Susanne Goga – Die wilden Jahre

⭐⭐⭐

Nicht wirklich fesselnde Schmonzette mit wenig überzeugender Protagonistin

Die Autorin Susanne Goga ist bekannt für ihre immer starken und überzeugenden historischen Kriminalromane aus dem Berlin der Zwanziger Jahre, mit dem beeindruckenden Ermittler Leo Wechsler. Doch sie schreibt auch historische Romane, die weniger spannend, weniger hintergründig, aber immer auch packend und interessant sind, gerne mit Frauenfiguren im Vordergrund.

Doch der neue Roman, der im Rheinland nach dem ersten Weltkrieg spielt, während der Besetzung durch die Belgier und andere, konnte mich diesmal weder fesseln noch packte mich das Thema. Zwar ist es ihr wieder gelungen, das historische Umfeld darzustellen, die politische Situation ebenso wie die sozialen Probleme. Aber die Erzählweise ist eher langatmig, die Hauptfigur, Thora (etwas merkwürdige Abkürzung von Viktoria), eine Schauspielschülerin am Theater Düsseldorf, ist mir zu mäuschenhaft, zu schüchtern beschrieben, auch für die damalige Zeit.

Worum geht es: Thoras Bruder Hannes, zu dem sie ein sehr enges Verhältnis hat, wird wegen Mordverdachts verhaftet und in Düsseldorf ins Gefängnis gesteckt. Die Eltern der Beiden, eine Fabrikantenfamilie, leben in München-Gladbach (heute Mönchengladbach) und können wegen der Besetzung nicht einfach mal eben nach Düsseldorf kommen, dazu benötigt man schwer zu bekommende Passierscheine. Also versucht Thora, gerade Anfang 20, selbst herauszufinden, was geschah, wie ihr Bruder, der eisern schweigt, in den Verdacht geraten konnte und natürlich, wer den Mord wirklich begangen hat.

Der Ermordete war offensichtlich mit Hannes bekannt, doch die Zusammenhänge erschließen sich Thora nicht auf den ersten Blick, zumal sie doch sehr naiv zu sein scheint. Unterstützung bekommt sie von einer Journalistin, die an Informationen kommt, die Thora unzugänglich sind.

Die aktuelle Handlung zieht sich lange hin, immer wieder unterbrochen von Rückblenden, mal nur ein oder zwei Seiten lang, mal auch viele Seiten lang, die komplett aus der laufenden Handlung herausreißen und oft, um nicht zu sagen meistens, gar nichts mit dem Hauptplot zu tun haben und diesen nicht voranbringen.

Hier merkt man die Liebe der Mönchengladbacher Autorin zum Schauspiel insgesamt und zum Düsseldorfer Theater im Besonderen, denn viele Seiten lang beschäftigt sich der Roman mit diesem Thema, mit der Art der Proben, mit den Schauspielschülern (worunter sich auch historische Figuren finden, nicht nur fiktive), mit dem Leben und der Struktur am Theater. Das führt aber die eigentliche Handlung nicht weiter, so interessant es für Fans dieses Themas sein mag.

Was sich schließlich irgendwann als Hannes’ Geheimnis herausstellt, kann man schon ziemlich früh ahnen, zumal es gerade en vogue ist, dieses Thema in jedem, gefühlt wirklich jedem Roman aufzugreifen.

Dazu der diesmal wirklich eher einfache Schreibstil, der den Roman zu einer Schmonzette macht, bei allem historischen Gehalt. So sehr ich Susanne Goga als Autorin schätze, dieses neue Buch konnte mich nicht überzeugen.

Susanne Goga – Die wilden Jahre
Heyne, November 2025
Taschenbuch, 445 Seiten, 13,00 €


Schau auch hier: Susanne Goga – Der Teufel von Tempelhof und weiter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert