Tiffany Crum – This Story might save your life

⭐⭐⭐⭐

Eher Liebesroman als Thriller – entsagende Liebe gegenüber besitzergreifender Liebe

Die im Untertitel dieses Romans genannten Fragen „Ist er ihr bester Freund? Oder ihr Mörder?“ haben sich mir während der Lektüre nie gestellt. Die damit wenig subtil angefacht werdende Spannung allerdings trat auch nicht ein.

Dabei war die Geschichte, auch wenn sie ungemein verworren und oft unverständlich erzählt wird, durchaus fesselnd. Es waren vor allem die Figuren, die der Autorin gut gelungen sind.

Im Mittelpunkt steht der Ich-Erzähler Benny, der zusammen mit seiner besten, langjährigen Freundin Joy einen unglaublich erfolgreichen Podcast macht. Joy, die mit Xander verheiratet ist, der wiederum all die geschäftlichen Belange der beiden managt, und Benny haben eine ganz besondere Beziehung, die eigentlich auch beinhaltet, dass sie keine Geheimnisse voreinander haben.

Aber natürlich ist dem nicht so. Und so ist Benny total überrascht und erschüttert, als Joy eines Tages spurlos verschwindet. Allerdings ist auch Xander verschwunden und beider Hund Potsie ebenfalls, der aber kehrt kurz darauf allein zurück.

Zusammen mit Mallory, Xanders Schwester, die ebenfalls im Team des Podcasts mitarbeitet und später auch noch Luna, seiner Ex-Frau sowie seiner Schwester Sarah sucht Benny nach Joy und vor allem nach Gründen für ihr Verschwinden, völlig verzweifelt, voller Sorgen und auch voller Gewissensbisse. Denn er hat kurz vor Joys Verschwinden etwas zu ihr gesagt, von dem er glaubt, dass es zum einen etwas in ihr ausgelöst haben könnte und zum anderen, von dem er wünscht, dass es niemand erfährt.

Die ermittelnden Polizisten, die ein wenig klischeehaft geraten sind, verdächtigen tatsächlich irgendwann Benny, mit Joys Verschwinden und weiteren Taten, die hier, um nicht zu spoilern, nicht erwähnt werden dürfen, zu tun zu haben.

Parallel zur aktuellen Handlung, die wir aus Bennys Sicht verfolgen, gibt es Rückblenden, die dargestellt sind als Joys Biografie-Manuskript. Sie erzählt davon, wie sie Benny kennenlernte, wie ihre Freundschaft entstand, wie Xander in ihr Leben trat und schließlich auch von den Dingen, die in der Zeit kurz vor ihrem Verschwinden geschahen.

All das ist gut und auch recht fesselnd erzählt, hat allerdings keine oder doch wenig Thrillermomente. Recht früh ahnt man, wie die Beziehung zwischen Joy und Xander tatsächlich aussieht (Stichwort Gaslighting), ebenso wie bald klar ist, dass Joy für Benny viel mehr als nur eine Freundin ist, dass er sie glühend liebt. Ob sie diese Gefühle erwidert, bleibt hingegen lange im Dunkeln.

Am Ende entwirren sich die Fäden, allerdings muss vieles mühsam erklärt werden, was einerseits bei der Lektüre durchaus erkennbar war, manches aber kommt unverhofft und daher nicht immer schlüssig und nachvollziehbar. Überhaupt ist die Erzählweise recht wirr, zu viele Dinge werden in den Dialogen erwähnt, ohne näher darauf einzugehen, zu viele Figuren, zu viele Namen tauchen auf.

Dennoch ist dieser Roman, wenn auch die Einordnung als Thriller nicht stimmig und die plakative Dramatisierung im Klappentext arg überzogen ist, durchaus gut zu lesen, fühlt und empfindet man mit den Figuren, deren Emotionen die Autorin geschickt darzustellen vermag.

Also im Ganzen ein empfehlenswertes Buch.

Tiffany Crum – This Story might save your life
aus dem Englischen von Susann Rehlein
Rowohl Polaris, Januar 2026
Klappenbroschur, 440 Seiten, 17,00 €

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