Nina Bach – Stadt, Land, Mann

Seicht, aber süffig – so könnte man diesen flotten Liebesroman um die Freundschaft zweier junger Frauen kurz und knapp beschreiben.

Nina Bach ist das Pseudonym einer Fernseh- und Radioreporterin und deren erster Roman. In dem sie mit viel Verve, sehr humorvoll und voller Verständnis die Erlebnisse von Nathalie und Ina erzählt, zwei in Berlin lebenden Frauen Anfang Dreißig, denen ihre Freundschaft viel bedeutet.

Nathalie arbeitet bei einem Hochglanzmagazin und kommt auf diese Weise nicht nur an die neuesten Tipps hinsichtlich Schönheitspflege und Modediktaten, sondern auch an die entsprechenden Zutaten, wie Kleider, Lippenstifte und Nagellacke. Nathalie ist forsch, putzmunter und lebt in (mehr oder weniger) fester Beziehung mit Johannes, der vor allem Hühnchen sehr schmackhaft und variantenreich zubereiten kann.

Besonders geschätzt von den Leserinnen des Magazins werden Nathalies 10-Punkte-Listen, wie „10 Punkte, an denen Sie merken, dass die Liebe flöten geht“ oder „10 Punkte, warum Ihre beste Freundin wichtiger ist als jeder Mann“ und andere mehr. Diese Listen peppen auch den Roman immer wieder witzig auf – und frau sollte die eine oder andere vielleicht im Kopf behalten…

Ina ist so ziemlich das genaue Gegenteil von Nathalie. Statt Sport zu treiben, kämpft sie gegen Übergewicht, unterliegt dabei aber meist der Versuchung von Pralinen und Kuchen. Sie lebt in einer Dreierbeziehung mit den zwei Pfirsichkopfmännchen Boris und Iwan und arbeitet in der Redaktion der Zahnärztezeitschrift „Beißer“. Gerade ist ihre Beziehung in die Brüche gegangen, da verkuppelt Nathalie sie auf ihre übliche, etwas dominante Art bereits mit Nick, dem fleischgewordenen Traum aller Frauenherzen.

Als Inas Oma stirbt und ihr ein altes Gasthaus im tiefsten Schwarzwald vererbt, reist Ina aus Berlin in die Provinz. Mit dem Plan, das Haus zu verkaufen und von dem Geld sich dann eine Wohnung in Berlin zu kaufen, möglichst groß genug für sie und Nick. Der allerdings verführt derweil Nathalie, der die Knie weich werden, sobald er in ihre Nähe kommt.

Nahezu fluchtartig reist Nathalie also Ina hinterher. Hier prallen dann Nathalies großstädtische Arroganz und angebliche Abgebrühtheit auf die ungezwungene und bodenständige Herzlichkeit der Schwaben und Badener. Als dann auch noch Nick auftaucht sowie ein weiterer Mann in Inas Herz einziehen möchte, ist das Tohuwabohu perfekt, so dass Nathalie, entgegen ihrem Plan, nicht dazu kommt, Ina ihren Fehltritt mit Nick zu beichten.  

Dieser Roman hat alle nötigen Zutaten zu einer herrlich turbulenten Liebeskomödie und das ist er auch. Er hat zwar nicht mehr Tiefgang als eine Ackerfurche, dafür aber ein wesentlich höheres Tempo als die Berliner Verkehrsbetriebe zur Rushhour. Ich habe dieses Buch an einem sonnigen, faulen Sonntagnachmittag im Garten in einem Rutsch gelesen und es genossen, wie einen perlenden Prosecco. Eben seicht, aber süffig.

Ein Nachschlag in Form einer Fortsetzung ist bereits in Arbeit, ich freue mich schon darauf.

Nina Bach – Stadt, Land, Mann
Montlake, Mai 2021
Taschenbuch 245 Seiten, 9,99 €

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