Jemma Wayne – Der silberne Elefant

Um drei ganz unterschiedliche Frauen geht es in diesem Debütroman, der bereits einige Auszeichnungen erhalten hat. Emilienne, oder Emily, wie sie sich jetzt nennt, hat unfassbare Grausamkeiten während des Genozids in Ruanda überlebt. Vera leidet unter der vermeintlichen Schuld, die sie auf sich geladen zu haben glaubt. Und Lynn, Mitte 50 und schwer krank, hadert mit ihrem Leben, mit den verpassten Chancen.

Mich hat dieser Roman nicht erreicht, das muss ich leider sagen. Die Geschichte Emilys ist ergreifend, bringt der Leserin die grausamen Schicksale der Menschen in Ruanda in Erinnerung, das steht außer Frage. Doch die Probleme Lynns, abgesehen von ihrer Krankheit, die ihr große Schmerzen verursacht und sie beständig wütend macht, sind in meinen Augen zu schwach, um eine Romanhandlung zu tragen. Sie trauert ihrer Vergangenheit hinterher, in der sie Hausfrau und Mutter war, eine von ihr freiwillig übernommene Rolle, die sie im Rückblick jedoch verachtet.

Vera ist verlobt mit Lynns ältestem Sohn, einem bigotten und verklemmten jungen Mann, der Sex vor der Ehe verurteilt und von Vera verlangt, dass sie seine kranke Mutter betreut. Die im Übrigen Vera von Herzen verabscheut. Vera glaubt, schwere Schuld auf sich geladen zu haben, indem sie ein Kind aus einer früheren Beziehung ausgesetzt hatte, von dem sie annimmt, es wäre gestorben. Der Vater des Kindes ist das ganze Gegenteil ihres Verlobten und sie kommt in schwere Gewissenskonflikte.

All diese Schicksale könnten ergreifend sein, berührend und die Handlung könnte spannend sein. Nur gelingt es der Autorin nicht, mich zu fesseln. Alles bleibt irgendwie oberflächlich – mal abgesehen von den Schilderungen von Emilys Leid in Ruanda. Das liegt meines Erachtens daran, dass die Autorin die wichtigste Regel des kreativen Schreibens missachtet: Show, don’t tell. Jemma Wayne erzählt, aber sie zeigt uns nichts, sie zeigt uns nicht die Gefühle der Frauen, nicht die Zweifel und die Zerrissenheit. Sie erzählt davon in vielen Worten, die aber zu distanziert bleiben, zu beobachtend. Ich bin als Leserin nicht mittendrin, die Autorin lässt mich von außen zusehen.

Die Geschichte Emilys wäre allein einen Roman für sich wert gewesen, dann hätte auch sie eine größere Wirkung entfalten können. Schade.

Jemma Wayne – Der silberne Elefant
aus dem Englischen von Ursula C. Sturm
Eisele, März 2021
Gebundene Ausgabe, 429 Seiten, 24,00 €

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