielleich sind es all diese Zutaten, die für mich im Roman keine Spannung aufkommen ließen. Es gab keine Figur, mit der ich mitfühlen, mitfiebern konnte, keine Person, die ich klar als Protagonisten identifizieren konnte. Vielleicht war es mir aber einfach auch ein rundherum zu männliches Thema.

Auf einer Lesung des Autors aus dem vorliegenden Buch konnte ich erfahren, wie umfangreich seine Recherchen waren. Das erkennt man unschwer an den vielen Details, die in den Roman Eingang fanden. Das ist zwar sehr informativ, bremst aber die Handlung und die eh schon kaum vorhandene Spannung ziemlich aus.

Alles in allem ein gut fundierter historischer Krimi, der mir aber lange nicht so gut gefiel wie der Vorgängerband aus der Reihe um die beiden Aachener Ermittler.

Olaf Müller – Rommels Gold
gmeiner, März 2022
Taschenbuch, 279 Seiten, 13,00 €


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