Guck mal: Verrückte Orte in Deutschland

⭐⭐⭐⭐⭐

222 Tipps, einer kurioser und interessanter als der andere

Man muss nicht verrückt sein, um Spaß an diesem Buch zu haben – und an diesen Orten. Aber es hilft, sich auf Abenteuer, Skurriles und Außergewöhnliches einzulassen, dann kann man diese Vorschläge für Wochenendausflüge, Kurztrips oder Urlaubsziele richtig genießen.

Dabei machen nicht nur die gelungenen Fotos Lust aufs Reisen, vor allem die witzigen, das Kuriose hervorhebenden Texte sind es, die gute Laune machen und – wenn man schon nicht selbst an den angepriesenen Ort fahren kann – ihn zumindest nach Hause bringen.

Wie so oft bei den beliebten Reiseführern dieses Verlags sind die Ziele geografisch geordnet nach Norden, Süden, Osten, Westen und im Herzen Deutschlands. Zwar steht für jeden dieser „Verrückten Orte“ meist nur eine Seite des Buchs zur Verfügung, dort aber wird alles Wissenswerte aufgeführt.

Durchnummeriert von 1 bis 222 – so findet man die Orte dann auch auf den jeweils den Kapiteln vorangestellten stilisierten Karten – und überschrieben mit einem neugierig machenden Titel folgt dann, neben einem Foto des Ortes eine kurze und meist sehr humorvolle Beschreibung. Teils wird die Geschichte kurz angerissen, mal gibt es andere Hintergrundinformationen. Und es fehlen auch nie, wie man es gewohnt ist, die nötigen Angaben zu Zieladresse, sogar mit Koordinaten, und Anfahrtstipps.

Da wird man beispielsweise gelockt nach Bremerhaven zu einem echten U-Boot, das man besichtigen kann. Im Osten „steht ein Flugzeug auf dem Acker!“, nämlich in Gollenberg bei Stölln. Warum? Weil Stölln bzw. Gollenberg der Ort ist, an dem Otto Lilienthal 1896 tödlich verunglückte. Deswegen wollte die DDR-Führung dem Ort 1989 ein Flugzeug schenken, welches dann, in Ermangelung einer Landebahn, auf dem Acker landete. Und dort stehen blieb.

„Im Herzen“ wird z.B. die U-Bahn-Station Bockenheimer Warte in Frankfurt/Main gezeigt. Die einen in die Erde hineinfahrenden U-Bahn-Wagen zeigt als Eingang zu der Station. Wirklich sehenswert, was ich aus eigener Anschauung bestätigen kann. Im Westen wiederum gibt es einen Riesen, nämlich den „Inde-Mann“. Da ich selbst schon dort war, kann ich auch hier bestätigen, wie beeindruckend diese Konstruktion am Tagebaurand ist und welchen überwältigenden Blick man von der darin enthaltenen Aussichtsplattform hat.

Und im Süden schließlich findet sich zwischen vielen anderen verrückten Orten unter Tipp 195 die Breitachklamm, die man im Winter mit Fackeln durchwandern kann.

Zusätzlich zu der geografischen Aufteilung führt das Buch auch noch Orte geordnet nach „Besuchen bei Hitze“ oder „im Winter“ oder „mit Kindern“ auf, so dass man einfach und schnell die eigenen Interessensgebiete findet. Dazu gibt es am Ende noch ein Ortsregister und noch einmal eine andere Sortierung, nach Themen nämlich, als da sind Events und Touren, Natur und Landschaft oder Zeitreise und Kunst und vieles mehr.

Ein wirklich rundherum gelungenes Buch, das beim Lesen und Blättern enorm viel Spaß macht und definitiv Lust auf verrückte Orte.

Guck mal: Verrückte Orte in Deutschland
MARCO POLO, Juni 2025
Klappenbroschur, 286 Seiten, 19,95 €