Matthias Brandt – Nein Sagen

Beeindruckende Gedankengänge über Widerstand und jene, die Widerstand leisten
Dieses Buch entstand nach einer Rede, die der bekannte Schauspieler Matthias Brandt anlässlich des Gedenktages zum 20. Juli 1944 hielt. Er wurde um diese Rede gebeten, nicht zuletzt wegen seines Vaters und seiner Mutter, die beide ebenfalls in jener Zeit im Widerstand waren.
Erst wollte er diese Rede gar nicht halten, hielt sich nicht für berufen, zu einem solchen Anlass zu sprechen. Doch, so schildert er es in diesen nachdenklich machenden Buch, dann änderte er seine Meinung, auch weil ihm bewusst wurde, dass es ganz viele Arten des Widerstands gab, damals während der Nazidiktatur. Eine Art war die, die sein Vater, der spätere Bundeskanzler Willi Brandt wählte, der aus Selbstschutz nach Norwegen emigrierte und dort seine spätere Frau Rut traf, die Mutter von Matthias, die sich ebenfalls engagierte. Beide waren dadurch auch immer, insbesondere nach der Besetzung Norwegens durch die Deutschen, in Lebensgefahr.
Und es gab andere, stille, nicht ganz so bekannte Menschen, die damals Widerstand leisteten, deren Namen nicht genannt werden, wenn jenen gedacht wird, die am 20. Juni 1944 an dem Attentat auf Hitler beteiligt waren. Politisch engagierte Menschen, die unter Einsatz ihres Lebens ihrer Überzeugung folgten, Mitglieder der SPD beispielsweise, die auch ihren Widerstand oft tatsächlich mit dem Leben bezahlen mussten, die in Konzentrationslager gesperrt und dort ermordet wurden.
Doch Matthias Brand schreibt nicht nur über die damalige Zeit und den damaligen Widerstand, wobei immer wieder in den sehr persönlichen Abschnitten des Buchs über seine Eltern auch seine Bewunderung, ja sein Stolz auf diese durchscheint. Er mahnt auch, dass Widerstand immer wichtig ist, dass gerade heute, unter der unsäglichen Wiederkehr des Rechtsextremismus und aufgrund der Erfolge der AfD, Widerstand immer wichtiger, immer nötiger wird. Dass wir heute auch aufstehen, zu unseren Überzeugungen stehen sollten, egal auf welche Weise. Egal ob öffentlich und aufsehenerregend wie die Täter des 20. Juli oder still, aber aufrecht.
Dieser Text ist wirklich eindringlich, gerade auch dank des persönlichen Aspekts, des persönlichen Involviertseins des Autors, der sich bislang eher als unpolitischen Menschen sah. Der Text macht auch deutlich, wie schwer es sein kann, denjenigen, die Widerstand leisten, gerecht zu werden, wie schwer es ist, zu wissen, wie man denn überhaupt über sie spricht.
Dabei ist der Text auch noch sehr gut geschrieben, nie abgehoben, nie belehrend, immer auf dem Boden bleibend, aber immer auch deutlich in seiner Aussage.
Ein lesenswertes, ein wichtiges Buch, nicht nur, aber auch wegen der Berühmtheit des Verfassers und seine Familie.
Matthias Brandt – Nein Sagen
Kiepenheuer & Witsch, März 2026
Gebundene Ausgabe, 119 Seiten, 16,00 €