Gordon Tyrie: Schottensterben

Eine skurrile Geschichte mit skurrilem Personal in skurrilem Setting. Doch leider verpufft das Potenzial, das darin steckt.

Gordon Tyrie ist das Pseudonym eines deutschen Krimiautors, der seine Liebe zu Schottland in seinen Romanen zum Ausdruck bringt. Das gelingt ihm in den Landschaftsbeschreibungen auch sehr gut, die Leserin bekommt durchaus ein Gefühl für die herbe, manchmal wenig einladende Landschaft auf den Hebriden. 

In einer stürmischen Nacht wird auf der kleinen Insel Gigha eine Leiche angespült. Von den wenigen Bewohnern der Insel werden einige in die Angelegenheit verwickelt, teils freiwillig, meistens aber eher unfreiwillig. Da sind die beiden Frauen Val und Phyllis, Zwillinge Ende Vierzig, die jede auf ihre Weise mit ihren Erinnerungen zu kämpfen hat. Da ist Nicol, der einzige auf der Insel lebende Nicht-Schotte, der immer barfuß läuft und davon träumt, sich ein Boot zu bauen. Da sind der Briefträger Craig, der heimlich Briefe schreibt und der geheimnisvolle Hynch, der von seinem verborgenen Unterstand aus den Leichenfund beobachtet. Und da ist die Kuh Thin Lizzy, die ihren ganz eigenen Blick auf die Welt hat.

Mit der am Strand aufgetauchten Leiche haben sie alle so ihre Probleme, was unter anderem zu dem immer wieder vereitelten Versuch führt, die Leiche irgendwo verschwinden zu lassen. Erst nach und nach klärt sich auf, wer der Tote ist, wie er ums Leben kam und schließlich findet sich auch die Lösung für ihrer aller Probleme.

Also eigentlich bietet der Roman alle Voraussetzungen für eine wirklich witzige und absurde Story. Zu Beginn erinnerte er mich ein wenig an den Hitchcock-Film „Immer Ärger mit Harry“ und meine Erwartungen stiegen. Aber durch nach meinem Empfinden zu lange Erzählstränge, zu viel unwichtige Background-Information und zu aufgesetzt wirkenden Humor wird diese Erwartung enttäuscht. Besonders quälend empfand ich den Humor, wenn die Geschichte aus der Perspektive von Thin Lizzy, dem eigenwilligen Hochlandrind, erzählt wird. Hier vergaloppiert sich der Autor meiner Meinung nach und dadurch wird der beabsichtigte Witz, z.B. wenn sich die Kuh in den barfüßigen Nicol verliebt, schlicht albern. Auch weil es Tyrie nicht gelingt, sich wirklich in ein Tier hineinzuversetzen und er sprachlich zu sehr „menschlich“ bleibt.

Spannung entsteht, obwohl das Buch als Krimi bezeichnet wird, leider auch nicht, der immer wieder eher schwerfällig Humor lässt dazu keinen Raum. Trotz ihrer durchaus liebenswerten Eigenheiten bleibt man als Leserin seltsam distanziert zu den Figuren und die mühsam hineingezwängten Liebesgeschichten machen das Ganze noch unglaubwürdiger.

Trotz allem schon ein ganz nettes Buch, das aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen wird.

Gordon Tyrie: Schottensterben
Droemer, Mai 2020
Paperback, 365 Seiten, 14,99 €

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