Sven Stricker – Sörensen geht aufs Haus

⭐⭐⭐⭐

Richtig gut geschrieben, aber weniger Krimi als Psycho- und Sozialstudie

Der zweite Sörensen-Krimi von Sven Stricker, den ich gelesen habe. Und schon wie beim letzten Band sah ich beim Lesen stets den Schauspieler Bjarne Mädel vor mir, der den Kommissar im Film verkörpert. Und hörte seine unvergleichliche Art zu sprechen in den Dialogen.

Die wieder den Hauptteil der Geschichte ausmachen, die unglaublich gut gelungen sind, aber für die Handlung, also den Kriminalfall, um den es gehen soll, oft recht wenig bedeuten.

Es ist ein cold case, der wieder aufgegriffen wird, als im Garten eines ehemaligen Schulfreundes von Sörensen, der plötzlich in Katenbüll wohnt, menschliche Knochen gefunden werden. Erst nach und nach stellt sich heraus, wessen Knochen das sind, der Verdacht aber taucht auf, es könne sich um die Leiche der vor ein paar Jahren verschwundenen Mia handeln.

Die Verwicklungen sind zahlreich, viele Beteiligte oder Unbeteiligte tragen dazu bei, dass Sörensen und Jennifer, seine Kollegin, lange im Dunkeln tappen. Zumal Sörensen nicht nur über die unverhoffte Wiederbegegnung mit seinem Schulfreund Schiefel verstört ist – die ihn immer wieder in Erinnerungen stürzt, dargestellt in langen Rückblicken -, sondern auch mit der Tatsache, dass Jennifer, seine fähige und beliebte Kollegin, mit Kündigung droht. Was Sörensen so gar nicht verkraftet, weshalb die Beiden dann auch noch ständig streiten, während sie eigentlich ermitteln sollen.

Die erwähnten Rückblicke erlauben Rückschlüsse auf die Entwicklung Sörensens von seiner Kindheit bis dahin, wo er jetzt ist, mit seiner Angststörung, seinen Problemen und seiner oft unbequemen Art, waren mir aber oft zu lang, so dass man den eigentlichen Handlungsfaden verliert.

Natürlich gelingt es Sven Stricker wieder, sowohl die bekannten Protagonisten wie auch die neu auftretenden Figuren ungemein plastisch zu schildern, mit Macken, Ecken und Kanten (wie z.B. Schiefels Nachbarn, der gerne mal auf seinem Haus sitzt). Die Dialoge sind temporeich, unglaublich witzig, mal tiefgründig, mal verschroben, aber schweifen leider eben auch immer wieder und zu oft vom Eigentlichen ab. Die Figuren reden aneinander vorbei, geraten ins Philosophieren, was die Handlung stark ausbremst, so nett sich das alles lesen lässt.

So gerät das Ganze auch etwas langatmig, wieder, wie auch schon im vorigen Band, geschieht wenig die Handlung voranbringendes, erst nach mehr als 350 von ca. 520 Seiten geht es etwas schneller voran, überschlagen sich schließlich die Ereignisse. Ein bisschen ist dann die Auflösung enttäuschend, denn Sörensen rückt da plötzlich mit Erkenntnissen heraus, an deren Erwerb man beim Lesen nicht beteiligt war. Auch Spannung gibt es kaum, das Fesselnde des Romans liegt eher in der Tiefe, im Psychogramm der Figuren.

Insgesamt ist die Lektüre natürlich wieder eine Freude aufgrund des pfeffrigen, empathischen und humorvollen Schreibstil, der Krimipart ist mir aber zu wenig ausgeprägt, geht im Ganzen zu sehr unter.

Sven Stricker – Sörensen geht aufs Haus
rororo, Februar 2026
Taschenbuch, 525 Seiten, 15,00 €  


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