
Wohlfühlgeschichte, warmherzig erzählt, wenn auch ein wenig zu heile Welt
Romane, deren Handlung sich mittelbar um Tiere dreht, sind momentan zahlreich zu finden. Was kein Nachteil sein muss, machen sie doch meist recht viel Spaß und erzählen nette und oft humorvolle Geschichten.
So auch der neue Roman von Dana Lukas, deren voriges Buch sich mit Eichhörnchen befasste. Diesmal stehen Hühner im Mittelpunkt, die eine der Protagonistinnen auf einem Dorffest gewinnt. Sehr zum Entsetzen ihrer Lebenspartnerin Janina will Ceyla die beiden sehr hübschen Tiere tatsächlich behalten und für sie im winzigen Hofanteil, den sie in dem von ihnen bewohnten Mietshaus mitbenutzen dürfen, einen komfortablen Unterschlupf bauen.
Ceyla beginnt sich immer mehr mit Hühnern und ihrer fachfraulichen Haltung zu beschäftigen, während Janina sich auf ihr Studium zu konzentrieren versucht. Die beiden Hühner, die die Namen Simone (nach Simone de Beauvoir) und Frau von Suttner erhalten, wecken schließlich auch die Neugier der anderen Hausbewohner.
Da sind zum einen die alleinerziehende Yasmin und ihr kleiner Sohn Basti, der ab sofort am liebsten „Hühner-TV“ schaut, da ist Jette, die einsame alte Dame vermisst ihre Tochter und Enkelkinder, die auf der anderen Seite des Erdballs leben. Und da ist Juri, der im Dachgeschoss wohnt, nie vor die Tür geht und jeden Kontakt zu anderen Menschen meidet.
Nach und nach, wie nicht anders zu erwarten, treten die sich bislang aus dem Weg gegangenen Mieter in Kontakt zueinander, legen ihre Zurückhaltungen auf, beginnen sich zu helfen und aneinander Anteil zu nehmen. So wird der schüchterne Basti aufgeweckter, Yasmin findet mehr Zeit für ihre berufliche Tätigkeit und Jette lernt, per Videochat mit ihrer Familie zu telefonieren, wo sie den Enkeltöchtern eifrig von den Hühnern berichtet.
Letzteres ist für mich das Unglaubwürdigste an der Geschichte, dass sich zwei halbwüchsige Mädchen in Australien derart für Hühner in Düsseldorf interessieren, also das erschien mir ein bisschen arg an den Haaren herbeigezogen. Alles andere, so sehr es eine heile Welt beschreibt, ist so charmant, temporeich und humorvoll erzählt, dass der Roman absolut viel Spaß bereitet.
Die Figuren mögen nicht besonders außergewöhnlich sein, sind jedoch mit Empathie, Verständnis und manchem Augenzwinkern dargestellt, so dass man sie einfach mögen muss.
Ein Wohlfühlroman, der ganz nebenbei auch ein bisschen Lust machen könnte, selbst in die Hühnerhaltung einzusteigen. Und Vorfreude weckt auf weitere Werke von Dana Lukas.
Dana Lukas – Ein Huhn kommt selten allein
Piper, April 2026
Taschenbuch, 345 Seiten, 13,00 €
Schau auch hier: Dana Lukas – Eichhörnchenglück