Kreativität ist, wenn einem bei dem, was einem auffällt, etwas einfällt.
Gerhard Uhlenbruck
 

Louis-Philippe Dalembert – Die blaue Mauer

Rezension, 7. April 2021

Es ist ein bekanntes Phänomen, dass Katastrophen oder Gräueltaten großen Ausmaßes für diejenigen, die davon nicht betroffen sind, nur sehr abstrakt bleiben, wenn man die schieren Opferzahlen nennt. Sobald jedoch Einzelschicksale herausgegriffen, individuelle Geschichten erzählt werden, dann sind die Zuhörer, die Leser entsetzt, schockiert, geraten in Wut oder trauern.

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Carole Fives – Kleine Fluchten

Rezension, 5. April 2021

Es sind tatsächlich kleine, anfangs winzige Fluchten, die sich die Protagonistin des kurzen Romans der französischen Autorin gönnt. Diese junge Frau ist eine alleinerziehende Mutter, ihr Sohn ist gerade einmal zwei Jahre alt. Noch hat sie keinen Krippenplatz für ihn gefunden, sie muss von zu Hause arbeiten, sie ist Graphikerin. Immer wieder verliert sie Aufträge, weil sie des Kindes wegen Termine nicht einhalten kann. Der Kleine ist anstrengend, er verlangt Aufmerksamkeit, Zuwendung. Ständig ruft er nach der Mutter, ruft „Zu mir, zu mir.“

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Angelika Overath – Nahe Tage

Rezension, 3. April 2021

Angelika Overath hat mit diesem Buch im Jahr 2005 ihr Debüt vorgelegt. Der btb-Verlag hat den Roman jetzt als Taschenbuch neu herausgebracht. Die in Karlsruhe geborene Autorin, die für diesen und andere Romane für diverse Buchpreise nominiert wurde, erzählt hier die Geschichte einer Nacht.
Johanna, Anfang 40, unverheiratet und kinderlos, steht im Krankenhaus am Bett ihrer soeben verstorbenen Mutter. Schließlich kehrt sie für eine Nacht in deren Wohnung zurück.

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Richard Wagamese – Der gefrorene Himmel

Rezension, 1. April 2021

Beim Lesen dieses Romans habe ich gefroren. Nicht weil bei mir zu Hause die Heizung ausgefallen wäre, und auch nicht, weil der Roman sich intensiv mit Eishockey beschäftigt. Sondern weil die Welt des Protagonisten Saul Indian Horse, weil die Atmosphäre im gesamten Roman so kalt, so fast ohne jede Wärme ist. Dabei ist der Protagonist ein liebenswerter und bemitleidenswerter Mensch, der an dem, was ihm als Kind und Jugendlichem angetan wurde, beinahe zerbricht.

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Benedict Wells – Hard Land

Rezension, 30. März 2021

Er kann einfach gut schreiben, dieser Benedict Wells. Von seinem vor etwa 10 Jahren erschienenen Roman „Fast genial“ bin ich heute noch begeistert. Dieser Roman drehte sich, genau wie der vorliegende, um einen heranwachsenden Jugendlichen.

Der 15-jährige Sam lebt in der fiktiven Kleinstadt Grady in Missouri. Wichtigster Sohn der Stadt ist der Autor des Gedichtbandes „Hard Land“, titelgebend für Wells‘ Roman. Wir schreiben das Jahr 1985.

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Romalyn Tilghman – Die Bücherfrauen

Rezension, 27. März 2021

Den Unterschied zwischen Erwartung und Realität nennt man Enttäuschung. Und hinsichtlich dieses Romans wurde meine Erwartung leider nicht erfüllt.

Erzählt wird die Geschichte einer Kleinstadt in Kansas. Oder ist es die Geschichte von Angelina, die ihre Dissertation über die Bibliothek der Stadt schreiben will? Oder ist es die Geschichte von Traci, der Künstlerin, die für ein Jahr nach New Hope kommt, um dort Kunstprojekte zu realisieren und die Frauen und Jugendlichen der Stadt künstlerisch anzuleiten? Oder welche Geschichte erzählt uns die Autorin?

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Erika Swyler – Der Tag, an dem mein Vater die Zeit anhielt

Rezension, 25. März 2021

Bei der Lektüre dieses Romans war ich oft zwischen Lachen und Weinen hin und her gerissen. Und habe mir die Frage gestellt, wie ein Buch so schön sein kann, wenn man gleichzeitig nicht einmal die Hälfte von dem versteht, was geschieht?
Die mit Mann und Kaninchen auf Long Island lebende Autorin erzählt in ihrem sensiblen und trotzdem hochspannenden Roman die Geschichte von Nedda.

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Mirna Funk – Zwischen Du und Ich

Rezension, 23. März 2021

Das ist wieder einmal so ein Roman, bei dem es schwerfällt, sich ein eindeutiges Urteil zu bilden. Das Thema, dessen sich die in Ost-Berlin geborene Autorin annimmt, ist interessant und kann nicht oft genug angesprochen werden. Der Stil ist modern, rasant, brachial, aber auch verstörend, nicht einfach zu lesen. Die Figuren sind es aber vor allem, die diesen Roman zu einer schwer verdaulichen Lektüre machen.

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Michael Macht – Hunger, Frust und Schokolade: Die Psychologie des Essens

Rezension, 20. März 2021

Ein besseres Timing für das Erscheinen dieses Sachbuchs hätte man sich kaum ausdenken können. Jetzt, während der Pandemie, wo wir alle unserem Frust mit Essen begegnen und dadurch mehr zunehmen als gut für uns ist, hilft diese Analyse unseres Essverhaltens.

Michael Macht, Psychotherapeut und Professor für Psychologie an der Universität Würzburg, legt hier sein erstes populärwissenschaftliches Buch vor. Und das ist ihm, meiner Meinung nach, durchaus gelungen.

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Pascal Engman – Rattenkönig

Rezension, 18. März 2021

Um es gleich vorweg zu nehmen: der Roman hat mich enttäuscht. Weder fand ich Zugang zur Handlung noch konnte ich mich für den Stil des Autors erwärmen.

Vorrangiges Thema soll die Gefahr durch sogenannte „Incels“ sein. Incel steht für Männer, die angeblich ungewollt Single sind, die sich von Frauen verachtet, abgelehnt fühlen. Dieses Gefühl kompensieren sie durch extreme Gewalt gegen Frauen, oft in Gruppen, oft durch Vergewaltigung, Folter, ja sogar Mord.

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Sabine Friedrich – Was sich lohnt

Rezension, 16. März 2021

Wie soll man ein Buch rezensieren, das sich mit historischen Figuren und historischen Ereignissen befasst, auch wenn es vordergründig als Roman erscheint? Noch schwieriger wird es, wenn es sich bei den Ereignissen um den Widerstand gegen die Nationalsozialisten in den 30er und 40 Jahren des letzten Jahrhunderts handelt. Denn die Handlung entzieht sich von vornherein einer Bewertung. Bleibt also, den Stil der Autorin zu betrachten.

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Was hinter dem Vorhang geschieht

Blog, 13. März 2021

Was machen deine Figuren, wenn sie nicht gerade im Mittelpunkt deiner Handlung stehen? Ihr Leben läuft nämlich trotzdem weiter, auch wenn du davon gerade nicht erzählst.

Du solltest also auch immer die Hintergrundgeschehnisse im Blick behalten.

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Willem Asman – Enter: Die Wahrheit wird dich töten

Rezension, 12. März 2021

Ein furioser Action-Thriller, rasant und hochspannend, mit Schauplätzen in Amsterdam, London, New York und Miami. Geschickt konstruiert und packend geschrieben, mit einer vielschichtigen Protagonistin.

Der niederländische Autor vermischt Agentenstory mit Familiendrama und Verbrechergeschichte. In Amsterdam lebt Tyler Young mit ihrer 15-jährigen Tochter Charlie. Was Charlie nicht weiß: Tyler hat eigentlich einen ganz anderen Namen und lebt im Zeugenschutzprogramm mit einer neuen Identität. Ihrer Tochter hat sie erzählt, Charlies Vater sei tot, bei einem Brand umgekommen, zusammen mit dem Familienhund Buster. In Wahrheit hat Tyler vor Jahren gegen ihren Mann ausgesagt und musste danach untertauchen.

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Delphine de Vigan – Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin

Rezension, 10. März 2021

Ein geradezu grausames Buch, das umso wirkungsvoller ist, da diese Geschichte jedem von uns jeden Tag passieren könnte. So realitätsnah ist sie. Und so erschütternd gut ist sie geschrieben.

In die Protagonistin dieses kleinen Romans kann sich jeder, der berufstätig ist, mit Leichtigkeit einfühlen. Mathilde, früh verwitwet, lebt allein mit ihren drei Söhnen, ein Zwillingspaar und deren älterer Bruder. Sie liebt ihre Arbeit, bei der sie sich immer anerkannt fühlte und wo sie bisher erfolgreich und beliebt war. Doch das ändert sich schlagartig, ohne dass es ihr gelingt, die Ursache für diese gravierende Änderung zu ergründen.

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Natascha Keferböck – Bierbrauerblues

Rezension, 8. März 2021 ~ 2 Kommentare

Kennst du solche Bücher, die du unbedingt ganz schnell zu Ende lesen willst, weil du die Auflösung wissen möchtest? Und wenn du dann das Ende erreicht hat, bist du traurig, weil du nun die Figuren verlassen musst, die dich so gut unterhalten haben. Genau solch ein Buch ist der Krimi aus dem Salzburger Land von Natascha Keferböck. Sie erzählt uns von den Vorgängen im Dorf Koppenrieth, ein Ort, in dem jeder jeden kennt und jeder alles über jeden weiß oder zumindest zu wissen glaubt. Marie Steinhauser, eine bildhübsche und blitzgescheite junge Frau, heiratet zur Überraschung der gesamten Dorfbevölkerung den widerlichen, allseits unbeliebten und sehr unansehnlichen Brauer Max Riegler.

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Susanne Goga – Das Geheimnis der Themse

Rezension, 6. März 2021

Zu diesem historischen Roman der Mönchengladbacher Autorin gibt es einen Vorgängerband mit dem Titel „Der verbotene Fluss“, den ich leider nicht gelesen habe. Doch auch ohne diese Vorgeschichte zu kennen, kann man das neue Buch verstehen und genießen. So man denn diese Romangattung mag.

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Matt Haig – Die Mitternachtsbibliothek

Rezension, 4. März 2021

Wer kennt ihn nicht, den alten Schwarz-Weiß-Film „Ist das Leben nicht schön“ mit James Stewart, den man jedes Jahr um die Weihnachtszeit im Fernsehen anschauen kann. An diesen Film erinnert mich der neue Roman des britischen Autors Matt Haig.

Nora Seed, Mitte Dreißig, ist in ihren eigenen Augen eine komplette Versagerin. Sie verliert ihren Job, ihre Katze wird überfahren, ihre beste Freundin hat den Kontakt zu ihr abgebrochen und ihr Bruder will nichts mehr mit ihr zu tun haben. Nora beschließt, es ist Zeit, ihrem Leben ein Ende zu setzen.

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Anne Mette Hancock – Leichenblume

Rezension, 2. März 2021

Den Namen dieser Autorin werde ich mir merken. Ihr Roman, der erste und bereits mehrfach ausgezeichnete der Dänin, bricht in Dänemark und anderswo bereits Verkaufsrekorde. Und ich möchte sagen, ziemlich zu Recht.  

Heloise Kaldan, Investigativjournalistin in Kopenhagen, sitzt in der Bredouille, denn offensichtlich ist sie auf eine falsche Informationsquelle hereingefallen und hat nun heftigen Ärger mit ihrem Chefredakteur und auch im Kollegenkreis.

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Claire Cameron – Neandertal

Rezension, 27. Februar 2021

Natürlich erinnert der Roman an die berühmten Bücher von Jean M. Auel um „Ayla und den Clan der Bären“, in denen es ebenfalls um die Menschen vor Zehntausenden Jahren ging. Und doch ist das vorliegende Buch anders.

Denn Claire Cameron erzählt auf zwei weit auseinanderliegenden Zeitebenen die Geschichten von zwei völlig unterschiedlichen Frauen, die doch so vieles gemeinsam haben.

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Alma Bayer – Liebestöter

Rezension, 25. Februar 2021

„Weiberheldinnen“ – so nennt Marina Pfister ihre Agentur, in der sie Frauen zu Heldinnen coacht. Sie will Frauen, insbesondere Ehefrauen, Mut und Selbstvertrauen geben, so dass diese ihr Leben selbst in die Hand nehmen und sich nicht länger von ihren Ehemännern unterdrücken lassen. Als auf Marina ein Mordanschlag verübt wird, ergeben sich daraus selbstredend zahlreiche Verdächtige, hätten doch all die besagten Ehemänner gerne mit ihr das eine oder andere Hühnchen gerupft. Zu der Verdächtigenriege kommt noch Marinas eigener Ehemann und manch anderer mehr oder weniger berühmte Einwohner Rosenheims hinzu.

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