Sophie Cousens – Unsere Zeit ist immer

Manchmal scheint es mir, als wäre es eine besondere Gabe der britischen Autorinnen. Ob es sich um schottische, irische oder englische Schriftstellerinnen handelt, sie können es einfach: zu Herzen gehende, unterhaltsame, einfühlsame Liebesromane schreiben. Romane mit genau der richtigen Mischung aus Schmalz und Salz, aus Herz und Humor.

So eben auch Sophie Cousens, von der ich bislang noch kein Buch gelesen hatte, die aber nun in mir einen neuen Fan gewonnen hat. Ihr Stil erinnert mich sehr an die Bücher von Mhairi Mcfarlane, die ich so liebe.

Die Geschichte, die sie in ihrem Roman erzählt, beruht auf einem absurden Zufall: Am 1. Januar 1990 werden in einem Londoner Krankenhaus zwei Kinder geboren, im Abstand von wenigen Minuten, um nicht zu sagen Sekunden. Problem dabei: nur das Erstgeborene bekam den damals von einer Zeitung ausgeschriebenen Gewinn von fünfzigtausend Pfund.

Nun begab es sich, dass Molly diesen Gewinn eben leider um Minutenbruchteile verpasste. Diese hohe Geldbetrag ging stattdessen an das Baby Quinn. Für Molly und vor allem auch für ihre Mutter ergab sich aus diesem Ereignis ein Fluch. Alles Glück sollte künftig an Quinn gehen und Molly würde leer ausgehen. Noch schlimmer: immer an ihrem Geburtstag drohte ihr ein Pech nach dem anderen.

Daher geht sie auch nur sehr widerstrebend zu einer Silvesterparty am 31.12.2019, dem Vorabend ihres dreißigsten Geburtstags. Und tatsächlich geschieht etwas völlig Absurdes, bei dem sich Molly erstmal sicher ist, dass es sich für sie wieder als Pech herausstellen wird: Sie begegnet ihrem „Zwilling“, sie trifft Quinn auf ebendieser Party.

Die sich daraus ergebende Handlung und Liebesgeschichte ist natürlich komplett vorhersehbar. Trotzdem macht die Lektüre einen Heidenspaß. Wie Molly von einer Klemme in die nächste gerät, wie ihre Eltern mit ihr umgehen, zu ihr halten, wie sie selbst auf Quinn reagiert, dem sie natürlich immer wieder begegnet, das liest sich spannend, witzig, berührend.

Sophie Cousens hat sich viel Mühe mit ihren Figuren gegeben, auch die Nebenfiguren, wie die Menschen, die Molly in ihrem Laden helfen oder ihre Kunden, sind herrlich ausgearbeitet, skurril, liebenswert, mit Ecken und Kanten. Geschickt vermeidet sie Klischees – wenn man von der zugrunde liegenden Liebesgeschichte einmal absieht – und verwebt viele einzelne Handlungsstränge zu einer herzerwärmenden Story. Genau die richtige Lektüre für faule Lesetage.

Eine klare Leseempfehlung für Liebhaberinnen von unterhaltsamen Liebesgeschichten.

Sophie Cousens – Unsere Zeit ist immer
aus dem Englischen von Babette Schröder
Penguin, November 2021
Klappenbroschur, 494 Seiten, 11,00 €

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