Fergus Craig – Betreutes Morden

⭐⭐⭐⭐

Mord im Seniorenheim voller ehemaliger Ermittler und Krimineller – oder beidem …

Seit den gelungenen Romanen von Richard Osman über das Seniorenquartett, das stets die schwierigsten Kriminalfälle löst, ist es wohl modern, Krimis zu schreiben, die in Seniorenheimen spielen und/oder deren Ermittlungen von betagten Protagonisten geführt werden.

Nun also dieser Roman des englischen Autors und Comedian, der zusätzlich noch mit einer ehemaligen Serienkillerin als Hauptfigur aufwartet. Carol Quinn, inzwischen über 70 und frisch aus der langjährigen Haft entlassen, bezieht ihre Räume im eleganten Seniorenheim Sheldon Oaks. Dass es dort von ehemaligen Ermittlern, Anwältinnen und Pathologinnen geradezu zu wimmeln scheint, konnte sie vorher nicht ahnen und muss nun damit klar kommen.

Carol ist einsam, hat keine Familie und nach den vielen Jahren im Gefängnis auch keine sonstigen sozialen Kontakte. So knüpft sie gern Anschluss an Margret, die ehemalige Innenministerin, Geoffrey, Ex-Kommissar und Catherine, die einst Pathologin war. Sie kommen sich näher während ihrer gemeinsamen Stunden beim Backen.

Doch dann gibt es einen Todesfall, der rasch als Mord erkannt wird. Sofort wird natürlich Carol verdächtigt und so muss sie selbst herausfinden, wer Täter/Täterin war, um sich reinzuwaschen – und um ihre neuen Freunde nicht zu verlieren. Die zuerst allerdings eher Angst als Freundschaft empfinden und sie ebenfalls verdächtigen.

Aber nach und nach zeigt sich, dass die vier schließlich doch gemeinsam an einem Strang ziehen – zumal sich schließlich herausstellt, dass auch sie zu mancher Tat fähig wären.

Das Ganze ist munter, temporeich und voller witziger Gags geschrieben. Die Figuren sind mit Herzenswärme gezeichnet, wenn auch manche ein bisschen sehr schwarz/weiß. Die Andeutungen und Spuren sind ziemlich dick und deutlich gelegt, so dass man recht bald Motiv und Täter/Täterin ahnen kann.

Dazu manche gelungene Pointe und Überraschung, so dass ich den Roman mit Spaß gelesen habe und mich gut unterhalten fühlte, auch wenn rechter Tiefgang ein bisschen fehlt. Doch die Einsamkeit und die Sehnsucht nach Nähe und Wärme, die Carol empfindet, das beschreibt Fergus Craig mit einfühlsamen Worten, ohne rührselig zu werden.

Ein witziger und abwechslungsreicher Kriminalroman, auf den vermutlich Fortsetzungen folgen werden. Ich wäre jedenfalls nicht überrascht.

Fergus Craig – Betreutes Morden
Originaltitel: I’m Not The Only Murderer In My Retirement Home
aus dem Englischen von Julian Haefs
aufbau Taschenbuch, Januar 2026
Taschenbuch, 316 Seiten, 16,00 €

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