Tayari Jones – Goodbye, Honeysuckle

⭐⭐⭐⭐⭐

Schwarz und Frau im Amerika der Sechziger Jahre – interessante und fesselnde Geschichte

Wieder erzählt Tayari Jones, von der ich bereits andere Romane mit Begeisterung gelesen habe, eine Geschichte mit großem Tiefgang, voller interessanter Charaktere und mit starkem Bezug zu historischen Hintergründen. Und wieder stehen im Mittelpunkt ihres Buchs schwarze Frauen.

Es sind junge Frauen, fast Mädchen noch, die sich aus der Enge der Kleinstadt, in der sie aufwuchsen, befreien. Annie und Niecy sind Freundinnen, seit sie zusammen in der Wiege lagen. Sie teilen das gleiche Schicksal, wachsen beide ohne Mutter auf.

Niecys Mutter wurde von ihrem Vater ermordet, Annies Mutter verlies sie, als Annie noch ein Säugling war. Worunter das Mädchen immer leidet, weshalb die Suche nach der Mutter das Einzige ist, was sie antreibt. Deswegen verlässt sie Honeysuckle, die Stadt ihrer Kindheit und geht zusammen mit drei Freunden.

Niecy hingegen ergattert einen Studienplatz in Atlanta. Beide haben ganz unterschiedliche Träume und Ziele, von denen sie sich regelmäßig schreiben, Treffen zwischen den Freundinnen gibt es selten. Niecy strebt eine Ehe an, mit einem gutsituierten und freundlichen Mann,  während Annie weiter mit den Freunden zusammenlebt, viele verschiedene Jobs annimmt.

Dabei glaubt sie immer wieder, in Frauen ihre Mutter zu sehen, bringt sich damit auch mal in Schwierigkeiten und streitet mit ihrem Freund. Niecy bereitet derweil ihre Hochzeit vor, zu der sie Annie einlädt.

Vor allem durch die Briefe, die die beiden austauschen, erzählt Tayari Jones die Ereignisse. Viele Dinge, die passieren, viele Vorfälle geschehen, weil die Lage der Schwarzen in den Sechziger Jahren so war wie sie war. Vorurteile, Ausgrenzungen, Diffamierungen, Ungerechtigkeiten und Gewalt sind an der Tagesordnung und die Autorin schildert das geschickt eingebunden in ihre fiktive Story.

Dennoch packt der Roman nicht so wie die vorherigen Bücher, die ich von ihr las. Vieles wird ein wenig zäh, manches zu ausführlich erzählt. Über lange Strecken geschieht nicht viel, gibt es wenig Handlung. Aber die beiden Hauptfiguren sind unglaublich gut ausgearbeitet, man kann sich tief in sie hineinfühlen, die unterschiedlichen Charaktere werden voller Verständnis beschrieben, ohne sie dabei zu verurteilen oder zu verteidigen.

Ein Roman, der berührt, der in manchen Szenen wütend macht, an anderer Stelle traurig, der seine Längen hat, der aber dank des wunderbaren Schreibstils unbedingt zu empfehlen ist.

Tayari Jones – Goodbye, Honeysuckle
Originaltitel: Kin
aus dem amerikanischen Englisch von Britt Somann-Jung
Arche, August 2026
Gebundene Ausgabe, 436 Seiten, 25,00 €


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