
Geniale Truppe auf Mörderjagd, wenn sie nicht gerade Vögel beobachten
Hier sind es in der Tat die Hauptfiguren, die die Geschichte tragen, die den Charme des Romans ausmachen und die für Tempo, Spannung und vor allem Humor sorgen. So macht Lesen Spaß.
Wieder sind sie in einen dubiosen Mordfall verwickelt, die vier Hobby-Ornithologen Harald, 74 und ehemaliger Forensiker, Thilo, 22, Student und sehr verliebt in Emily, Sabine, 56, Mutter und Tochter und somit ständig beschäftigt und in Sorge, sowie Katja, 47, stets das passende Lateinzitat auf dem Lippen tragende Altphilologin, der jedoch oft die Worte fehlen, wenn es um ihre Gefühle geht.
In Haralds Nachbarlaube wird eine Leiche gefunden und der Besitzer der Laube gerät natürlich in Verdacht. Doch Harald wäre nicht er selbst, würde er sich nicht berufen fühlen, sich einzumischen, ist er doch von der Unschuld seines Freundes und Nachbarn überzeugt. Also muss die SOKO wieder ran, was bedeutet, alle Vier wandeln auf Ermittlerwegen.
Dabei geraten sie nicht nur immer mal wieder selbst in Gefahr, sondern auch stets mit dem hauptberuflich zuständigen Kommissar in Konflikt. Insbesondere Harald ist diesem ein Dorn im Auge und ein Nagel zu dessen Sarg, auch weil Harald so manche alterstypische Sturheit an den Tag legen kann. Doch wenn es um Computerprobleme, schnelles Handeln oder gefährliche Aktionen geht, dann muss Thilo ran, was nicht die besten Einflüsse auf den Fortschritt seines Studiums hat. Zum Glück ist auch seine Liebste Emily durchaus imstande, die SOKO zu unterstützen.
Sabine wird immer mal abgelenkt, sei es durch die schwere Krankheit ihrer Mutter oder die neue Nähe zu ihrem Ex-Mann. Katja hingegen, die sich auf ihrer Stelle bei der VHS gründlich langweilt (auch wenn ihre Kollegin Roisin stets ihr Herz in Aufruhr bringt), will sich woanders bewerben, allein es fehlt ihr der Mut für das Vorstellungsgespräch. Doch Hilfe ist in Sicht – und wie das ausgeht, das ist einer der vielen herrlichen Gags in diesem Roman.
Dieser Roman, den ich wieder verschlungen habe, der mir unglaublich viel Spaß gemacht hat und an dessen Ende es mir richtig leid tat, die vier Protagonisten zu verlassen. Diese Figuren sind so sympathisch, so alltäglich und authentisch, in ihnen kann man sich wiederfinden, in vielen Situationen kann man mit ihnen fühlen. Sabine mit ihrem Helfersyndrom, Katja mit ihrer Schüchternheit und ihren lateinischen Sprüchen, Thilo mit seiner gespielten Coolness und Harald mit seiner nicht eingestandenen Einsamkeit – alle muss man einfach mögen.
Dazu die gelungenen, lebensechten und flotten Dialoge, die herrlich komischen Situationen, in die die Protagonisten immer wieder geraten und die ebenfalls gut gezeichneten Nebenfiguren. Dabei ist das Ganze nicht allzu ernst zu nehmen, sondern einfach nur zu genießen.
Somit bleibt mir jetzt nur das Warten auf ein baldiges Wiedersehen mit den Schrägen Vögeln. Die beiden Autorinnen, die sich hinter dem Pseudonym Anna Täuber verbergen, sind hoffentlich schon fleißig am Schreiben.
Anna Täuber – Schräge Vögel: SOKO Zwergsäger
Scherz, März 2026
Taschenbuch, 336 Seiten, 17,00 €
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