Beate Maly – Mord im Planetarium

⭐⭐⭐

Liebenswerte Protagonisten in einem betulichen historischen Krimi aus Wien

Die heimliche Hobbydetektivin Ernestine darf wieder ermitteln. Diesmal geschieht ein heimtückischer Mord, während Ernestine, Anton und die ganze Familie einer Aufführung im Planetarium beiwohnen. Der Getötete ist Teil einer wohlhabenden, aber heftig zerstrittenen Familie.

So wittert Ernestine, die ehemalige Lehrerin und Lebensgefährtin von Apotheker Anton, gleich Unrat, zumal es vor dem Mord noch eine Handgreiflichkeit zwischen den Familienmitgliedern der reichen Sippe gab. Überhaupt finden sich innerhalb dieser Familie viele Verdächtige, waren sich alle gegenseitig gram. Und während in der Stadt schlimme Unruhen stattfinden aus Protest gegen ein Gerichtsurteil, sucht Ernestine nach Informationen, recherchiert in der Vergangenheit der Familie, horcht einzelne Personen aus und denkt sich so ihren Teil.

Derweil kämpfen Antons Tochter Heide und ihr Mann Erich, der ermittelnder Kommissar in diesem Tötungsdelikt ist, mit der Müdigkeit dank ihres nachtaktiven Säuglings. So muss Anton in der Apotheke, die eigentlich seine Tochter inzwischen führt, aushelfen, was sich aber durchaus als nützlich erweist, kommt er doch so zu weiteren Informationen für Ernestines Ermittlungen.

Trotz der wie immer sehr liebenswert geschilderten Protagonisten Ernestine, Anton und die ganze Familie, und trotz des gut konstruierten Mordfalls ist diesmal der Roman von Beate Maly eher spannungsarm, langsam und gemütlich erzählt. Mit vielen Szenen aus dem Familienleben der Protagonisten, mit zwar interessanten, aber auch ablenkenden Szenen aus dem politischen Leben in Wien im Jahr 1927, mit zahlreich auftretenden Figuren, gelingt es der Story diesmal nicht so recht zu fesseln.

Die Figuren, insbesondere die Fabrikantenfamilie, in welcher der Mord geschah, wirken steif, stereotyp, klischeehaft, mit nicht allzu scharfem Profil. Und die Hauptfigur Ernestine erscheint manches Mal ein bisschen unglaubhaft, erkennt sie doch viele Spuren, gewinnt sie viele Erkenntnisse, ohne dass sich der Leserin ihr Weg dorthin immer erschließt. Andererseits sind manche Hinweise arg überdeutlich gestreut.

Der Roman ist eine nette Lektüre, unterhaltsam, manchmal witzig, manchmal historisch informativ, aber auch eher seicht. Die Dialoge sind recht hölzern, wie aus einem Fundus aus Floskeln und Phrasen gegriffen. Die Geschichte macht einerseits Spaß, auf der anderen Seite aber fehlt es an Drama, an Tempo, an Spannung.

So ist diesmal meine Leseempfehlung eher etwas zurückhaltend.

Beate Maly – Mord im Planetarium
emons, November 2025
Taschenbuch, 254 Seiten, 16,00 €


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