
Cormoran und Robin ermitteln wieder, doch diesmal steht nicht der Fall im Mittelpunkt
Wenn ich richtig gezählt habe, ist dies der achte Fall der Detektei Strike and Ellacott. Und wieder breitet Robert Galbraith (aka Joanne K. Rowling) die Ereignisse auf reichlich Seiten aus.
Trotzdem könnte man die Handlung in einem einzigen Satz zusammenfassen: Die Detektei bekommt den Auftrag, ein Mordopfer zu identifizieren. Oder man scheitert kläglich an einer Zusammenfassung der Handlung, denn die wird ziemlich komplex und vielschichtig, um nicht zu sagen kompliziert und arg verschlungen erzählt.
Dabei ist in diesem neuen Band gar nicht der Auftrag im Mittelpunkt, den Robin und Cormoran von einer verzweifelten Frau bekommen, die glaubt, der Tote wäre ihr Geliebter und Vater ihres Kindes. Fast mehr dreht sich die Handlung um die Beziehung zwischen Cormoran und Robin, die einander lieben, sich aber nicht trauen, dies einander oder auch nur sich selbst gegenüber einzugestehen.
Irgendwie gelingt es der Autorin, mehr als 1200 Seiten mit diesen beiden Handlungssträngen zu füllen, wobei nicht jede Seite wirklich spannend ist. Wenn ich ehrlich bin, muss ich gestehen, dass ich etliche Seiten nur quer oder überhaupt nicht gelesen habe. Denn recht früh habe ich komplett den Faden verloren, soweit es den Fall betrifft.
Denn es tauchen so viele mögliche Männer auf, die der Tote sein könnten. Die Leiche wurde gefunden im Tresorraum eines Ladens, der mit Freimaurer-Silber handelt, wo gleichzeitig etliche wertvolle Dinge gestohlen wurden. So liegt der Verdacht nahe, dass die Freimaurer und ihre diversen, sehr verwickelt organisierten Logen irgendetwas mit dem Mord und dem Raub der Silbergegenstände zu tun haben.
Im Laufe ihrer Ermittlungen stoßen Cormoran und Robin auf weitere Spuren, die in ganz andere Richtungen weisen. Derweil kämpft Robin mit den Nachwirkungen eines schweren operativen Eingriffs in Folge eines Notfalls, sie hadert mit ihrer Beziehung zu dem Kriminalkommissar Ryan Murphy, der mehr Nähe will als sie bereit ist zu akzeptieren. Dann tauchen unschöne Enthüllungen über Cormorans Liebesleben auf, die Robin zusätzlich verstören.
Während Cormoran verzweifelt auf eine passende Gelegenheit wartet, ihr seine Liebe zu gestehen. Doch immer kommt irgendwas dazwischen.
Für ausreichend Verwicklungen ist also gesorgt in diesem Roman. Dennoch konnte mich diesmal die Geschichte längst nicht so fesseln wie manch ein Vorgängerband (die ohnehin nicht alle gleich spannend und gelungen sind, meiner Meinung nach). Dazu tragen vor allem die unendlich vielen Figuren bei, die mal mehr mal weniger häufig auftreten, zu denen Galbraith/Rowling aber stets ihre gesamte Vorgeschichte erzählt. Und wie immer hat die Detektei natürlich parallel noch andere Fälle, muss untreue Ehepartner verfolgen oder beschattet einen dubiosen Mann, der seinen Sohn quält.
Jedenfalls hatte ich an irgendeiner Stelle komplett den Faden verloren hinsichtlich des Hauptfalls, konnte die diversen, als Leiche in Frage kommenden Männer nicht mehr auseinanderhalten. Und als dann am Ende Cormoran ganz nonchalant die Dinge aufklärt, während er schwer verletzt ist, hat sich mir dann schließlich überhaupt nicht erschlossen, wie er zu diesen Erkenntnissen gelangt war.
Dazu die arg breit ausgewalzte Liebesgeschichte zwischen Robin und Cormoran. Die ein bisschen zu ausführlich, mit recht häufigen Wiederholungen der gleichen Gefühlsbeschreibungen auf beiden Seiten, geschildert wird. Da quält sich Robin mit immer denselben Zweifeln, hin und her gerissen zwischen ihrer Loyalität zu Ryan und ihrer Liebe zu Cormoran. Da steht Cormoran unter Druck, befürchtet er doch, dass Ryan Murphy die besseren Karten in diesem Spiel hat.
Aber sei es drum, auch wenn man diese Geschichten auf halb so vielen Seiten hätte erzählen können, macht die Lektüre dieser Reihe immer wieder Spaß. Und so harre ich nun auf Band 9, denn – soviel spoilern sei erlaubt – das Ende legt eine Fortsetzung nahe oder macht sie vielmehr unumgänglich. Also freue ich mich auf das Ende des Jahres, wo hoffentlich die nächste Folge erscheinen wird.
Robert Galbraith – Der Tote mit dem Silberzeichen
aus dem Englischen von Wulf Bergner, Christoph Göhler und Kristof Kurz
Blanvalet, November 2025
Gebundene Ausgabe, 1247 Seiten, 32,00 €
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