Julie Buxbaum – What to say next: Vielleicht genügt ein Wort

Ein Young-Adult-Roman, der das Herz berührt, mit leisem Humor, tragischen Momenten und wunderbaren Figuren. Der amerikanischen Autorin gelingt das Kunststück, die perfekte Balance zwischen Witz und Drama zu halten.

Kit hat gerade ihren Vater verloren, er starb bei einem Autounfall. Dies trennt sie von ihren Freundinnen, von all dem alltäglichen Kleinkram, der Jugendliche in ihrem Alter beschäftigt und der ihr bisher so wichtig war. Doch jetzt, gegenüber diesem irrsinnig großen Verlust, wirkt alles andere belanglos. Da sie ihre Gefühle ihren Freundinnen aber nicht erklären kann und will, geht sie auf Abstand. Das führt sie zu David.

Er ist der Außenseiter in der Schule, der Freak, der, den alle verachten, mobben. David, der mit Asperger-Syndrom leben muss, bewundert Kit, denn sie ist, in seinen Augen, die Schönste der ganzen Schule. Daher bringt es ihn völlig aus der Fassung, als sie sich eines Tages beim Mittagessen an seinen Tisch setzt.

Doch seine Art, mit Menschen zu reden, seine Ehrlichkeit, seine Direktheit, sind genau das, was Kit jetzt braucht. Und so finden die beiden jungen Menschen immer mehr zusammen. Aber natürlich hat das Schicksal, hier in Person der gehässigen Mitschüler, den Beiden noch einige Steine in den Weg zu legen. Vor allem aber, und das ist ein ganz enormer Twist in dem anrührenden und spannenden Roman, ergeben sich dramatische Erkenntnisse hinsichtlich des Unfalls, bei dem Kits Vater ums Leben kam sowie erschütternde Enthüllungen innerhalb von Kits Familie.

Wieder einmal sind es vor allem die mit sicherer, aber zarter Feder gezeichneten Figuren, die diesen Roman tragen. Die Autorin findet zu Herzen gehende Bilder und Dialoge, um Kits Trauer in Worte zu fassen. Die Sprachlosigkeit zwischen Kit und ihrer Mutter in ihrer Trauer, die Unfähigkeit, das Entsetzliche, den Tod des Vaters bzw. Mannes aussprechen zu können, all das schildert Julie Buxbaum gefühlvoll, ohne rührselig zu werden.

Und vor allem die aus Davids Perspektive geschriebenen Szenen sind eine herrliche Mischung aus Schrulligkeit, glasklarer Analyse seiner Umgebung und selbstkritischer Eigenbetrachtungen. Davids Idol ist seine große Schwester Lauren, die er nur Meini nennt. Mit ihr bespricht er alles, bei ihr holt er sich Rat für alle Lebensfragen. Doch er beobachtet auch genau und erkennt Dinge über seine Mitmenschen, die diesen selbst oft verborgen bleiben.

Ein vielleicht ein wenig kitschiger, aber warmherziger Roman über das Erwachsenwerden, über die Bewältigung von Trauer und Schuld und über Mitmenschlichkeit.

Julie Buxbaum – What to say next: Vielleicht genügt ein Wort
aus dem amerikanischen Englisch von Anja Malich
One, August 2021
Paperback, 365 Seiten, 12,90 €

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.