
Demente Greisin und ihr Enkel auf Mörderjagd – unglaubwürdig, zäh, dröge
Um zu verstehen, warum es dieser Roman von Anfang an schwer bei mir hatte, muss man wissen, dass ich Geschichten, die in Du-Form geschrieben sind, grundsätzlich überhaupt nicht mag. Wenn die Ich-Erzählerin, wie in diesem Buch, stets ihren längst verstorbenen Ehemann anspricht und ihm ständig Fragen stellt und ähnliches, dann nervt mich das von Anfang an. Das wirkt aufgesetzt, unglaubwürdig und stört im Lesefluss.
So eben auch in diesem Roman, in welchem die greise Margaret versucht, sich daran zu erinnern, was ihr die Nachbarin, die ermordet aufgefunden wurde, kurz vor ihrem Tod noch erzählte. Barbara wurde in ihrem Haus erschlagen und Margaret, die unter fortschreitender Demenz leidet, hat vergessen, welchen Auftrag sie ihr bei ihrer letzten Begegnung gab.
Auch die Hilfe von Margarets Enkel James nützt da nichts, noch weniger die ständigen Vorwürfe, Ermahnungen und Bevormundungen durch Margarets Tochter Shirley oder deren Mann Matthew.
Margaret befragt die anderen Nachbarinnen, lauscht dem Tratsch und Klatsch, zwischendurch verliert sie sich und findet ihren Weg nach Hause nicht mehr. Ständig gibt es Auseinandersetzungen mit ihrer Tochter, die ihr nicht glaubt, wenn Margaret von Diebstählen in der Nachbarschaft berichtet und vieles ähnliches.
So zieht sich die Geschichte lange hin, unterbrochen von unnötigen Rückblicken Margarets in Zwiegesprächen mit ihrem toten Mann Albert. Immer wieder, mindestens einmal pro Seite, kommt der Satz: Erinnerst du dich, Albert oder ähnliche Formulierungen, so als wäre dem Autor gerade mal wieder eingefallen, dass er dies einfügen muss.
Die ganze Zeit geschieht wenig, dennoch kann man schon ganz früh ahnen, wer hinter dem Verbrechen steckt, so auffällig verhält sich der Verdächtige. Dazu kommt ein ganz großes Geheimnis, welches Margaret in ihrem Sekretär verwahrt, was aber auch nicht für mehr Spannung sorgt.
Vielleicht waren meine Erwartungen an dieses Buch auch schlicht zu hoch, erhoffte ich doch aufgrund der Beschreibung einen lustigen, temporeichen Krimi voller skurriler Figuren. Bekommen habe ich jedoch eine dröge Geschichte ohne Spannung, mit klischeehaften Figuren und steifen Dialogen. Eine Geschichte, die auch nach der Hälfte der Seiten immer noch nicht fesseln, nicht packen konnte.
Dass der Autor mit diesem Buch seiner eigenen Großmutter, die an Alzheimer starb und deren Geschichte ihn zum Roman inspirierte, so etwas wie ein Denkmal setzten wollte, ist sicher nett gemeint. Für einen unterhaltsamen, spannenden Krimi reicht das aber leider nicht, zumal auch der Schreibstil nicht gerade außergewöhnlich beeindruckend ist.
Schade.
Richard Hooton – Der Tag, an dem Barbara starb
aus dem Englischen von Susanne Goga-Klinkenberg
dtv, November 2025
Taschenbuch, 382 Seiten, 17,00 €