Nicolas Barreau – Die Zeit der Kirschen

Dieser Roman ist wirklich nur etwas für ausgeprägte und unerschütterliche Romantikerinnen. Was, das möchte ich betonen, nichts Schlechtes ist und keine negative Aussage über das Buch. Besonders, da mir der erste Teil der Geschichte um Aurélie und André, der vor einigen Jahren unter dem Titel „Das Lächeln der Frauen“ erschien, ausnehmend gut gefiel. Nur leider erreicht dieser Teil nicht die Leichtfüßigkeit, die Romantik und den Humor des Vorgängerbuchs.

Nicolas Barreau ist (gerüchteweise) das Pseudonym einer deutschen Mitarbeiterin eines namhaften deutschen Verlags, was durch die Tatsache bestätigt zu sein scheint, dass in den Büchern dieses Autors weder ein französischer Originaltitel noch Übersetzer:innen angeben sind. Im ersten Teil der Geschichte verliebten sich die Köchin Aurélie und der Lektor und Autor André und wurden nach einigen Verwicklungen ein glückliches Paar. Nun soll die Geschichte weitergehen, also müssen neue Komplikationen ersonnen werden. Diese sind jedoch meiner Meinung nach ziemlich an den Haaren herbeigezogen.

So beginnt es damit, dass Aurélies Restaurant, das den Namen ‚Le Temps des Cerises‘ trägt (zu Deutsch: die Zeit der Kirschen) irrtümlich einen Michelin-Stern zuerkannt bekommt. Eigentlich bestimmt – und dieses Missverständnis klärt sich sehr rasch auf – war die Auszeichnung für ein gleichnamiges Restaurant in der Bretagne. Dessen Koch und Inhaber, der zuerst heftig pöbelt und Aurélie sowie ihre Kochkünste übelst beleidigt, erweist sich schnell als gutaussehender, charmanter Mann, der noch dazu geschmeidig mit ihr flirtet. Dies natürlich sehr zum Missfallen von André, der zu viele Gespenster sieht, von einem Fettnapf in die nächste Peinlichkeit hüpft und das, wo er doch eigentlich nur auf eine Gelegenheit wartet, seiner Liebsten endlich einen Heiratsantrag zu machen.

All die Zufälle, Missgeschicke und Verwirrungen, die den Roman auf zu vielen Seiten füllen, sind mir dann doch etwas zu plump, zu unrealistisch und zu sehr konstruiert. Die Dialoge sind herzig, aber schlicht und voller Phrasen, der gesamte Plot sehr einfach gestrickt. Dazu sind für meinen Geschmack zu viele französische Spracheinsprengsel im Text, was eher aufdringlich und aufgesetzt  wirkt als das es den typisch französischen Charme transportieren würde.

Dennoch verschlingt man, insbesondere wenn man solche Romantikkomödien mag, den Roman, denn die beiden Hauptfiguren sind ausgesprochen sympathische, unkomplizierte Charaktere, wenn auch aus vielen anderen Romanen dieses Genres gut bekannt, und man wünscht ihnen Glück bei ihren Unternehmungen.

Insgesamt ein anspruchsloser, etwas seichter, aber netter Roman für zwischendurch.

Nicolas Barreau – Die Zeit der Kirschen
Kindler Verlag, August 2021
Gebundene Ausgabe, 405 Seiten, 22,00 €


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