Jutta Mehler – Mord mit Puderzucker

Ein herziger, unterhaltsamer Krimi für ein verregnetes Wochenende – ausreichend spannend und abwechslungsreich, wenn auch ohne größeren Tiefgang.

Die drei betagten Hobbydetektivinnen Thekla, Hilde und Wally entdecken im Nationalpark Bayrischer Wald einen Toten im Tannenbaum. Dummerweise stellt sich heraus, dass der Tote der neue Lebensgefährte von Wallys Tochter Christina ist. Nicht nur aus diesem Grund, sondern auch, weil die Damen grundsätzlich gerne Kriminalfälle lösen – siehe diverse Vorgängerbände der Autorin – starten die Drei ihre Nachforschungen. Schnell ergeben sich mehrere Verdächtige, zu Wallys Entsetzen darunter einige ihrer Familienmitglieder. Vor allem nachdem die Damen das Testament des Verstorbenen finden, ergeben sich für etliche Beteiligte durchaus schlüssige Mordmotive.

Zwischen Nationalparkrangern, ehemaligen und aktuellen Geliebten oder solchen, die es werden wollten, sowie höchst wütenden Schwiegervätern und -söhnen ermitteln die Hobbydetektivinnen mit feinem Spürsinn. Dabei treten sie auch gerne mal in das eine oder andere Fettnäpfchen und bringen sich schließlich selbst in höchste Gefahr.

Wieder einmal verwundert es mich, wieso jeder in den Mord Verwickelte drei alten Frauen, die ohne Legitimation allen nach eigenem Ermessen die intimsten Fragen stellen, ihnen jederzeit bereitwillig Auskunft gibt. Ohne das würde natürlich ein solcher Kriminalroman nicht funktionieren, unrealistisch bleibt es meiner Meinung nach dennoch.

Trotzdem hat mir der Krimi von Jutta Mehler gut gefallen, er unterhält und ist ausgesprochen kurzweilig, wenn auch nicht ganz so humorvoll, wie der Titel erwarten lässt (dessen Bezug zum Inhalt sich mir allerdings nicht erschloss). Besonders imponiert hat mir bei der Lektüre die gekonnte Charakterisierung der drei Protagonistinnen, die so unterschiedlich gestrickt sind. Eine lenkt, eine denkt und eine folgt oder mit anderen Worten: Hilde ist die impulsive, energische, Thekla die abwägend-nachdenkliche und Wally die überängstliche, ohne große Eigeninitiative stets den anderen folgende. Dabei wird die Handlung wechselweise aus der Sicht einer der Drei erzählt. Und auch die Nebenfiguren sind prägnant gezeichnet und mit ihren Schrullen und Eigenheiten voll aus dem Leben gegriffen.

Ein leichtfüßiger, flott lesbarer Heimatkrimi mit sympathischen Hauptfiguren.

Jutta Mehler – Mord mit Puderzucker
emons, Januar 2021
Taschenbuch, 252 Seiten, 12,00 €

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